Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1932.
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liebster Vereinfachung und Übersichtlichkeit eine veränderte Gestalt. Auch dem
Wunsche, am Ende einer Signalminute einen 5-Sekunden-Strich (56 m 56—60s) zum
Zwecke der automatischen Kontrolle von Uhren für die Reichsbahn einzufügen,
wurde Rechnung getragen (die frühere Lösung war ein Provisorium). Gleich
zeitig wurde am neuen Signalgeber die Einrichtung zur Abgabe eines aus
6 Punkten bestehenden einfachen Signals (zu den Sekunden: 45, 50, 55, 58,
59, 0) von gleicher Genauigkeit wie das Nauener getroffen; dieses wird 5mal
täglich (7, 11, 15, 19, 23 h ) durch die Sender der Nordischen Rundfunk-A. G.:
Hamburg, Bremen, Hannover, Kiel, Flensburg, verbreitet. Hiermit wird nicht
nur dem Bedürfnis des festen Landes gedient, sondern auch der Küsten- und
Kleinschiffahrt die Möglichkeit gegeben, im Bereiche der Sender zuverlässige
Zeitangaben zu erhalten.
Die endgültigen Verbesserungen der Nauener Onogo- und Koinzidenz-
Signale erschienen wie bisher im Beobachtungs-Zirkular und in Form monat
licher Tabellen im Hauptblatt der „Astronomischen Nachrichten“, ferner in
monatlichen Tabellen in den „Annalen der Hydrographie“ und den deutschen Uhr
macher-Fachzeitschriften. MonatlicheTabellen, in denen wie in den„Ästronomischen
Nachrichten“ außer den Verbesserungen der eigenen Signale auch diejenigen von
Paris (FLE), Bordeaux (FYL), Rugby (GBR) und Monte Grande (LSF) angegeben
wurden, wurden ferner von der Seewarte direkt an 45 Institute und Private des
In- und Auslandes versandt. Der Berechnung dieser Verbesserungen lagen 89
Zeitbestimmungen zugrunde. Die Beobachtungen erfolgten an dem mit unpersön
lichem Mikrometer ausgerüsteten Durchgangsinstrument der Seewarte. Bei den
Signalen überschritten die Fehler in 92% aller Fälle den Betrag von 0.1 s nicht,
in 7% blieben sie zwischen 0.1® und 0.2 s , grobe Störungen und Ausfälle traten
in 1 % aller Fälle auf. Es fielen aus bzw. waren unbrauchbar 8 Haupt- und
4 Koinzidenz-Signale. Zum Teil lag der Grund hierfür in Leitungsstörungen
zwischen Hamburg und Nauen, die auch einige kleinere Störungen verursachten.
Das Jahresmittel der Fehler der störungsfrei abgegebenen Signale betrug 0.040®.
Das Geodätische Institut in Potsdam unterstützte den Zeitdienst der See
warte wie bisher durch Übersendung von Telegrammen nach den dort angestellten
Zeitbestimmungen. Ebenso unterstützte das Geographische Institut in Sofia die
Überwachung der Kurzwellenzeitzeichen der Seewarte. Die regelmäßige Kontrolle
dieser Zeitzeichen gelang jetzt übrigens auch auf der Seewarte selbst.
c) Zeitdiensteinrichtungen.
Die neue Signal-Geber-Anlage wurde in der Abteilungswerkstatt fertig
gestellt und nach kurzem Versuchsbetrieb am 1. Juli endgültig in Benutzung ge
nommen. Weitere Arbeiten zur Vervollkommnung der Signalabgabe schlossen sich
an, so wurde zur Verbesserung der Zeichenabgabe der erstenSignalminute einPendel-
Verzögerungsrelais konstruiert und fast fertiggestellt. Außer diesen Arbeiten
leistete die Werkstatt die notwendigen Instandsetzungsarbeiten an den Zeitdienst
einrichtungen auf der Seewarte und den Außenstellen. Besonders zu erwähnen
ist die Überholung der Hauptuhr Richter 101, die nach Wiederaufstellung bessere
Gänge als früher aufwies. Die übrigen Hauptuhren gaben zu Eingriffen keinen
Anlaß. Ferner wurde das von der Kieler Sternwarte entliehene, für Gebrauch
bei der internationalen Längenvermessung 1933 bestimmte Prismenastrolab weit
gehend überholt und verbessert. Auf dem flachen Dach des Gebäudes der Ab
teilung wurde hierfür ein besonderer Pfeiler gebaut, gleichzeitig die alte bau
fällige Kuppel entfernt.
Die Chronometerwerke Hamburg brachten das in Auftrag gegebene Roh
werk des Signalgebers II zur Ablieferung, dessen Konstruktions- und Schaltpläne
ebenfalls fertiggestellt wurden. Der weitere Bau des Signalgebers II konnte in
der Abteilungswerkstatt gefördert werden.
Das Kurzwellen-Empfangsgerät der Seewarte wurde umgebaut, so daß
es nunmehr für Aufnahme der Wellen von Norddeich, Königs Wusterhausen,
Pontoise und Monte Grande benutzt werden konnte. Weitere Verbesserungen des
Gerätes sind jedoch notwendig; auch das Gerät für mittlere Wellenlängen bedarf