Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1932.
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A. Allgemeiner Teil.
I. Zur Geschichte der Deutschen Seewarte.
Besonders zu erwähnende Ereignisse:
1. Vom 5. bis 9. April wurden die Tagungen der Internationalen Kommission
für maritime Meteorologie unter Leitung des Präsidenten dieser Kommission,
Professor van Everdingen aus De Bilt, in der Seewarte abgehalten. Außer den
deutschen Mitgliedern und Gästen dieser Kommission nahmen folgende Herren
teil: Prof, van Everdingen, Holland; Dr. la Cour, Dänemark; Col. E. Meseguer,
Spanien; Comm. Alvaro Morna, Portugal; Direktor P. M. van Riel, Holland;
Dr. A. Wallen, Schweden; Dr. G. C. Simpson, England.
Die Verhandlungen erstreckten sich auf: Vermehrung der Salzgehalts
messungen an Bord der Schiffe, Gebrauch der Pyknosonde, drahtlose Verbreitung
der Salzgehaltsmessungen im Schiffswetterschlüssel, Sturmwarnungssignale, meteo
rologische Schiffsberichte, Beobachtungszeiten an Bord, Orkansignale, Wetter
karte der Nordhalbkugel, radio-meteorologische Organisation der Ozeane, inter
nationales meteorologisches Schiffstagebuch, internationales Beobachtungs-Hand
buch, Benennung der Unterteilungen der 10°-Quadratfelder nach Marsden, Grup
pierung der Windstärken nach Beaufort-Skala, Drehung der Luftbewegung bei
Wirbelwinden, Heranziehung von Fischdampfern für den drahtlosen Wetter
nachrichtendienst, aerologische Beobachtungen über dem Meere während des
Polarjahres, Schlüssel für die Temperatur an der Wasseroberfläche, Veröffent
lichung der funk-meteorologischen Beobachtungen der Ozeane.
Mit Genugtuung hat es die Seewarte empfunden, daß diese Kommission, die
nach dem Kriege erstmalig wieder zusammentrat, in ihren Räumen abgehalten
wurde. Die Vielseitigkeit des wissenschaftlichen Stabes der Deutschen Seewarte
trat bei den Verhandlungen in bezug auf die Zusammengehörigkeit und Zu
sammenarbeit auf den Gebieten der maritimen Meteorologie, Aerologie und
Meereskunde günstig in Erscheinung (vgl. Secrétariat de l’Organisation météo
rologique international Nr. 13. Internationale Kommission für maritime Meteo
rologie. Protokolle der Sitzungen in Hamburg, 5.—9. April 1932. Leyden 1932).
2. Das Heranziehen und die Mitarbeit der Fischdampfer in den nordischen
Meeren ist für unseren Seewetterdienst als besonders wichtig hervorzuheben und
trat im vergangenen Jahre zum ersten Male in Erscheinung. Diese Fahrzeuge,
sämtlich mit Funkentelegraphie oder -telephonie ausgerüstet, fischen fast während
des ganzen Jahres in der Nordsee, bei Island oder in der Barentssee. Aus diesen
Gegenden lagen bisher nur Küstenbeobachtungen vor. Da die bisher abgesetzten
Beobachtungen als recht gut zu bezeichnen sind, sind wir in der Lage, die für
ihre Fangtätigkeit so außerordentlich wichtigen Wetterübersichten und -Vorher
sagen zu geben.
3. Der Seewarte ist seit dem 1. April die Bearbeitung und Herausgabe des
Nautischen Jahrbuches vom Reichsverkehrsministerium übertragen worden, das
bisher selbst Herausgeber war. Für die sich entwickelnde Ozeanluftfahrt ist ein
„Aeronautisches Jahrbuch“ in Vorbereitung.
4. Am 18. Dezember verschied im Alter von 50 Jahren der Leiter der Meteo
rologischen Versuchsanstalt der Deutschen Seewarte, Professor Dr. Albert Wigand.
Sein Tod bedeutet für uns einen schweren Verlust. Unter seinen bedeutenden
wissenschaftlichen Arbeiten seien als für die Seewarte besonders wichtig genannt