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Full text: Jahresbericht 1934

Das sechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1934. 
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Büchern 1, 3 und 5 sind aus Gruppe H hervorgegangen; den Aus 
führungen sind 15 Karten und 9 Vertikalschnitte beigegeben. Die 
Gruppe Kl der Abteilung W hat die Abschnitte „Wind und Wetter“ 
bearbeitet, enthaltend u. a. insgesamt 35 Karten. 
Gruppe N/1. 
Nautische Meteorologie und Meereskunde, Eisdienst, Küstenkunde. 
a) Allgemeines. 
Das Wachsen des Interesses der Kapitäne und Offiziere der Handelsmarine 
an den Arbeiten der Seewarte kommt wie im Vorjahr erneut zum Ausdruck in 
der Zunahme der eingesandten Berichte und Zuschriften. Auch die weitere 
Steigerung der Qualität der Bordmessungen und -beobachtungen ist unverkenn 
bar. Die Entwicklung steht in Zusammenhang mit dem Aufschwung, den die 
Schiffahrt seit dem 1932 erreichten Tiefstand allmählich nimmt: Mit dem See 
verkehr steigt und fällt die Kurve der nautischen Mitarbeit an der naturkund 
lichen Erforschung des Seeraumes, die doppelte Bedeutung gewonnen hat durch 
den Weltluftverkehr. 
Abgeschlossen ist im Berichtsjahr die Bearbeitung der „Monatskarten für die 
Nord- und Ostsee“; das Werk ist Anfang 1935 erschienen. Die betreffende 
Auswertung der „kleinen Wetterbücher“ ist von erwerbslosen Kapitänen und 
Offizieren der Handelsmarine geleistet worden. Die Art der Darstellung der 
Windverhältnisse jener Karten weicht erstmalig ab von der bisher bei den 
nautischen Seewartenkarten üblichen: Die Richtungsstrahlen der Windsterne sind 
nicht mehr mit einer die mittlere Windstärke kennzeichnenden Befiederung 
versehen, sondern nach international festgelegten Abstufungen unterteilt, und 
zwar derart, daß sie ein Bild von der prozentualen Häufigkeit des Auftretens 
der drei Beaufortgradstufen 1 bis 3, 4 bis 7 und 8 bis 12 geben. Maßgebend für 
diese Art der Veranschaulichung waren die Ansprüche sowohl der verschiedenen 
Schiffsgrößen, die in der Nord- und Ostsee verkehren, wie auch der Luftfahrt. 
Bei Anlage der Karten ist in Erwägung gezogen worden, die mittleren Windverhältnisse — 
Richtung und Stärke — durch Stromlinien darzustellen. So wertvoll diese Methode für die Erkennt 
nis der klimatologischen Zusammenhänge über weite Räume hinweg ist, so wenig bietet sie dem 
praktischen Augenblicksbedarf der Seefahrer. Solange die wissenschaftliche Forschung das Problem 
der Vorausberechnung von Wetter und Strom nicht gelöst hat, muß die klima- und meereskund- 
liche Übersichtskarte dem Nautiker vor allem in bequemer Weise zeigen, mit welchen Möglich 
keiten und Wahrscheinlichkeiten er am Ort seines Schiffes oder Luftfahrzeuges zu rechnen 
hat. Es spricht manches dafür, daß die angewandte „Häufigkeits“-Klimatologie in der nautischen 
Meteorologie künftig außer dem „Wind“ noch mehr Elemente erfassen wird; Durch Unwetter und Strom 
verursachte Schäden an und im Schiff oder Luftschiff sind in der Regel nicht mit mittleren atmo- 
und hydrosphärisehen Zuständen verknüpft, sondern mit mehr oder weniger großen Abw eichungen 
von diesen. Je zuverlässiger die Unterlagen zur Berechnung der Wahrscheinlichkeit des Eintretens 
extremer, mit Schadenswirkungen verbundener Zustände sind, um so niedriger kann beispielsweise die 
Versicherungsprämie angesetzt werden: ein volkswirtschaftlicher Ansporn für die messende nautische 
Klimatologie und Ozeanodynamik, dessen Bedeutung für die Forschung nicht zu unterschätzen ist. 
Er fördert diese in gleicher Weise wie das ebenfalls volkswirtschaftlich wichtige Bestreben, Sturm, 
Wetter, Nebel, Seegang und Strom rechtzeitig vorher zu erkennen, um positive Wirkungen [Mitwind, 
Mitstrom] auszunutzen und negativen, insbesondere etwaigen Gefahrzonen auszuweiohen 1 ). 
Die Bearbeitung des „Dampferhandbuchs für den Indischen Ozean“ wird vor 
aussichtlich Ende 1935 beendet sein. — Für die Herstellung des „Stromatlas des 
Atlantischen Ozeans“ ist das schon vor Jahren aus den Schiffstagebüchern aus 
gezogene Material gesichtet und durch weitere Auszüge ergänzt worden. Bis 
Ende des Berichtsjahres lagen 161 440 Strombeobachtungen mit ihren Begleit 
werten in Karteikartenform vor. — Die „Monatskarten für den Nordatlantischen 
Ozean“ sind regelmäßig erschienen, die entsprechenden, im Handel befindlichen 
Monatskarten für den Indischen und Südatlantischen Ozean unverändert geblieben. 
x ) Vgl. „Hansa“, Hamburg, 6. 4. 35, Seite 582ff.: „Die Notwendigkeit meteorologischer Navi 
gation. Ein Beitrag zur Wirtschaftlichkeit des Schiffsbetriebs“. 
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