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Full text: Jahresbericht 1905

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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1905. 
Vom 9. Januar bis zum 15. März des Berichtsjabres fand ein Kursus für See 
offiziere der Kaiserlichen Marine zur Ausbildung in astronomischen Ortsbestim 
mungen statt. Es waren zu demselben die Kapitänleutnants Schröder, Sievert 
und Leb ahn sowie der Oberleutnant zur See Mündel kommandiert worden; 
außerdem beschäftigte sich der Oberleutnant zur See Collmann, welcher an den 
Kursen des Vorjahrs teilgenommen hatte, bis zum 9. März mit der Ausführung 
selbständiger Beobachtungen und deren Bearbeitung. In gleicher Weise war der 
Oberleutnant zur See Mündel von Beendigung des Winterkursus bis zum 10. No 
vember auf der Deutschen Seewarte tätig. — Abgesehen von mehreren Unter 
brechungen war ferner Oberleutnant zur See Schweppe vom 31. März bis zum 
10. November zur Deutschen Seewarte kommandiert, um neben anderen ünterrichts- 
gegenständen in die Ausführung astronomischer Ortsbestimmungen mit dem Uni 
versal-Instrument eiugeführt zu werden. Seit dem 1. Juni bis zum Ende des 
Berichtsjahres war endlich Oberleutnant zur See Hellwig zu dem gleichen Zwecke 
auf der Deutschen Seewarte anwesend. — Die Leitung des Unterrichts in astro 
nomischen Ortsbestimmungen war dem Abteilungs-Vorstande Prof. Dr. Stechert 
übertragen worden. Außer der Theorie des Universal-Instruments wurden in den 
oben genannten Kursen die folgenden Methoden der astronomischen Ortsbestim 
mungen gelehrt und am Instrument geübt; 
1. Zeit- und Breitenbestimmuugen durch Messung einzelner Zenitdistauzen 
. von Fixsternen; 
2. Zeit- und Breitenbestimmuugen nach den Methoden gleicher Zenitdistanzen; 
3. Längenbestimmung durch Zeitübertragung vermittelst tragbarer Uhren; 
4. Bestimmung des Azimuts irdischer Gegenstände durch astronomische Be 
obachtungen ; 
5. Vorausberechnung von Sternbedeckungeu. 
Die praktischen Beobachtungs-Uebungen wurden teils an den Instrumenten 
der Deutschen Seewarte, teils an zwei vom Reichs-Marine-Amt zur Verfügung 
gestellten fünfzölligen Universal-Instrumenten von C. Bamberg in Friedenau aus 
geführt. Die letzteren Instrumente wurden, um die Beobachter möglichst an die 
Verhältnisse im Felde zu gewöhnen, mehrfach auf einem Beobachtungspfeiler östlich 
vom Gebäude der Drachenstation in Groß-Borstel aufgestellt. Als geographische 
Koordinaten dieses Ortes wurden die folgenden Werte gefunden; 
'1 (Greenwich) = 0 1 ' 39 m 56? 59 östlich, 
<p = +53° 36'38? 0. 
Am Refraktor der Deutschen Seewarte wurden mehrere Sternbedeckungen 
beobachtet. 
Die Abteilung IV trat während des Berichtsjahres mit einer Reihe deutscher 
und ausländischer Behörden und Institute wegen Chronometer-Angelegenheiten, 
Zeitballeinrichtungenu. s. w. in Beziehung; auch sprach eine Anzahl Forschungs 
reisender in der Abteilung IV vor, um sich wegen der Reparatur ihrer Chrono 
meter und Taschenuhren sowie wegen Unterbringung ihrer Instrumente an Bord 
und auf dem Marsche Auskunft erteilen zu lassen. 
Unter dem Vorsitze des Direktors der Deutschen Seewarte fand am 4. Mai 1905 
eine Inaugenscheinnahme der während der 28. Wettbewerb-Prüfung untersuchten 
Chronometer seitens der beteiligten hiesigen Fabrikanten E. Bröcking-Hamburg, 
F. Dencker-Hamburg, A. Kittel-Altona und A. Meier-Hamburg (in Firma 
Th. Knoblich) statt. Auf Bitte der Deutschen Seewarte nahm außerdem der 
Chronometerfabrikant E. Sackmann sen. in Altona an dieser Besichtigung teil.
	        
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