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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1905.
9 bis 11km trat in den meisten Fällen ein, ihre Bedeutung war aber manchmal
dadurch unklar, daß die Ballons offenbar nicht geplatzt, sondern ins Schwimmen
gekommen sind, wobei bekanntlich eine enorme Einwirkung der Sonnenstrahlung
eintritt. Die eingehendere Diskussion aller erhaltenen Meteorograrame und der
Vergleich mit den gleichzeitig an anderen Orten gewonnenen wird wohl hierüber
noch bestimmtere Auskunft geben.
In den ersten Monaten geschahen diese Aufstiege vom Gelände des Physi
kalischen Staatslaboratoriums, Jungiusstraße. Die hohen Gebäude und Bäume,
sowie Telephondrähte und Laternenpfosten erschwerten dieselben sehr, das Ge
bäude der Drachenstation aber bot für diesen Betrieb keinen Platz. Deshalb ließ
das Staatslaboratorium im Juli an dieses Gebäude einen Ballonschuppen von
7 X 7 m Grundfläche anbauen, der auch für den übrigen Betrieb der Station einen
sehr erwünschten Raumzuwachs gab und besonders bei der weiter unten be
sprochenen Herstellung der Drachen für S. M. S. „Planet“ sehr zu statten kam.
Dadurch, daß der Schuppen gegen das Stationsgebäude seitlich verschoben und
mit zwei großen Toren versehen ist, bietet er bei allen Winden bequeme Be
dingungen zum Füllen und Emporlassen der Ballons.
Gleichzeitig mit diesem Anbau wurde auf Kosten der Seewarte ein kleinerer
Umbau der Station ausgeführt, durch den eine erwünschte Vergrößerung der
Werkstatt und eine Beseitigung übler Gerüche im Gebäude erreicht wurde.
b. Meteorologische Ausrüstung von S. M. Vermessungsschiff „Planeth
Im April wurde der Abteilung die meteorologische Ausrüstung des im Bau
begriffenen Vermessungsschiffs und die Ausbildung des mit diesem Zweige be
trauten Schiffsoffiziers übertragen.
Das meteorologische Programm für die Reise dieses Schiffes von Europa
nach dem Bismarck-Archipel umfaßt etwa 100 höhere Drachenaufstiege in allen
Breiten zwischen 35° N und 35° S des Atlantischen und Indischen Ozeans, ferner
eine Anzahl Aufstiege von Guramiballons, teils mit Registrierapparaten, teils ohne
solche zur bloßen Beobachtung der Luftströmungen, und endlich Aufzeichnung des
Ganges einiger meteorologischer Elemente in der untersten Luftschicht durch
Registrierapparate, neben den gewöhnlichen Terminbeobachtungen.
Zu diesem Zwecke wurden von den Arbeitern der Drachenstation, unter zeit
weiser Einstellung eines weiteren, 32 Drachen der auf der Drachenstation gebräuch
lichen Art gebaut, eine Drachenwinde mit Elektromotor auf der Eimsbütteler
Maschinenfabrik hergestellt, 12 große und 30 kleine Ballons von der Fabrik in
Hannover bezogen, endlich 10 Drachen-Meteorographen (9 von Bosch, 1 von Kus-
netzow), sowie die nötigen Registrier- und Ablesungs- Instrumente für die Be
obachtungen an Deck von Bosch, Saß und Fließ erworben.
Zur Vorbereitung auf diesen Teil ihrer Tätigkeit auf dem Vermessungsschiff
waren auf die Drachenstation der Deutschen Seewarte kommandiert der Ober
leutnant Schweppe während 8 Wochen im April, August und Oktober und der
Obermaat Plagens vom 28. Oktober bis 14. November.
c. Internationaler Dekadenbericht.
Die Herausgabe des Internationalen Dekadenberichts erfolgte in derselben
Form, wie seit dem 1. April 1904, erlitt aber seit dem Herbst 1905 manche Störung
durch unvollkommenen Einlauf der Angaben, namentlich aus Rußland,