Das sechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1934,
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ständen wirtschaftlich zu arbeiten, d. h. unter größtmöglicher Ausnutzung
von fördernden und unter Vermeidung oder Unschädlichmachung von
hemmenden und zerstörenden Natureinflüssen. Für die innere Leitung
des Anstaltsbetriebes bedeutete diese Entwicklung eine außerordentliche Erschwe
rung, da in ihr die große Gefahr des Divergierens der Arbeitskräfte lag, d. h. eines
„Nach-Außen-Strebens“ sowohl der Einzelressorts wie auch der Einzelpersonen. Ihr
ist begegnet worden durch eine Maßnahme, die sich aus der Doppelunterstellung
des Instituts von selbst ergab und die auch betrieblich nicht unbegründet er
scheint im Hinblick auf die beiden Medien, in denen der Weltverkehr sich jetzt
abspielt; die Hydro- und die Atmosphäre, das Welt- und das Luftmeer. Die
zahlreichen Einzelressorts der Seewarte wurden in drei „Abteilungen“ zusammen
gefaßt, die sich wie folgt zusammensetzen:
1. Die Centralabteüung [C] ist gebildet aus den (bisherigen „Abteilungen“)
Gruppen C, V und A/ß [Organisation, innerer Dienstbetrieb, Personen
standsbearbeitung, Geldwirtschaft, Bibliothek und Veröffentlichungen,
soweit letztere nicht von den Fachgruppen erledigt werden],
2. Die Nautisch-Hydrographische Abteilung [N] umfaßt die Gruppen I, II,
IV, G und H, deren Arbeiten auf den Gebieten Nautik, nautische
Instrumente, Magnetismus, Astronomie, Gezeiten und Meeres
kunde liegen.
3. Die Wetterdienstabteilung [W] setzt sich zusammen aus den Gruppen III
(eigentlicher Wetterdienst mitsamt der Reichswetterdienststelle Ham
burg), Kl (Klimatologie), S (Seeflug) und MVA (Meteorologische
Versuchsanstalt in Fuhlsbüttel).
Die Hauptaufgabe der „Abteilungsleiter“ [im neuen Sinne] geht dahin,
das bei der fachlichen Zweiteilung doppelt notwendige Miteinander arbeiten
nicht nur ihrer eigenen Abteilungsgruppen, sondern insbesondere auch mit
den anderen Abteilungen und deren Gruppen unter allen Umständen mit
Hilfe der geschäftsordnungsmäßigen Mittel zu sichern, damit Doppelarbeit, Wider
sprüche und Leerlauf vermieden werden! Mit den „Abteilungsleitern“ [im neuen
Sinne] sind keine neuen „Büroinstanzen“ geschaffen worden zwischen den Gruppen
und Sachgebieten einerseits, die nach wie vor die Hauptträger der Facharbeit
des Institutes sind, und andererseits den Verkehrs-, Wirtschafts- und Wissen
schaftskreisen als den Nutznießern der Seewartenarbeit. Den Gruppenleitern und
den bewährten alten Sachwaltern bleibt zur schnelleren Erledigung des Geschäfts
verkehrs und zur Aufrechterhaltung der Verantwortungs- und Dienstfreudigkeit
nach wie vor das unerläßliche Maß von Freiheit auf dem Boden der selbst
verständlichen Amtsdisziplin und der Geschäftsordnung; deren Wah
rung vermag allein das Arbeiten der Einzelressorts im Rahmen des Ganzen
sowie die unbedingt erforderliche Kenntnisnahme wichtigerer Entscheidungen und
Maßnahmen auch seitens an sich im Einzelfalle nicht unmittelbar beteiligter
Gruppen und Sachgebiete zu verbürgen.
Ein bedeutsames Ereignis des Berichtsjahres ist der Beginn des großen
Erweiterungsbaues der Deutschen Seewarte neben dem alten „Neumayer-Haus“.
Seit 1927 hatte sich der verstorbene Präsident der Anstalt, H. Dominik, unab
lässig für den Bau eingesetzt: seinen Manen sei hierfür auch an dieser Stelle
gedankt! Im Frühjahr 1934 wurde der Neubau von der Reichsregierung ge
nehmigt im Rahmen des III. nationalsozialistischen Arbeitsprogrammes, des sog.
„Reinhardt-Planes“; im Sommer des gleichen Jahres ist mit der Ausführung be
gonnen worden. Hier mögen einige sprechende Zahlen die Notwendigkeit be
zeugen: in denselben Räumen des Neumayer-Hauses, die 1912 (nach Aufgabe der
Dienstwohnung des Anstaltleiters) für 62 Personen gerade ausreichten, mußten
1934 — nach Abzug von 5 für Bibliotheks-Zwecke benötigten Zimmern
— 110 Menschen arbeiten!
Den Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs seit dem Tiefstände 1932 und
seine Auswirkung auf das Arbeiten der Seewarte kennzeichnen ebenfalls einige
eindrucksvolle Zahlen: