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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1909.
An Unfällen war auch dieses Jahr nicht arm, doch ist kein Blitzschlag
in den Drachendraht vorgekommen. Am 27. Juli ist der Meteorograph Marvin
durch Herausschleudern aus dem Drachen zertrümmert worden; 22 mal ist
der Instrumentdrache abgerissen, 5 mal heruntergeschossen oder zerdrückt,
1 mal infolge schwachen Windes heruntergefallen. Der Drahtverlust betrug
dabei insgesamt 55,2 km, wovon indessen 21,5 km geborgen werden konnten,
grossenteils infolge Verankerung des Gespanns.
Neben den Drachenaufstiegen konnten in diesem Jahre, wenngleich nur
als Versuche, auch 3 Fesselballon-Aufstiege bei Windstille stattfinden, da die
hiesige Pirapin-Gesellschaft die Erprobung ihres Materials wünschte und dazu
Ballons zur Verfügung stellte (am 17., 18. und 29. September).
An 25 international vereinbarten Tagen wurden, wie bisher, im Verein mit
dem Hamhurgischen Physikalischen Staatslaboratorium Registrierballons aufge
lassen, außerdem an diesen und einigen weiteren Tagen mehrmals täglich Pilot
ballons behufs Verfolgung mit dem Theodolit. In Bezug auf Verluste dabei
gestaltete sich das Jahr ungünstig, da drei der Registricrapparatc bis jetzt noch
nicht aufgefunden sind.
Die im vorigen Jahresbericht erwähnte Veröffentlichung im „Archiv“ ist
erschienen; eine Bearbeitung der vertikalen Temperatur-Verteilung über Hamburg
ist in Vorbereitung.
b. Andere amtliche Arbeiten der Abteilung.
ln der Herausgabe des Internationalen Dekadenberichts fanden keinerlei
erhebliche Änderungen statt. Von einigen Ländern (Island, Ägypten) konnten
durch die Gefälligkeit der betreffenden Institute die bis dahin fehlenden Normal-
werte eingefügt werden.
Wie in andern Jahren, hatte der Meteorologe eine Anzahl Gutachten und
Antworten zu erledigen, die teils innerhalb der Seewarte, teils durch Anfragen
von außen nötig wurden, sowie sich am Unterricht der zur Seewarte komman
dierten Offiziere (s. S. 2) zu beteiligen. Die Ausrüstung von S. M. Schiffen
für Ballon- und Drachenaufstiege nahm in diesem Jahre weniger Zeit in Anspruch.
XIV. Bericht über die Tätigkeit der Abteilung: Redaktion der
„Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie“ und des
„Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“ sowie Bibliothek.
a. Redaktion der „Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie“.
Die Zeitschrift erschien regelmäßig in 12 Monatsheften mit 576 Seiten,
42 Tafeln und zahlreichen Textfiguren. Beigegeben wurde dem Heft IV „Ein
unddreißigster Jahresbericht über die Tätigkeit der Deutschen Seewarte für das
Jahr 1908“. Die Auflage betrug im Jahre 1909 1450 Exemplare. Mit Beginn
des Jahres 1910 geht der Verlag der Zeitschrift an die König!. Hofbuchhandlung
von E. S. Mittler & Sohn in Berlin über und ist die Auflage auf 1525 Exemplare erhöht.
b) „Ans dem Archiv der Deutschen Seewarte“,
Für den 22. Jahrgang 1909 dieser Veröffentlichung befindet sich,
Nr. 1. C. Schoy: Beiträge zur nautischen Astronomie (Rechnerische Behandlung
theoretisch möglicher Fälle der Polhöhenbestimmungi, Nr.2. L. Grossmann: Die