34
Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1913.
Strommesser ist beschafft, ferner eine größere Menge von Fläschchen und Kästen
für die Gewinnung von Wasserproben, da die Seewarte mit 1914 beabsichtigt,
im Interesse der internationalen Meeresforschung auf einer Dampferlinie im Nord
atlantischen Ozean regelmäßig Oberflächenwasser schöpfen zu lassen und zu
untersuchen. Die von S. M. Vermessungsschiffen gelegentlich eingehenden schrift
lichen Mitteilungen über ihre praktischen Erfahrungen mit der an Bord befindlichen
ozeanographischen Ausrüstung bieten für diese technische Seite der Abteilungs
arbeit meist sehr wertvolle Winke.
Der zu morphologischen Studien nach Nordafrika aufgebrochenen Expedition
der Herren Prof. Dr. Passarge und Prof. Dr. Meinardus wurden, weil auch
Untersuchungen auf dem Mittelmeer und auf ägyptischen Binnengewässern in
Betracht kommen, verschiedene Instrumente geliehen; am Ende des Jahres be
schaffte die Abteilung noch eine kleine ozeanographische Ausrüstung für S. M.
„Peilboot III“, das 1914 im Truck-Atoll dauernd stationiert werden soll und dort,
aber auch schon während der Überfahrt von Tsingtau aus, nützliche spezielle
Meeresbeobachtungen wird ausführen können.
Der designierte Kommandant dieses Bootes erhielt eine kurze ozeano
graphische Unterweisung im Dezember; ein voller ozeanographischer Lehrkursus
für 5 Seeoffiziere wurde im Februar abgehalten.
b. Wissenschaftliche Arbeiten,
Als wichtigste wissenschaftliche Arbeit im Jahre 1913 wurde das Manuskript
hergestellt über die umfangreiche ozeanographische Tätigkeit S. M. S. „Moewe“
auf seiner Ausreise Wilhelmshaven— Swakopmund im Jahre 1911; die Druck
legung des Ganzen (einschl. der Karten usf.) ist 1914 zu erwarten. Abgetrennt
davon sind die von „Moewe“ während der Vermessungstätigkeit angestellten
Spezialbeobachtungen über Wasser- und Lufttemperatur usf. unmittelbar vor
der südwestafrikanischen Küste: dies in seiner Art, d. h. in der Spezialisierung,
bisher wohl noch nie erreichte Material bearbeitet der cand. geogr. Franz.
Von S. M. S. „Moewe“ auf der Weiterreise nach Deutsch-Ostafrika und von
S. M. S. „Planet“ im westlichen Stillen Ozean eingegangene Berichte sind, was
Veröffentlichungen betrifft, nur hinsichtlich der Tiefenmessungen als solcher
sofort verwertet worden. Es hat sich nämlich als zweckmäßig herausgestellt, das
übrige Material nicht in kleinen, sich zerstreuenden und provisorischen Beiträgen
zu veröffentlichen, sondern erst in größerem Zusammenhänge endgültig zu er
läutern und zu deuten. Die Temperaturmessungen S. M, S. „Planet“ in den ganz
großen, 7000 m überschreitenden Meerestiefen des Bismarck-Archipels usf. ver
sprechen wegen der dort offenbar auftretenden „adiabatischen“ Wärmeänderungen
für die Ozeanographie wichtige, großenteils neue Gesichtspunkte zu eröffnen.
Die Arbeit an dem zukünftigen „Stromatlas für den Atlantischen
Ozean“ konnte nur in recht beschränktem Maße weiter gefördert werden, da
die 2 in Betracht kommenden Hilfskräfte, manchmal für längere Zeit, auch zu
anderen Arbeiten herangezogen werden mußten. Bis jetzt sind rund 24 000 Einzel
versetzungen aus meteorologischen Tagebüchern von Segelschiffen ausgezogen.
An die vom Zentralausschuß für internationale Meeresforschung zu Kopen
hagen veranlaßte Entsendung des Abteilungsvorstandes Prof. Dr. Schott zu der
Sitzung dieser Vereinigung (s. Abschnitt I b) knüpften sich Verhandlungen in