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Full text: Jahresbericht 1903

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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1903. 
Dinklage war am 26. April 1837 in Osternburg bei Oldenburg im Groß 
herzogtum geboren, besuchte die höhere Bürgerschule in Oldenburg bis Prima und 
ging im Alter von 16 Jahren zur See. Nach der üblichen Laufbahn, in welche auch 
der Besuch der Navigationsschule in Elsfleth fällt, erhielt er in dem außerordentlich 
jugendlichen Alter von 25 Jahren bereits die Führung des Segelschiffes „Johanne 
Elise“. Von März 1863 bis Februar 1864 war Dinklage seitens der Königl. hanno 
verschen Regierung bei der Vermessung der Nordseektiste beschäftigt, und fuhr dann 
wieder, nunmehr 10 Jahre lang, als Kapitän auf den Kauffahrteischiffen „Wilhelm 
Kirchner“, „Orion“, „Cito“ und „Charlotte“, wobei er Reisen nach Ostindien und 
China, in der Nord- und Ostsee und im Mittelmeer, nach Westindien und nach der 
Westküste von Amerika ausführte. 
Ausgerüstet mit klarem Verstände, umfassender seemännischer Erfahrung, und 
— was für seine spätere Laufbahn an der Seewarte ganz besonders in das Gewicht 
fiel — mit guter höherer Schulbildung versehen, war Dinklage eine geeignete Per 
sönlichkeit, um in den Jahren 1875 bis 1878 als Lehrer an der Navigationsschule 
zu Elsfleth mit Erfolg zu wirken; so wurde er nach dem Tode des ersten Vorstandes 
der Abteilung I, des Kapt. Wagner, gegen Ende des Jahres 1878, aus einer großen 
Anzahl von Bewerbern ausgewählt und mit dem 1. Januar 1879 an die Deutsche 
Seewarte berufen, zunächst als Hilfsarbeiter, wennschon sogleich mit der Anwart 
schaft auf die Stellung des Vorstandes, dann vom 1, Juni 1880 ab definitiv zum Ab 
teilungsvorstand bestellt. Dieses Amt hat Dinklage somit nahezu 22 Jahre bekleidet. 
Alle diejenigen großen Arbeiten, welche den Grundpfeiler der Tätigkeit der 
Deutschen Seewarte auf dem Gebiete der maritimen Meteorologie und Ozeanographie 
bilden, fallen in diese 22 Jahre, und an allen diesen Arbeiten hat Dinklage hervor 
ragenden Anteil; es seien hier nur genannt; die sogenannte „Quadratarbeit“, die in 
Verbindung mit dem Dänischen Meteorologischen Institut herausgegebenen „Täglichen 
synoptischen Wetterkarten vom Nordatlantischen Ozean“, die 7 Bände „Pilote“ und 
ganz besonders die großen Segelhandbücher und Atlanten der drei Ozeane. Zu der 
gegen Ende des Jahres 1884 erschienenen ersten Auflage des Segelhandbuches des 
Atlantischen Ozeans hat Dinklage ungefähr die Hälfte, und zwar die weitaus wich 
tigste Hälfte, nämlich die gesamten eigentlichen Segelanweisungen, beigesteuert. 
Dinklage hat aber im Laufe der Jahre diese seine Untersuchungen über die 
besten Wege für Segelschiffe auf alle Ozeane ausgedehnt. Wohl hatte Maury 
schon die Arbeitsmethoden im großen und ganzen unter Berücksichtigung der mitt 
leren Verhältnisse im Luft- und Wasserozean gegeben; aber in dem Ausbau der 
Segelanweisungen unter Anpassung an die augenblicklichen Wetterlagen und an die 
mit den Jahrzehnten wesentlich veränderten Bedingungen der Segelschiffahrt, der 
Schiffe wie der Besatzungen, in der wissenschaftlichen Ausnutzung eines vervoll- 
kommneten deutschen maritimen Beobachtungsmaterials für die Praxis der Segel- 
sohiffahrt liegt Dinklages besonderes Verdienst. Der wesentliche Fortschritt in den 
Dinklageschen Anweisungen liegt vorzugsweise darin, daß er, durch das Studium 
der synoptischen Wetterkarten vom Ozean dazu geführt, die Verwertung der Minima 
und Maxima für die Förderung der Reisen im Einzelfalle zeigte und die Kapitäne 
dazu brachte, mit richtigem Urteil über die jeweilige Wetterlage den nutzbringenden 
Kurs einzuschlagen. Wir wollen z. B. nur erinnern an seine von außerordentlichem 
Erfolge gekrönten, von Maurys Anschauungen abweichenden Vorschriften über die 
Art der Ausführung der Segelschilfreisen um das Kap Horn in westlicher Richtung, 
an seine klaren Darlegungen über die Ausnützung bestimmter Wetterlagen zwischen 
den Azoren und der Iberischen Halbinsel zum Vorwärtskommen nach Süden bei 
Reisen vom Kanal nach der Linie, und an viele andere, stets von voller Beherr 
schung des Stoffes zeugenden Segelanweisungen. 
Es ist bei verschiedenen Anlässen und von verschiedenen auch von außerhalb 
der Seewarte stehenden Persönlichkeiten darauf hingewiesen worden, welche ganz 
bedeutenden Abkürzungen in der durchschnittlichen Dauer fast aller Seglerreisen in 
den letzten Jahrzehnten eingetreten sind; sie beziffern sich z. B. für die Fahrten 
nach den Reishäfen, nach den Salpeterhäfen nicht auf Tage, sondern auf Wochen. 
Was hierdurch in nationalökonomischer Hinsicht gespart wird, welchen Nutzen Handel 
und Wandel nicht nur durch diese Abkürzung, sondern auch durch eine zweifellos 
vermehrte Sicherheit der Reisen gehabt hat und noch hat, das braucht nicht
	        
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