Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1902.
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Graz und am 3. bis 14. August an der internationalen hydrographisch-biologischen
Tenninfahrt in der südlichen Ostsee teil. Auf der ersteren hat er über die
Drachenversuche der Seewarte Bericht erstattet und ein auf seine Studien über
den Drehfall (vergl. Illustr. Aeronaut. Mitteil. 1901, Heft 4) beruhendes neues
Fallschirm-Modell vorgeführt. Die Stellungnahme von Prof. Koppen auf der
Grazer Konferenz geht aus dem eingehenden offiziellen Bericht über diese hervor,
der im Jahrbuch der Wiener Centralanstalt erschienen ist. Die Teilnahme an
der Terminfahrt geschah zum Zwecke von Drachenaufstiegen; es konnten nur
vier solche, davon drei mit Meteorograph in Höhen von 600 bis 1100 m gemacht
werden. Ein Bericht ist dem Reichs-Marine-Amt eingereicht worden. Das Ergebnis
war, daß meteorologische Drachenaufstiege auf dem Meere auch von einem kleinen
315 t Dampfer aus sehr wohl tunlich sind, aber auch mit ziemlich viel Material
verlust verbunden sein dürften. In dieser Hinsicht werden Landseen günstiger
sein. Die Gelegenheit für Aufstiege ist, wenn man den Dampfer ganz zur Ver
fügung hat, durch zweckgemäße Bewegung desselben viel größer, als auf dem
Lande; bei einer anderweitig fest bestimmten Fahrt aber eher kleiner, denn
größer, als auf dem letzteren, wenigsten in windigen Klimaten.
e) Der Assistent Dr. E. Herrmann führte auch in diesem Jahr die Redaktion
der Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie. Der Jahrgang 1902
dieser Zeitschrift enthält in den 12 regelmäßig monatlich erscheinenden Heften
598 Textseiten, 21 Tafeln und zahlreiche Textfiguren. Beigegeben wurden diesem
Jahrgang zwei Beihefte: Beiheft I, enthaltend „Rasche Reisen deutscher Segler“
von dem Abteilungsvorstand der Seewarte L. E. Dinklage, 56 Seiten, und Beiheft II
„Vierundzwanzigster Jahresbericht über die Tätigkeit der Deutschen Seewarte
für das Jahr 1901, erstattet von der Direktion“, 90 Seiten.
An dem Inhalt der ersten vier Hefte dieses Jahrganges hatten Küsten-
und Hafenbeschreibungen, sowie spezielle Segelanweisungen einen überwiegenden
Anteil. Da dadurch die anderen für diese Monatsschrift in Betracht kommenden
Arbeitsgebiete zurückgedrängt wurden und auch ohne fast vollständige Aufgabe
dieser Stoffe die Mitteilungen über Küsten und Häfen nicht in der wünschens
werten Neuheit in den „Annalen der Hydrographie“ veröffentlicht werden konnten,
so wurde vom Mai an die Herausgabe einer besonderen Veröffentlichung für die
Beiträge zur Küstenkunde unter dem Titel „Der Pilote“, neue Folge, beschlossen.
Von dem Maiheft an konnte daher auch wieder den Abhandlungen aus dem
Gebiete der maritimen Meteorologie, Ozeanographie, Physik, nautischen Astronomie,
Instrumenten- und Apparatenkunde u. s. w. mehr Raum gewährt werden.
Damit wurde auch die Möglichkeit gegeben eine Ausgestaltung der Annalen
der Hydrographie etc. zu einer Zeitschrift für Seefahrts- und Meereskunde in
Aussicht zu nehmen. Die Ziele einer solchen Zeitschrift sind im Juniheft des
Jahrganges 1902 S. 275 dargelegt. Auch wurde mit dem Juliheft dem Titel „Annalen
der Hydrographie und maritimen Meteorologie“ der Zusatz „Zeitschrift für See
fahrts- und Meereskunde“ beigefügt; indessen hat sich bisher eine planmäßige
Einhaltung dieser Ziele und Durchführung dieses Gedankens nicht ermöglichen
lassen.
An Eingängen von Beobachtungs-Tabellen für die „Deutschen überseeischen
meteorologischen Beobachtungs-Tabellen“ sind zu verzeichnen;
Mogador (Marokko), Dezember 1901 bis November 1902,
Saffi (Marokko), Juli bis November 1902,
Casablanca (Marokko), Januar bis August 1902,
Hebron (Labrador), September 1901 bis September 1902,
Nain (Labrador), September 1901 bis August 1902,
Usina do Arica bei Cuyaba (Matto Grosso), Juli und August 1901,