24
Das sechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1934.
c) Windstauvorhersage- und Sturmflutwarnungsdienst.
Dem Reichssender Hamburg wurden regelmäßig täglich vormittags und
abends Angaben über den an der deutschen Nordseeküste, in den Flußgebieten
und in Hamburg zu erwartenden Windstau zur Verbreitung übermittelt.
Eine große Hilfe bei der schnellen Beurteilung der gegebenen Windstau
voraussagen wird dem Windstauvorhersagedienst durch die Übermittlung der
vom Wasserbauamt Emden in Borkum, vom Marineobservatorium in Wilhelms
haven, vom Reichsneubauamt in Helgoland, von der Wasserbauabteilung in Cux
haven und vom Wasserbauamt Husum beobachteten Hoch- und Niedrigwasser
geleistet.
Bei Sturmflutgefahr wurden die fernmündlichen Anfragen außerhalb der
Dienstzeit, auch nachts, sowohl vom Gezeitendienstzimmer aus durch den wöchent
lich wechselnden Diensthabenden als auch von der Wohnung Dr. Rauschelbachs
aus erledigt.
Warnungen durch Fernsprecher: Sturmflutwarnungen wurden an etwa
15 durch Fernsprecher leicht erreichbare Behörden, Baustellen oder Privatfirmen
in Hamburg und Umgegend wiederholt erlassen. Ferner wurden Warnungen an
die beiden Warnungsstellen in Neuengamme und Curslack gegeben, die durch
eine der vorausgesagten Erhöhung entsprechende Anzahl von „Kanonenschlägen“
die Warnung weiterverbreiten.
Warnungen durch Wobs-Telegramme; Es wurden 35 Wasserbaubehörden
oder deren Baustellen, Deichverbände und Gemeinden durch Wobs-Telegramme
wiederholt vor Sturmfluten gewarnt.
Warnungen durch den Rundfunk: Bei Sturmflutgefahr wurden dem
Reichssender Hamburg Warnungen im Anschluß an die Wasserstandsmeldungen
oder auch außerhalb der festgesetzten Zeit übermittelt und von ihm sofort und
wiederholt verbreitet.
d) Instrumente.
Gezeitenrechenmaschine: Die gesamte Relaisanlage für den Zeitgeber
und für die Betätigung des Druckwerks wurde in doppelter Ausführung neu ge
schaffen, so daß beide Anlagen durch Umlegen eines Hebels unabhängig von
einander eingeschaltet werden können. — Schaltbilder, die das Hintereinander
arbeiten der einzelnen Relais verdeutlichen sollen, wurden in ausführlicher Weise
angefertigt.
Tischpegel: Ein älterer, dem Tischpegel parallel geschalteter Zahlenpegel
wurde umgebaut und in Betrieb genommen.
Hochseepegel: An der Kassette des Hochseepegels nach Rauschelbach
wurden mehrere Verbesserungen vorgenommen; ferner wurden umfangreiche
Versuche mit verschiedenen Papierarten angestellt. Ein Meßtisch zur Ausmessung
der Pegelaufzeichnungen wurde fertiggestellt. — Der Hochseepegel fand bei den
Gezeitenuntersuehungen der Marine in der Nordsee Verwendung und hat dabei
den wesentlichsten Teil der Hochseepegelbeobachtungen geliefert.
Flachseepegel: Zur Entwicklung eines auch für das Wattengebiet ge
eigneten, elektrisch übertragenden Flachseepegels wurde eine Versuchsanordnung
geschaffen.
Strommesser; Das Schreibwerk eines älteren Strommessers nach Rauschel
bach wurde aufgearbeitet und ein anderes Instrument überholt. — Für die Ent
wicklung eines Druckwerks für den Strommesser wurden Einzelteile für eine
Versuchsanordnung her gestellt.
Zur Wartung eines der Marine gehörenden Strommessers hat der technische
Assistent H. Riemann sieben Wochen lang an den Gezeitenuntersuchungen in
der Nordsee teilgenommen.