Das sechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1934.
21
Zeitdienst benutzt. Ebenso konnte eine Untersuchung des Zusammenhangs von
Sternzahl und Genauigkeit einer Zeitbestimmung praktisch verwertet werden.
Die Beobachtungen während der Längenvermessung sind sämtlich reduziert;
nur die Untersuchung der systematischen Fehler, die die Länge verfälschen können,
ist noch nicht abgeschlossen.
Die in den ersten 8 Monaten der Quarzuhrübertragung gewonnenen Erfahrungen
führten zur Entwicklung einer Ausgleichsmethode für die Beobachtungen,
die eine genauere Ermittlung der Verbesserungen ermöglichte und bei
genügend angesammeltem Material gestatten wird, genaueres über die Güte der
Quarzuhren auszusagen.
Dr. Freiesieben wurde weiter zur Mitarbeit an den Untersuchungen der
Kriegsmarine über die Kimmtiefe herangezogen und nahm mehrfach zu diesem
Zwecke an Beobachtungen auf Helgoland teil.
Herr Missionar H. Strauß aus Neuguinea (Missionsanstalt Neuendettelsau)
wurde in Fragen der astronomischen Ortsbestimmung theoretisch und praktisch
unterwiesen.
f) Zeitdienst der Hauptagenturen.
Das Lichtzeitzeichen in Cuxhaven wurde am 16. September auf Anordnung
des Reichsverkehrsministeriums eingestellt und die Säule abgebrochen, da die
Marinenachrichtenstelle, deren Signalturm sich unmittelbar hinter der Laterne
für das Lichtzeitzeichen befindet, Einspruch wegen Störung des Signaldienstes
erhoben hatte.
In Bremen wird das Lichtzeitzeichen seit dem 1. Dezember nicht mehr gegeben,
da die Bedürfnisfrage eindeutig verneint worden ist und sich dauernde
Leitungsschwierigkeiten zeigten. An dem Betrieb der übrigen Signalstellen soll
nach Entscheidung des Reichsverkehrsministeriums vom 23. Oktober jedoch vorläufig
nichts geändert werden.
Die Lichtzeitsignalanlagen arbeiteten im übrigen, von unerheblichen Störungen
abgesehen, einwandfrei; ihr praktischer Wert ließe sich steigern, wenn die Zeitzeichen
stündlich gezeigt werden würden.
In Kiel sind mit den oben erwähnten Arbeiten an 2 Uhren die geplanten
Erneuerungsarbeiten der Zeitdiensteinrichtungen nunmehr beendet. In der Abgabe
des telephonischen Zeitsignals und des Mittagschusses traten keine nennenswerten
Störungen ein.
Der Chronometerdienst der Hauptagenturen wurde wie früher überwacht.
Gruppe N /G.
Gezeiten.
a) Herausgegebene Arbeiten.
Die „Gezeitentafeln für das Jahr 1935“ sind Ende Mai 1934 im Buchhandel
erschienen. Wie bereits vom Jahrgang 1933 an wurden sie in zwei Bänden
herausgegeben, und zwar als „Band I: Europäische Gewässer“ und „Band II;
Außereuropäische Gewässer“. — Da die Gezeitentafeln vom Jahrgang 1935 an
wieder in Selbstverlag übernommen werden konnten, war es möglich, die Verkaufspreise
für beide Bände erheblich zu senken, und zwar für Band I von
12 RM auf 4 RM und für Band II von 14 RM auf 5 RM. Infolge dieser Verbilligung
war der Band I bereits Ende Dezember vergriffen, so daß ein Neudruck
des noch stehenden Satzes erfolgen mußte.
Im Vergleich zum Jahrgang 1934 sind folgende Änderungen durchgeführt; Im Teil I des
Bandes I ist der „Kalender“ fortgefallen; die für die Gezeitenvorausberechnung noch notwendigen
Kalenderangaben sind in den neuen Tafeln I „Zeit des Meridiandurchgangs des Mondes in Greenwich.
1935. M. G. Z.“ und II „Mondphasen. 1935. M. G. Z.“ enthalten. Die frühere Tafel I ist durch
die neue Tafel III „Tafel zur angenäherten Berechnung der Höhe zu einem beliebigen Zeitpunkt“
ersetzt. Neu hinzugetreten ist die Tafel XI „Tafeln zur Verbesserung der Hoch- und Niedrigwasserzeiten
wegen halbmonatlicher Ungleichheit“ für das Gebiet der Britischen Gewässer; hierdurch konnten