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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1903.
Auf dieser Versammlung ist denn auch für eine Anstalt, der so die Pflege
der Schiffahrt von der wissenschaftlichen Seite her anvertraut werden sollte, der
Name „Deutsche Seewarte“ vorgeschlagen worden. Während Neumayer in den
nächsten Jahren mit der Bearbeitung und Veröffentlichung seines australischen
Beobachtungsmaterials, hauptsächlich meteorologischen, erdmagnetischen und nautischen
Inhalts, beschäftigt war, gründete von Freeden in Hamburg die Norddeutsche
Seewarte.
1872 trat Neumeyer in den Dienst der Kaiserlichen Marine, wo er unter
dem ihn sehr hochschätzenden Chef der Admiralität v. Stosch zunächst als Hydrograph
der Admiralität für das Kompaßwesen, die wissenschaftlichen Reiseiustruktionen,
Instrumentenkunde und Deviationsbestimmungen tätig war. In diese Zeit
fallen; die Gründung der Annalen der Hydrographie (1878), die Vorbereitungen
der Gazelle-Expedition (1874) und die Reorganisation der meteorologischen Beobachtungen
an Bord deutscher Kriegsschiffe. Nachdem bereits 1873 eine Kommission
zur Neugestaltung des Sturmwaruungswesens unter Doves Vorsitz zum
Antrag auf Gründung einer Zentralstelle für Meereskunde und Sturmwarnungswesen
vonseiten des Reiches Stellung genommen hatte, und 1874 im Bundesratsausschuß
für Seewesen ein Bericht über die Deutsche Seewarte niedergelegt worden
war, wurde diese durch kaiserliche Verordnung vom 9. Jan. 1875 gegründet. Der
von Neumayer entworfene Organisationsplan des Institutes ist ein getreues Abbild
der wissenschaftlichen Vielseitigkeit seines Geistes. Während Neumayer in
der ersten Zeit die Leitung der Deutschen Seewarte in Hamburg zugleich mit
den Arbeiten des Hydrographen in Berlin besorgte, konnte er, am 18. Jan. 1876
zum Direktor der Deutschen Seewarte ernannt, im März des Jahres dauernd nach
Hamburg übersiedeln.
Es entwickelt sich nun in rascher Folge die Organisation des vielseitigen
Dienstes der Deutschen Seewarte, die Einrichtung des Wetterdienstes (Konferenz
in Hamburg, 12. bis 14. Dezember 1875; erste Wetterkarte, 16. Febr. 1876), Konferenz
über Kompaß-Deviation und Kompaß-Konstruktion (Juli und Sept. 1876),
Chronometer-Konferenz (Febr. 1878) und die Vereinbarungen mit den Instituten
in Utrecht und Kopenhagen bezüglich der Verwertung der meteorologischen Beobachtungen
zu Land und zur See (1878).
Am 1. Oktober 1879 wurde auf der Seewarte unter Neumayers Vorsitz die
internationale Polar-Kommission konstituiert, deren erster Vorsitzender er gewesen
ist, und die in den Jahren 1882 und 1883 die Kulturvölker zur Durchführung der
großen Polarexpeditionen veranlaßt hat. In immer steigendem Maaß haben sich
seitdem die Gelehrten vieler Länder an Neumayer und die Seewarte mit der Bitte
um Rat bei der Ausrüstung ihrer Forschungs-Expeditionen gewendet. Bekannt ist
Neumayers unermüdliche Tätigkeit für die antarktische Forschung, der er ein
Menschenleben eifriger Arbeit gewidmet hat. Seine glänzende Rednergabe, seine
vielseitigen Kenntnisse auf allen Gebieten der Geophysik machten ihn zum berufenen
Sprecher in den großen Versammlungen, auf den Geographen- und Naturforschertagen,
in meteorologischen und nautischen Kongressen.
Am 14. Sept. 1881 erfolgte die feierliche Einweihung des neuen Dienstgebäudes
der Deutschen Seewarte auf dem Stintfang in Hamburg durch Kaiser
Wilhelm den Großen. Mächtig hob und erweiterte sich unter Neumayers Leitung
das Arbeitsfeld der Anstalt. An Stelle der ursprünglich vorhandenen 2 Abteilungen
sind im Laufe der Zeit 6 getreten. Die Chronometerabteilung wurde von der Abteilung
für Instrumentenprüfung abgesondert (das neue Chronometerprüfungsinstitut
wurde 1892 bezogen), während die Arbeiten der Instrumentenabteilung,