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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1909.
Ferner erfuhren die Eisverhältnisse des Winters in den außerdeutschen
Gewässern der Ostsee sowie an der holländischen Küste eine eingehende
Bearbeitung. („Annalen der Hydrographie u. s. w.“ 1909, S. 385.)
g. Auskunftserteilung in Wetterangelegenhciten.
1. Gelegentliche telegraphische Wettervorhersagen.
Die Zahl der an die Seewarte gerichteten Gesuche um telegraphische Zu
stellung von Übersichten über die Wetterlage mit anschließenden Wetteraussichten,
von bloßen Wettervorhersagen für begrenzte Gebiete oder um rechtzeitige tele
graphische Ansage von erwünschten Witterungszuständen der verschiedensten
Art hat fortdauernd zugenommen. Zu den von Privaten aus geschäftlichen Interessen
oder besonders aus Anlaß bevorstehender Festlichkeiten ausgehenden Gesuchen
um Telegramme sind im Berichtsjahre immer häufiger Anfragen in Verbindung
mit beabsichtigten Ballonaufstiegen hinzugetreten. Die bei weitem größte Zahl
von Ersuchen um telegraphische Auskunft über Witterungsverhältnisse sind
jedoch unter erheblicher Zunahme von Kriegsschiffen eingegangen: ihre Zahl
erreichte im Berichtsjahre 174. Eine größere Reihe von Telegrammen über die
Wetterlage und die zu erwartende Witterung sind auch, wie im vorigen Jahre,
wieder nach Rominten bei Gelegenheit der dortigen Anwesenheit Sr. Majestät
des Kaisers gesandt worden.
2. Schriftliche Auskunftserteilung.
Die schriftliche Auskunftserteilung überWitterungsverhältnisse ist wiederum
in hohem Grade in Anspruch genommen worden; Anlaß haben besonders
Rechtsstreitigkeiten und Unfälle der verschiedensten Art geboten.
h. Abgabe топ Wetternacbrichten und Wetlerkarten-Zeichnungen au
Zeitungen von Hamburg und Altona.
Eine Änderung ist nur insoweit zu verzeichnen, als der „Harnburgische Corres-
pondent“ und das „Hamburger Fremdenblatt“ seit dem 28. August nunmehr genau
die gleichen Zeichnungen der Wetterkarte zur Veröffentlichung zugestellt erhalten.
i. Landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Dieder Deutschen Seewarte angegliederte Öffentliche Wetterdienststelle
stand wieder unter der Leitung des Vorstands der III. Abteilung und verausgabte
für ihren Wetterbezirk wie bisher täglich Wetterkarten und Wettervorhersagen,
welch' letztere wieder vom 1. Mai bis Ende September im Laufe des Vormittags
an allen Poststellen des Wetterbezirks angeschlagen wurden. Die Wettervorher
sagen wurden wie im vorigen Berichtsjahr in offener Sprache, nicht chiffriert
ausgegeben, durften aber diesmal im äußersten Falle bis zu 10 Worte enthalten.
Außer der Wetterdienst-Nebenstelle, die wie im Vorjahre in Flensburg
zur Verausgabung von Wetterkarten von Mai bis September bestand, war im
Berichtsjahr noch eine zweite der hiesigen Wetterdienststelle unterstehende
derartige Nebenstelle in Oldenburg i. Gr. in Betrieb; die erstere wurde von
dem Kandidaten des höheren Schulamts Stürmer, die zweite von dem Gewerbe-
und Handelsschullehrer Jahn geleitet.
ln Angelegenheit des Öffentlichen Wetterdienstes fand am 1. März in Berlin
eine Sitzung seines Kuratoriums statt, an der der Abteilungsvorstand Prof.
Dr. Großmann als Sachverständiger und zugleich als Vertreter der Deutschen
Seewarte teilnahm.