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Volltext : Jahresbericht 1902

Dr.  Erich  Wohlenberg:  Die  Grüne  Insel  in  der  Eidermündung  usw.

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*)  In  diesem  Augenblick  tritt  das  von  Richter  so  treffend  bezeichnet«  Baugesetz  U*in*U  in  Funktion.  (Richter,  Senckenbergiana  Bd.  8,  1926  Seite  200).

Oeffnungen  der  Röhre  verständlich.  Es  liegt  baulich  sowohl  wie  hinsichtlich  der  physiologischen
Bedeutung  ein  Analogon  zu  der  Röhre  von  Arenicola  marina  vor  (Fig.  6).  Wie  beim  Bau  des
Sandpiers  die  beiden  Oeffnungen  der  Röhre  physiologisch  von  einander  zu  unterscheiden  sind,
so  dient  auch  bei  Corophium  die  eine  Oeffnung  zum  Herbeischaffen  der  Nahrung,  (sie  sei  im
Folgenden  der  Kürze  halber  mit  „Oeffnung  A“  bezeichnet)  (Fig.  6),  die  andere  zum  Herausschaffen ­
  der  Stoffwechselprodukte  und  aller  Fremdkörper  („Oeffnung  B“).  Oeffnung  B  ist  ausschließlich ­
  bei  Wasserbedeckung  in  Tätigkeit,  während  Oeffnung  A  bei  Ueberflutung  sowohl  wie
während  der  Trockenlage  des  Gebietes,  vornehmlich  aber  bei  dieser,  für  den  Haushalt  des  Tieres
im  Vordergrund  steht.
Die  Oberflächenform  an  der  Oeffnung  A  ist  im  Dezember  1930  von  Trusheim  mitgeteilt
worden  und  durch  eine  photographische  Wiedergabe  belegt  (Senckenbergiana  Bd.  12  Seite  254).
Nur  die  von  Trusheim  genannten  Kotperlen  sind  an  dieser  Oeffnung  nicht  am  richtigen  Platz,
jedenfalls  nicht  an  primärer  Lagerstätte.  Ihre  Ablagerung  konzentriert  sich  nach  meinen
Untersuchungen  lediglich  auf  die  Oeffnung  B.  Ein  gelegentliches  Vertauschen  beider  Oeffnungen
ist  nicht  beobachtet  worden.
Der  Vorgang  ist  folgender:  Die  intensivste  Nahrungsaufnahme  ist  bei  Ebbe  zu  beobachten
(Fig.  7).  Sobald  danach  die  Watten  mit  neuem  Wasser  überflutet  werden,  setzt  der  Krebs  mit
der  Nahrungsaufnahme  aus  und  verschwindet  vorläufig  an  der  Oeffnung  A.  Es  beginnt  jetzt
die  Säuberung  und  evtl,  auch  Erweiterung  der  Wohnröhre.  Gleich  einer  Eruption  werden  die
Sand-  und  Kotmassen  in  großen  Mengen  herausgewirbelt  und  sinken  zu  beiden  Seiten  der
Oeffnung  B  wallförmig  nieder  (Fig.  6).  Die  winzigen  Kotperlen  haben  etwa  5  —  20fache  Größe
eines  Sandkornes  aber  ein  bedeutend  kleineres  spezifisches  Gewicht,  denn  sie  gelangen  immer
erst  nach  den  Quarzkörnchen  zur  Ablagerung  und  nehmen  immer  die  Oberfläche  ein.  Eine
leichte  Wasserbewegung  genügt,  sie  fortzuschwemmen,  was  bei  der  überaus  dichten  Besiedelung
des  Raumes  von  ernährungs-physiologischer  Bedeutung  sein  dürfte.  Das  zahlreiche  Vorkommen
von  Kotperlen  im  Plankton  weist  ebenfalls  auf  ihre  leichte  Entfernung  von  den  Watten  hin
(vergl.  Seite  11).  Untersucht  man  mit  der  Lupe  bei  ruhigem  Wetter  die  schmutzig-graue  Haut,
womit  der  äußerste  Saum  des  vordringenden  Flutwassers  bedeckt  ist,  so  erweist  sich  diese  Haut
als  aus  winzigen  Kotperlen  bestehend,  die  ihrer  Form  nach  zum  größten  Teil  dem  Schlickkrebs
Corophium  volutator  zuzuschreiben  sind.
Die  Aufschüttung  von  Kot  und  Sand  um  die  Oeffnung  —  B  —  herum  ist  nicht  sehr
beständig.  Nach  dem  Zurückweichen  des  Wassers  hat  sie  kaum  noch  strukturelle  Bedeutung.
Die  sternförmige  Bildung  an  der  ersten  Oeffnung  ist  beständiger,  weil  sie  in  der  Regel  bei  Ebbe
entsteht.  DiePlastizität  der  Oberfläche  ist  bei  Wasserbedeckung  weit  geringer.  Die  Kotperlen
werden  leicht  fortgespült  und  haben  keinen  wesentlichen  Einfluß  auf  die  Oberflächenmikroplastik
der  Watten.
Mit  dem  Herauswirbeln  der  Kotmassen  geht  die  Erweiterung  der  Wohnröhren  vermutlich
g  1  e  i  ch  z  e  i  t  i  g  vor  sich.  5 )
Diese  Annahme  wird  durch  folgenden  Versuch  begründet.  Ich  verschaffte  mir  alte  Corophium-Siedlungen
  von  einem  sandigen  Watt  mit  sehr  starker,  tiefblauer  Pigmentierung  und
brachte  diese  Kolonie  im  Aquarium  unter  den  Einfluß  experimenteller  Gezeiten.  Die  Nahrungsaufnahme ­
  und  das  Herauswirbeln  der  Kotmassen  geschah  in  der  geschilderten  Weise,  aber  außerdem ­
  bestand  ein  großer  Teil  der  Auswurfstoffe  aus  pigmentierten  Quarzkörnchen.  Diese  ordneten
sich  ebenfalls  um  die  kraterförmige  Oeffnung  —  B  —  an  und  bildeten  anfangs  einen  dunkelblauen
Ring  um  dieselbe.  Der  oben  geschilderte  Oxydationsvorgang  setzte  aber  sofort  ein  und  verursachte ­
  das  bekannte  Umfärbungsphänomen.  Die  dunkel  -  pigmentierten  Sandkörnchen  kennzeichnen ­
  deutlich  ihre  Herkunft.  Von  der  Wattoberfläche  können  diese  nicht  stammen,  weil
            
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