Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1912.
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7. Küsten - und Hafenbeschreibungen wie auch einzelne Reise
berichte wurden in dem Sinne der früheren Abteilung V weiter bearbeitet und
veröffentlicht. Soweit sich die in den 12 Heften der Annalen der Hydrographie
ohne Zusammenhang veröffentlichten Arbeiten auf Küsten und Häfen beziehen,
sind sie am Schlüsse des Jahres unter dem Titel „Beiträge zur Küsten-
kunde Nr. 3“ gesammelt erschienen. Der Band umfaßt 11 Druckbogen und
enthält 22 vollständige und 11 kürzere oder ergänzende Hafenbeschreibungen sowie
17 Reiseberichte, Segelanweisungen oder sonstige Mitteilungen für Schiffahrt
treibende, 5 Tafeln und 8 Textfiguren.
Von dem eingehenden Material wird ferner regelmäßig monatlich derjenige
Teil an das Reichs-Marine-Amt gesandt, der Gebiete betrifft, für die im Reichs-
Marine-Amt Seehandbücher oder Nachträge zu solchen in Arbeit befindlich sind.
Außerdem werden halbmonatlich die eingehenden Konsulats-Fragebogen überreicht.
Von der Sammlung wird ferner das gesamte für solche Gebiete vorrätige Material
vom Reichs-Marine-Amt stets verlangt und bei der Bearbeitung der Seehand
bücher, Nachträge und Ergänzungen verwertet.
8. Der Nachrichtendienst, der früher zum Teil der Abteilung V
oblag, wird jetzt von der Abteilung allein in erweiterter Form fortgeführt. Infolge
der Titanic-Katastrophe wird insbesondere dem Eisnachrichtendienst allgemein
größere Sorgfalt gewidmet als früher und sind zu diesem Zweck direkte Ver
bindungen mit den großen Reedereien hergestellt worden. Die dringenden
Nachrichten werden am Tage des Einganges an mehreren Stellen in Hamburg
zum öffentlichen Aushang gebracht und durch mehrere Tageszeitungen bekannt
gegeben, die übrigen werden als Sammelbericht zweimal wöchentlich durch die
Tageszeitungen wie auch durch die Nautischen Zeitschriften veröffentlicht und
außerdem in den Monatskarten für den Nordatlantischen Ozean, soweit sie dessen
Gebiet betreffen. Ein weiterer Ausbau hängt von dem Erfolg internationaler
Vereinbarungen ab.
e. Rat- und Auskunitertellung.
Alle die Schiffahrt berührenden Fragen in bezug auf Seewege, Seereisen,
Distanzen, Wind- und Wetterverhältnisse auf See und in den Küstengebieten,
Hafen-, Gezeiten-, Strom- und Eisverhältnisse werden seitens der Abteilung be
arbeitet. Täglich gehen darüber mündliche, telephonische oder schriftliche, oft
sogar telegraphische Anfragen ein, die, soweit angängig, unverzüglich erledigt
werden. Öfter sind auch dieserhalb weitergehende Untersuchungen und daran
anschließend längere Verhandlungen mit den Anfragern notwendig, wie im Be
richtsjahre z. B. wiederum mit dem Norddeutschen Lloyd wegen der Dampfer
wege zwischen Südafrika und Australien, der See-Berufsgenossenschaft wegen
des Begriffs „gute Jahreszeiten“ in den Monsungebieten des Indischen und des
Stillen Ozeans, der Kommission für drahtlose Telegraphie wegen Schema für
telegraphische Eis- und Wrackmeldungen u. a. m. Diese vorwiegend von Reedern,
Kapitänen, Assekuradeuren, Schiffsmaklern, Seeämtern, Gerichten und Rechts
anwälten, gelegentlich auch von anderen Behörden sowie von außerhalb der
Schiffahrt stehenden Personen stammenden Anfragen konnten mit Hilfe des vor
handenen reichlichen Materials fast ausnahmslos in befriedigender Weise be
antwortet werden.