Das sechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1934.
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daß die Landesbauernschaft Hannover für ihre sämtlichen Bäuerlichen Werk
schulen Dauerabonnements auf Wetterkarten aufgab. Die Wetterdienststelle
Hamburg unterhält in Groß-Hamburg in Verbindung mit der Normal-Zeit
G.m.b.H. 60 Wetterkartenaushänge. Die Wetterkartenauflage, die Anfang des
Jahres mit 550 Stück begann, endete im Jahre 1934 mit 630 Stück. — Das In
strumentarium der Wetterdienststelle wurde im Berichtsjahr um zwei Strahlungs
meßgeräte (Angströmsche Pyrgeometer) und eine Anlage zur elektrischen Tempe
raturmessung vermehrt.
Auch im Berichtsjahre hat sich die dauernde persönliche Fühlungnahme
der Wetterdienststelle mit der Tagespresse erneut als fruchtbar erwiesen.
Seit September 1934 wurde auf Veranlassung des Reichsluftfahrtministeriums
auch die Belieferung mecklenburgischer Zeitungen übernommen, die bis
dahin von der Universitäts-Luftwarte Rostock mit Wetternachrichten versorgt
worden waren. Es verdient Anerkennung, daß die Tagespresse die hohe volks
wirtschaftliche Bedeutung des deutschen öffentlichen Wetterdienstes erkannt
hat und auch ihn als ein wichtiges Hilfsmittel betrachtet in dem allseitig ge
führten Feldzuge gegen jede Art von Stoffbeschädigung und -Vergeudung.
Gruppe W/Kl.
Klimatologie.
a) Klimatologie der deutschen Küste.
Aus dem Stationsnetz: Der Erweiterungsbau der Seewarte auf dem Garten
gelände bedingte eine Verlegung der Thermometerhütten und Regenmesser beim
Dienstgebäude der Seewarte: Auf dem Südturm des Seewartenhauptgebäudes
wurde eine große Thermometerhütte aufgestellt, auf dem Dache der Seewarte
ein mechanisch registrierender Regenmesser, eine Hornersche Wippe und ein ein
facher Hellmannscher Regenmesser. Für die Zwecke der Wolkenbeobachtungen
wurde auf der Plattform des Südturmes auf Zementsockel eine Steinplatte auf
gebaut, auf der ein Wolkenspiegel aufgestellt und nach Bedarf verschoben werden
kann.
Um meteorologische Beobachtungen zu erhalten, die den besonderen Ein
flüssen des Hamburger Hafens entzogen und für Norddeutschland möglichst
„repräsentativ“ sind, wurde bei der Meteorologischen Versuchsanstalt der Deut
schen Seewarte in Hamburg-Fuhlsbüttel auf deren freiem ebenen Gelände in un
mittelbarer Nähe des Flugplatzes eine klimatologische Station errichtet und am
1. August 1934 in Betrieb genommen.
Nach einer Besichtigung der synoptischen Station des Küstenwetterdienstes
Flensburg-Mürwik am 25. Februar durch Dr. Wittenbecher wurde diese Be
obachtungsstelle am 8. März von der Torpedo- und Nachrichtenschule nach der
Marineschule Flensburg verlegt.
Die Normalbeobachtungsstation Kiel ging am 1. Oktober von der Luftdienst-
abteilung des Deutschen Luftsport-Verbandes e. V. über an die Abteilung Wetter
dienst, Flugwetterwarte, des Luftamtes Kiel.
Um das synoptische Netz im Raume der östlichen Ostsee zu verdichten,
wurde der Ausbau der Stationen Leba und Brüsterort zu vollen synoptischen
Stationen begonnen.
Das Instrumentarium der Küstenstationen und der Feuerschiffe wurde auf
dem laufenden gehalten; 2 Feuerschiffe werden versuchsweise mit Kontaktanemo
metern ausgerüstet werden.
Sturmwarnungswesen imd Windsignalstellen: Vom Hauptagentur vorsteher Wilde
in Königsberg wurden besucht die ostpreußischen Sturmwarnungsstellen; Pillau, 1
und 2, Fischhausen, Palmnicken, Brüsterort, Groß-Kuhren, Neu-Kuhren, Neu-Terra-
nova, Kahlberg, Neukrug, Gilge, Inse, Pilikoppen, Rossitten, Wehrdamm, Balga. Eine
Sturmwarnungsstelle in Peyse in Ostpreußen dürfte im kommenden Jahre errichtet
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