Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1901.
43
Eine Reihe von Malen sind auch die Dracheuaufstiege dadurch vorzeitig be
endet worden, daß die Drachen durch massenhaften Ansatz von Rauhreif oder
Glatteis au ihnen und an dem Draht zu Boden gedrückt wurden. Auch dabei
sind mehrfach Verluste von Draht zu beklagen gewesen. Es scheint, daß dieses
Vorkommnis in Hamburg, seinem maritimen Klima entsprechend, häufiger cin-
tritt als in Berlin und Pawlofsk, den einzigen Stationen, die ebenfalls tägliche
Aufstiege im Programm haben. Ebenso scheinen liier die orkanartigen Wind
geschwindigkeiten von 30 bis 35 m p s in den höheren Luftschichten häufiger zu
sein als an jenen Orten. Es ist in der Tat unerwartet, daß so schwache Gebilde,
wie diese Drachen, stundenlang solche Windgeschwindigkeiten aushalten können;
doch lassen die oft wiederholten Vergleichungen .des Drachen-Anemometers mit
demjenigen auf dem Stationsdache keinem Zweifel Raum, wenn sie auch freilich
nur bis 18 m p s direkt ausgeführt und weiterhin extrapoliert werden konnten.
Daß diese Geschwindigkeiten in der Höhe ertragen werden, während am Erdboden
schon bei Geschwindigkeiten von 10 bis 15 m p s die Drachen oft die wildesten
Kopfsprünge machen, erklärt sich wohl zum größten Teil durch die weit gleich
mäßigere und geradlinigere Bewegung der Luftteilcheu in der Höhe, zum kleineren
Teile auch durch die geringere Dichte der Luft oben, bleibt aber trotzdem über
raschend.
b) Internationaler Dekadenbericht. Der Internationale Dekadenbericht
erfuhr im Berichtsjahre eine Umgestaltung und Erweiterung dadurch, daß seit
dem 1. April an die Stelle der graphischen Darstellung der Reisen zwischen Nord
amerika und dem Kanal tägliche (8 11 a. m.) synoptische Wetterkarten von dem
ganzen Raume zwischen Kanzas und Berlin getreten sind, nebst einer Uebersicht
über die Bewegungen der barometrischen Maxima und Minima während der 10
bezw. 8—11 'Page. Der Versuch, solche Karten jeweils nur 8 Wochen nach Ab
lauf des betr. Zeitraums herauszugeben, mochte kühn erscheinen, ist aber als ge
lungen zu betrachten. Denn wenn man absieht von dem bedauerlichen Kehlen
der Nachrichten aus Island und Grönland, so haben die eingelaufenen Schiffs
beobachtungen für die Einzeichnung der großen Züge der Druckverteilung stets
ausgereicht. Vieles vom Detail wird sich freilich bei der Bearbeitung derselben
Tage in den späteren definitiven „Synoptischen Karten vom Nordatlantischen Ozean
u. s. w.“, welche die D. Seewarte im Verein mit dem Dänischen Meteorologischen
Institut herausgiebt, anders darstellen, besonders weil bei manchen der Schiffs-
barometer bezw. Aneroide die nach Vergleich mit benachbarten Schiffen ange
nommenen Korrektionen sich nach dem größeren Material vielleicht anders heraus-
stelleu werden.
Der Dekadenbericht nimmt infolge dieser Aenderung nunmehr statt 2 Folio-
seiten deren 4 ein. Der übrige Inhalt des Berichts ist unverändert geblieben,
ebenso wie die Termine seines Erscheinens.
XIII. Bericht über die Tätigkeit ausserhalb der einzelnen
Abteilungen.
ä) Der Tätigkeit des Direktors, die als unabhängig von den einzelnen Ab
teilungen angesehen werden muß, geschieht hier keine Erwähnung.
b) Die Stellung des Direktionsmitgliedes und Vorstandes der Zeutralabteilung
war während des ganzen Jahres unbesetzt. Die Geschäfte der Zentral-Abtcilung
wurden von den Beamten derselben unter der Leitung des Direktors weitergeführt.
Die Abteilung erledigte im Berichtsjahr 972 Journal-Nummern.