Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1004.
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Die vorstehende Tabelle giebt einen Einblick in den Betrieb der Drachen-
aufstiege auf der Station. An Sonn- und Festtagen wurden keine Aufstiege ge
macht. Dagegen ist an jedem Werktage, mit Ausnahme von 6 allzu stürmischen
Tagen, ein Aufstieg versucht worden. An 70 Werktagen kam aber der Aufstieg
wegen zu schwachen Windes nicht zu Stande. Der Prozentsatz der Tage ohne
Aufstieg ist also von 35 (l /o im vorigen auf 25°/« in diesem Jahre herabgegangeu,
trotzdem Januar und Juli ungewöhnlich viel stille Tage brachten. Der Unterschied
ist hauptsächlich der intensiveren und geschickteren Ausnutzung aller Aufstiegs-
Möglichkeiten zuzuschreiben, und wir können mit Befriedigung feststellen, daß in
Hamburg % aller Tage sich zu Drachenaufstiegen, wenn auch z. T. nur bis in
geringe Höhen, eignen. Aufstiege, bei denen der Drache nicht über 500 m über
dem Boden hinauskam, sei es wegen zu schwachen oder zu starken Windes, gab
cs 10%; ihre Verteilung über die Monate zeigt die Reihe 3 der Tabelle, S. 42.
Die Zahl der guten Aufstiege, in Höhen über 2000 m (Reihe 2), sowie die
größten erreichten Höhen sind in erfreulicherweise gewachsen, sodaß die im vorigen
Jahresbericht ausgesprochenen Erwartungen in Erfüllung gehen. Die größte Höhe,
4500 m, wurde am 10. Dezember erreicht. In den Monaten September und Oktober
stieg auch die mittlere Höhe aller Aufstiege über 2000 m. Deren mittlere Höhe
im November und Dezember wurde durch die Unterbrechungen des Motorbetriebes
in diesen Monaten herabgedrückt, da Aufstiege mit der Handwinde selten 1500 m
überschreiten (Maximum 2500 m am 8. Juni). Nachmittags-Aufstiege sind gele
gentlich, besonders an den internationalen Termintagen, gemacht worden. Unter
„6 Mittlere Höhe“ findet man einmal in der Reihe h a , das Mittel aller Aufstiege,
zweitens aber unter % das Mittel, das man erhält, wenn man von jedem Tage
nur einen, und zwar den höheren Aufstieg, in Rechnung setzt.
Von Interesse ist auch die Reihe 17, welche die Spannung im Drahte bezw.
den Zug der Drachen im Moment vor dem Beginn des Einholens angiebt. Diese
Größe, die im Jahresmittel 30 kg betrug, wächst mit der Höhe des Aufstiegs
wegen der zunehmenden Zahl der Drachen. Die 17 Aufstiege über 8000 m gaben
in dieser Phase Züge von 30 bis 80 kg, im Mittel 51 kg; 57 Aufstiege auf 2 bis
8000 m gaben Züge von 10 bis 90 kg, im Mittel 39 kg. Während des Einholens
steigt der Zug um weitere 6 bis 10 kg.
Aufschluß über die verwendeten Drachen geben die Zeilen 9 bis Iß der Tabelle.
Der das Instrument enthaltende Hauptdrache hatte im Durchschnitt zwischen
5 und 6 qm Tragfläche, nur im Dezember wegen der vielen Sturmtage unter 5 qm.
Von Nebendrachen wurden durchschnittlich 2 bis 3, nur im September und Ok
tober 3% und 4 angebracht, mit 14 qm Tragfläche in diesen, 7 bis 9 qm in den
übrigen Monaten, ln 31 Fällen wurde das Steigen des Apparat-Drachens in sehr
schwachem Winde dadurch erzielt, daß au seinen Rücken 1 oder mehrere andere
Drachen als Vorspann gebunden wurden. Der erste Nebendrachc wurde durch
schnittlich 1000 m vom Hauptdrachen entfernt an den Draht befestigt. Auf diese
1000 m folgten im Jahresmittel weitere 2543 m Draht, für deren Tragen 2.5 Neben-
drachen verwandt wurden, also ebenfalls in mittleren Abständen von je 1 km.
Die gesamte verwendete Tragfläche betrug durchschnittlich 1 qm für jede
100 m der erreichten Höhe; doch schwankt dieses Verhältnis je nach dem Winde
in weiten Grenzen. So konnten am 19. Oktober 3740 m Höhe erreicht werden
mit 4 Drachen von zusammen nur 15 qm, während bei schwachem Winde z. B.
am 31. Oktober 32 qm nötig waren, um nur 1110 m, und am 11. Juni 14 qm, um
nur 400 m zu erreichen. Trat Glatteisbildung oder Rauhreif an den Drachen ein,
so nützte selbst bei mäßigem Winde alles Anhängen weiterer Drachen kaum etwas;