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Das sechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1934.
Beamtenstabe des Instituts angehören, außerdem 8 Inaugural-Dissertationen von
Doktoranden der Herren Agatz-Berlin, Defant-Berlin (2), v. Ficker-Berlin, Kuhl-
brodt-Hamburg, Schulz-Hamburg (2) und Wigand-Hamburg.
B. Aus den Berichten der Fachgruppen.
1. Abteilung N.
Nautisch-Hydrographische Abteilung,
a) Allgemeines.
Die Abteilung umfaßt die Fachgruppen I, II, IV, G und H der Deutschen Seewarte.
Die Arbeitsgebiete sind folgende: Nautische Meteorologie und Meereskunde, Eisdienst,
Küstenkunde (1) — Schiffslaternen und Meßgeräte, Erd- und Schiffsmagnetismus, tech
nische Navigation (II) — Astronomie und Zcitmeßwesen (IV) — Gezeitendienst, Windstau
vorhersage und Sturmflutwarnungsdienst (G) — Ozeanographie (H). Das verbindende Ele
ment der Fachgebiete ist im allgemeinen die Hydrosphäre, das Weltmeer. In diesem
Medium spielt sich im Rahmen der Weltwirtschaft der Schiffs-Weltverkehr ab, auf dessen
Sicherung und Förderung die Arbeit der ganzen Abteilung hinzielt, möge es sich um un
mittelbare Anwendung wissenschaftlich-praktischer Zweckforschung handeln oder
um Erkenntnisforschung für künftige praktische Nutzbarmachung; Was heute noch
„rein theoretisch“ erscheint, kann morgen schon größte praktische Bedeutung erlangen.
Yoraussohauend ,.bereit sein ist alles“! Wer mit Messung und Beobachtung, Verarbeitung
und praktischer Handhabung des Zahlenstoffes erst beginnt, wenn dessen Verwertung durch
eine neue wissenschaftliche Entdeckung restlos gesichert ist, der gerät wirtschaftlich ins
Hintertreffen.
In dem schmalen Raum zwischen Mastspitze und Ankergrund wirkt sich sicht- und
fühlbar aus, was in der Tiefsee und in der Luftstratosphäre, in polaren und äqua
torialen Regionen, ferner durch den Gegensatz von Kontinent und Ozean und endlich im
Kosmos erzeugt wird. Daher die Einheit sowohl von Zweck- und Erkenntnisforschung
wie auch die Einheit der verschiedenen Wissenszweige Astronomie und Physik, Meereskunde
und Meteorologie innerhalb der Abteilung N ebenso wie in der ganzen Seewarte! Nicht
nur das ohnehin selbstverständliche Zusammenwirken der Abteilungsgruppen, sondern auch
das gemeinsame Arbeiten mit der Abteilung W ist die notwendige Voraussetzung für die
Leistungen beider, wenn sie ihre Seewarten auf gaben für das deutsche Volk und für die
Menschheit erfüllen sollen: Seenautik und ozeanische Luftnautik sind, wenn kostspielige
Doppelarbeit vermieden werden soll, hinsichtlich ihrer Beziehungen zu den Naturerschei
nungen zwecks deren Beherrschung untrennbar miteinander verbunden.
Von einer Abteilungs-Ubersicht über die Tätigkeit der einzelnen Fachgruppen wird
abgesehen, da letztere nach wie vor die Träger der Facharbeit sind. Lediglich aus Gründen
der Zweckmäßigkeit, nämlich um Wiederholungen in den Einzelberichten zu vermeiden,
wird an dieser Stelle zusamraengefaßt;
b) Die Mitarbeit der Seewartengruppen an den 1934 erschienenen Seehand
büchern der Kriegsmarine.
1. „Island, die Färöer und Jan Mayen“ (4. Auflage),
2. „Westküste Irlands“ (3. Aufl.),
3. „Mittelmeer, III. Teil: Nordküste von Afrika“ (3. Aufl.),
4. „Kanal, I. Teil: Südküste Englands“ (6. Aufl.),
5. „Nordatlantische Inseln: Azoren, Madeira, Kanarien, Kapverden und
Bermudas“ (2. Aufl.).
Deren Abschnitte über Lotungen, Dampfer- und Seglerwege sind aus
Gruppe I hervorgegangen. Ihre Spezialkarten der Linien gleicher
magnetischer Mißweisung für das Jahr 1935 sind nebst dem erläuternden
Begleittext von Gruppe II bearbeitet. Mit den Abschnitten „Gezeiten“,
„Gezeitenströme“ und betreffenden, im Gesamttext verstreuten Einzel
angaben sowie mit 12 neu entworfenen Gezeitenkarten, 49 Gezeitenstrom
karten und 6 vorausberechneten Gezeitenkurven ist die Gruppe G be
teiligt. Der Abschnitt „Temperatur, Salzgehalt und Dichte“ in Hand
buch 1 sowie die Kapitel über die Oberflächenströmungen in den