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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1932.
noch Pilotballonaufstiege auf 2 Fahrten von New York nach den Bermuden und
nach Cuba anstellen. Im Südatlantikdienst wurde D. „Sierra Morena“ mit Meß
stelle „C“ aus der Fahrt gezogen, so daß die Meßstelle „C“ Ende Mai an Bord
des D. „Sierra Salvada“ (ex „Cap Norte“) gegeben werden mußte. Diese Um
gruppierungen waren zwar nur dadurch möglich, daß sich bei den beteiligten
Reedereien bereits eine größere Anzahl mit Pilotballonmessungen vertrauter
Schiffsoffiziere befindet, erforderten aber eine Unterrichtung der neu hinzu
tretenden Beobachter. D. „Sierra Ventana“ mit Meßstelle „F“ wurde statt auf der
La Plata-Fahrt auf der Cuba—Mexiko-Fahrt beschäftigt, sodaß auf der für den
deutschen Luftverkehr wichtigen Südamerikafahrt nur die Meßstellen „C“ auf
D. „Sierra Salvada“ und „A“ auf dem Schnelldampfer „Cap Arcona“ tätig waren.
Die Ergebnisse der Pilotballonbeobachtungen beider Meßstellen waren aber für
die Brasilienfahrten des L. S. „Graf Zeppelin“ besonders bedeutungsvoll.
Trotz der Schwierigkeiten, die sich aus dem Schiffs- und Personalwechsel
ergaben, sind dank dem gleich bleibenden Interesse der Schiffsleitungen und dem
regen Eifer der Schiffsoffiziere im Berichtsjahre wieder 850 Höhenwindmessungen
durchgeführt worden. Für die weitgehende Förderung der Beobachtungen
den beteiligten Reedereien, der Hamburg-Amerika Linie, dem Nord
deutschen Lloyd und der Hamburg - Südamerikanischen Dampfschiff
fahrtsgesellschaft und deren Schiffsleitungen und für die opfer
willige Mitarbeit den Schiffsoffizieren auch an dieser Stelle ihren
wärmsten Dank zum Ausdruck zu bringen, ist der Deutschen Seewarte
eine ganz besondere Pflicht.
Von den 850 Höhenwindmessungen sind 45 °/ 0 der Seewarte zur sofortigen
Verwertung im Schiffs- und Flugwetterdienst drahtlos übermittelt worden. Während
der Liegezeiten im Hafen sind die Meßstellen von S regelmäßig besucht worden
(48 Hafenbesuche). Die technische Ausrüstung ist wie bisher durch M erfolgt.
c) Ozeanflugwetterdienst (S/0).
1. Mit Wetternachrichten versorgte Seeflüge.
Es sind für folgende Fahrten und Flüge Wetterübersichten und Vorhersagen
übermittelt worden:
An L. S. „Graf Zeppelin“ für 9 planmäßige Verkehrsfahrten nach Brasilien,
von denen die ersten 4 vom März bis zum Mai, die übrigen 5 von August bis
November durchgeführt worden sind. Die Fahrten endeten in Pernambuco, jedoch
sind drei Reisen durch Fahrten von Pernambuco nach Rio de Janeiro erweitert
worden. Im Berichtsjahre sind nach längeren synoptisch-meteorologischen Vor
arbeiten erstmalig auch für die 2000 km lange Strecke Pernambuco—Rio Wetter
übersichten und Vorhersagen übermittelt worden. Die den ersten planmäßigen
Ozeanluftverkehr darstellenden Brasilienfahrten vom L. S. „Graf Zeppelin“ er
forderten einen erweiterten Betriebsdienst von S mit zahlreichen Nachtdiensten.
Im planmäßigen Seeflugverkehr der Deutschen Luft Hansa waren von Mai
bis Oktober Wetterberichte für die „heimkehrenden“ Schleuderstartflüge von den
Schnelldampfern „Europa“ und „Bremen“ vom Startort bis Southampton zu geben.
Der in den Vorjahren von der Deutschen Luft Hansa versehene „Südflug“-Dienst
mit Flügen von Cadiz über Las Palmas und Rio de Oro (Villa Cisneros) nach
Gambia (Bathurst) ist mit Rücksicht auf die für 1933 geplanten ausgedehnteren
Versuchsflüge an dem Luftwege nach Südamerika noch nicht wieder aufgenommen
worden.
Von außerplanmäßigen Ozean- und sonstigen Fernflügen war zunächst die
Ende Mai in Etappen von New York über Neufundland, Horta (Azoren), Vigo
und Calshot (Southampton) führende Heimreise des Flugschiffs Do X zu beraten.
Wieder wurden für die Do X-Flüge mehrere Gutachten eingefordert. Vom Welt
fluge des Herrn von Gronau sind Wetterübersichten und Streckenvorhersagen
für den ersten und den letzten Flugabschnitt übermittelt worden, und zwar zu
nächst im Juli für die vom Ausgangshafen List auf Sylt über Seydisfjord und
Reykjavik auf Island und Ivigtut auf Grönland bis Cartwright in Labrador