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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1910.
und die Ergebnisse sind in den „Annalen der Hydrographie“ veröffentlicht;
z. T. sind sie hoch bedeutsam, wie z. B. die neuesten Lotungen westlich von
den Neuen Hebriden und den Salomon-lnseln. Der alljährliche Unterrichts
kursus für hierher kommandierte Offiziere der Vermessungsschiffe der Kaiser
lichen Marine wurde im Februar abgehalten; dazu kam neben einem Besuch
der Offiziere S. M. S. „Möwe“ auf der Seewarte im Sommer noch ein kürzerer
Informationskursus im Oktober für den designierten, neuen Kommandanten
S. M. S. „Planet“. Sehr häufig waren Besuche und Anfragen auf der Seewarte
von auswärtigen und ausländischen ozeanographischen Instituten und Forschern;
bei den ozeanographischen Verhandlungen in Monaco, die sich an die Ein
weihung des Museums des Fürsten von Monaco in der Osterwoche anschlossen,
war die Seewarte durch den Vorstand der Abteilung I vertreten.
Eine Bearbeitung von deutschen Tiefseelotungen im östlichen Nord
atlantischen Ozean, insbesondere bei den Kanarischen Inseln, ist erfolgt und
erschien in „Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“, Jahrgang 1910 Nr. 3;
das Material war in dankenswerter Weise wieder von den Norddeutschen See
kabelwerken in Nordenham zur Verfügung gestellt.
Die Vorbereitungen zur Filchner’schen Südpolar-Expedition, in Sonderheit
für deren ozeanographische Seite, nahmen bereits 1910 einen erheblichen Raum
ein; die durch den Staatssekretär des Reichs-Marine-Amtes verfügte Beurlaubung
des Assistenten Dr. Brennecke behufs Teilnahme an der Expedition führte zur
Annahme des Dr. C. Reichard als Ersatz während der Abwesenheit des erst
genannten Beamten.
c) Verschiedenes.
Die Inanspruchnahme der Abteilung durch Rat- und Auskunfterteilung an
Kapitäne, Schiffahrtsbehörden, Reedereien usw. war ungewöhnlich stark. So
gab z. B. der schwere Dezembersturm 1909 zu umfangreichen, schriftlichen
Darstellungen jener verhängnisvollen Wetterperiode Anlass. Größere Be
arbeitungen galten sodann Auskünften über Nebel im Kanal und in der Nordsee,
desgleichen bei den Färöer, über Schiffswege im Stillen Ozean u. a. m.
Fünf bis sechs Untersuchungen über verschiedene Themata waren gleich
zeitig seitens einiger jüngerer Gelehrten in Gang, die die Erlaubnis erhalten
hatten, hier das Originalmaterial der Seewarte zu benutzen. Die Ergebnisse
einiger dieser Arbeiten werden als wertvoll auch für die praktischen Ziele der
Anstalt s. Zt. voraussichtlich amtlich veröffentlicht werden können, so z. B. eine
Untersuchung über Wind, Wetter und Strom im nördlichsten Stillen Ozean
einschliesslich des Bering-Meeres; desgleichen eine solche über die Strom
verhältnisse zwischen Kap Palmas und Kap Frio (Südwestafrika).
In den Lieferungen von deutschem Beobachtungsmaterial an das Bureau
der internationalen Meeresforschung zu Kopenhagen (Wassertemperaturen der
Nordsee) und an das Zentralobservatorium zu Simla (Meteorologische Schiffs
beobachtungen im Indischen Ozean) ist eine Änderung nicht eingetreten; man
vergl. hierzu den Jahresbericht von 1909, S. 28.
(1) Die Mitarbeiter zur See.
Die Zahl der Mitarbeiter der Seewarte in den Kreisen der Handelsmarine,
soweit sie meteorologische Tagebücher einliefern, hat im Jahre 1910 wiederum
um 40 — wie im Jahre 1909 — zugenommen. Als neue Mitarbeiter traten in