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Full text: Jahresbericht 1934

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Das sechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1934. 
leuchtet. Selbstverständlich erfüllt die „Zahl“ ihren Zweck nicht ganz, da sie 
nur End-Ergebnisse kennzeichnet. Sie schweigt über ihre Entstehung aus dem 
Wirken ganzer Arbeitsgebiete, weil sie dieses selbst nicht wiederzugeben vermag: 
über das Prognosenwesen, den Gezeitendienst, die Tätigkeit des meereschemischen 
Laboratoriums, die Deviationsbestimmungen, den überseeischen meteorologischen 
Beobachtungsdienst, die Drachen- und Pilotaufstiege, das Zeitsignalwesen und 
vieles andere mehr, kurz über die gesamte den „Summen“ zugrunde liegende 
eigentliche Arbeit des Institutes! 
c) Das Berichtsjahr 1934- 
Einer der ersten praktischen Schritte zu der durch das Reichsgesetz vom 
30. Januar 1934 über den „Neuaufbau des Reiches“ eingeleiteten Reichsreform war 
der durch Verordnung des Führers und Reichskanzlers vom 6. April 1934 ge 
schaffene „Rekhswetterdienst“. Ein im In- und Ausland vielfach als geradezu 
„grotesk“ empfundener Zustand — 1929 arbeiteten im Deutschen Reich 91 meteoro 
logische Institute und Dienststellen unter 31 verschiedenen Reichs- und Landes- 
Ministerien und -behörden! — ist endlich beseitigt worden: die gesamte praktische 
deutsche Meteorologie liegt nunmehr in Händen des Reichsministers der Luftfahrt. 
Mit Wirkung vom 1. April 1934 ist diesem auch die Deutsche Seewarte 
nach löjähriger Zugehörigkeit zum Reichsverkehrsministerium unterstellt worden, 
weil die Meteorologie eins ihrer wichtigsten Arbeitsgebiete ist. Da andererseits 
das den Belangen der Handels- und der Kriegsmarine dienende deutsche 
hydrographische Werk, das seinerseits auch viele Berührungspunkte mit der 
Meteorologie hat, in Händen des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine liegt, 
der dem engen Zusammenarbeiten mit der Handelsmarine entscheidende Bedeutung 
beimessen muß, weil hinsichtlich der nautischen Belange zwischen den Bedürf 
nissen der Kriegs- und Handelsschiffahrt kein Unterschied besteht, so ist dem 
Oberbefehlshaber der Kriegsmarine die Betreuung der nautischen Arbeiten der See 
warte übertragen worden. Diese Mitwirkung des Oberbefehlshabers der Kriegs 
marine bei der Verwaltung der Seewarte würde früher möglicherweise die Teilung 
des Instituts im Gefolge gehabt und somit gerade die grundlegende Voraussetzung 
seines Wirkens vernichtet haben: die im In- und Auslande vielgerühmte Ein 
heit der verschiedenen maritimen Wissenszweige und die Einheit von 
Wissenschaft und Praxis an der Anstalt, beide unerläßlich im Hinblick auf 
den Zweck ihrer Arbeit. Jetzt erhöht jene Mitwirkung die reichsseitige 
Förderung des Institutes, da es nunmehr von zwei starken Schultern ge 
tragen wird! 
Am 19. Juni 1934 wurde, zunächst kommissarisch, Konteradmiral a. D. Dr e. h. 
Spieß mit der Leitung der Geschäfte der Seewarte beauftragt; am 14. August 
erfolgte vor zahlreichen Vertretern der Reichsregierung, der Hamburgischen 
Regierung sowie der deutschen Schiffahrts-, Luftverkehrs-, Wirtschafts- und 
Wissenschaftskreise seine Einführung zum Präsidenten 1 ) durch den Staatssekretär 
General Milch als Vertreter des Reichsministers der Luftfahrt und Ober 
befehlshabers der Luftwaffe und den Vizeadmiral Heusinger von Waldegg 
als Vertreter des Reiohskriegsministers und Oberbefehlshabers der 
Wehrmacht [Oberbefehlshaber der Kriegsmarine]. — 
Im Jahre 1878 bestand die Deutsche Seewarte aus 5 Abteilungen und 3 Haupt 
agenturen mit zusammen 30 Köpfen, 1933 aus 13 selbständigen dem Instituts 
leiter unmittelbar unterstellten Abteilungen und Referaten nebst 7 Hauptagenturen 
mit insgesamt 153 Köpfen. Diese Erweiterung der Anstalt steht u. a. in engem 
Zusammenhang mit der Zunahme der volks- und weltwirtschaftlichen Bedeutung, 
welche die geophysikalischen Wissenszweige, vor allem die Meteorologie, gewonnen 
haben sowohl infolge des Aufkommens des Weltluftverkehrs wie auch unter 
dem aus der Nachkriegs-Volksverarmung geborenen Zwange, unter allen üm- 
') Siehe Ami. d. Hydr. 1934, S. 313 und 357.
	        
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