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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1910.
Im Berichtsjahr sind für die Nordsee 56, für die westliche Ostseeküste
ostwärts bis Warnemünde 49, für die mittlere Ostseeküste von Darsserort bis
Greifswalder Oie 48, für die pommersche Küste von Swinemünde bis Karwen 46
und für die östliche Ostseeküste von Rixhöft bis Memel 46 Sturmwarnungen
einschließlich der Anweisungen zum Hängenlassen der Signale (nicht aber
der Anweisungen zum Senken der Signale) erlassen worden. Einschließlich
der Provinzialsturmwarnungsstellen sind im ganzen 7122 Anweisungen zum
Hissen undHängenlassen von Sturmsignalen den Sturmwarnungsstellen zugegangen.
e) Windsemaphorstationen der deutschen Küste.
ln Pillau ist im Laufe des Sommers ein neuer Windsemaphor an Stelle
des früheren, der wegen Baufälligkeit niedergelegt werden mußte, auf der Düne
der „Frischen Nehrung“ errichtet worden.
Nachdem i. J. 1908 auf Süderspitze bei Memel auf Veranlassung der
Fischereikreise ein Versuch stattgefunden hatte, die Windsignale am Wind
semaphor über Nacht bis zum folgenden Morgen hängen zu lassen und sie
dann eine halbe Stunde vor der Morgenbeobachtung zu senken, wurde diese
Regelung im Jahre 1909 auch auf den übrigen Windsemaphorstationen versuchs
weise eingeführt; es stellten sich jedoch an der Nordseeküste im Laufe des
Versuchs gewisse Schwierigkeiten ein, sodass die Windsemaphorsignale seit dem
1. Oktober wieder an der ganzen Küste unverändert gemäß den Vorschriften
der Dienstanweisung gezeigt werden.
f) Versuche mit verschiedenen Systemen von Nachtsturmsignalen.
Während der Zeit von Mitte März bis Ende des Jahres sind auf den Sturm
warnungsstellen in Memel, Heia, Darsserort, Süderhöft, Cuxhaven und
in Hamburg (auf dem Dache der Seewarte) Versuche mit verschiedenen
Systemen von Nachtsturmsignalen ausgeführt worden, um dasjenige System aus
findig zu machen, das geeignet wäre, ebenso wie die am Tage gehißten Kegel
signale die Richtung der zu erwarteten Stürme in der Nacht anzuzeigen, ohne
dabei der Gefahr einer Verwechselung ausgesetzt zu sein. Diese Versuche finden
sich eingehend beschrieben in den Ann. f. Hydr. u. mar. Meteor., Jahrg. 1910,
S. 97 u. N. f. S. Nr. 550, Jahrg. 1910.
Anerkennend ist zu berichten, daß das Internationale meteorologische
Komitee in seiner in Berlin Sommer 1910 abgehaltenen Sitzung sich dem im
Jahre 1909 in London gefaßten Beschlüsse der Internationalen Kommission
für maritime Wettersignale angeschlossen hat, als internationale Tag
sturmsignale die an der deutschen Küste gebrauchten vier Kegelsignale nebst
einem Signal für Orkan, bestehend aus den zwei mit der Grundfläche gegenein
ander gerichteten Kegeln einzuführen, mit der Ergänzung, daß es den einzelnen
Ländern gestattet sei, nach Bedarf andere Tagsturmsignale beizufügen; die
Kegelsignale sollen nach dem Wortlaut der vereinbarten Erklärung der Signale
denjenigen Quadranten bezeichnen, in dem der Sturm voraussichtlich beginnen
wird. Über internationale Nachtsturmsignale ist eine Einigung leider
noch nicht erfolgt, sodaß diese Frage an die Kommission zur nochmaligen
Beratung in einem weiteren Kreise von Fachmännern zurückverwiesen wurde
und voraussichtlich noch den Gegenstand weiterer Versuche bilden wird.