Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1900.
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Wetterbericht der Seewarte beigegeben wird. Auf S. 4 des XXII. Jahresberichtes
ist bereits mitgetbeilt, dafs die Anregung zu dieser Veröffentlichung vom Kgl. Preufs.
Meteorologischen Institut ausgegangen ist und der Plan dazu in zwei Konferenzen
mit Vertretern desselben festgestellt worden ist. Durch eine Korrespondenz mit
fast allen meteorologischen Zentralstellen der nördlichen gemäfsigten Zone hat
sich die Seewarte die erforderlichen Mittheilungen von den ausgewählten 96 Stationen
gesichert, wobei sie allgemein ein höchst dankenswerthes Entgegenkommen bei den
auswärtigen Instituten fand. Da in dem Programm auch der Vergleich des Luft
drucks, der Temperatur und der Regenmenge mit den vieljährigen Normalwerthen
vorgesehen war, normale Dekadenmittel aber nur selten abgeleitet werden und
zudem zu ihrer direkten Ableitung viel längerer Beobachtungen bedürfen, als
Monatsmittel, so sind nur die letzteren von den Instituten erbeten worden und
sind aus diesen die Dekadenwerthe von Prof. Koppen auf graphischem Wege
abgeleitet worden. Auch für diejenigen Stationen, wo die gewünschten Monats
mittel für die gegebene Tagesstunde fertig mitgetbeilt wurden, war dieses eine
ziemlich zeitraubende Operation, da es galt, für jede Station 86 Zahlen durch
3 Kurven bestmöglichst darzustellen und aus diesen 108 Werthe zu bestimmen;
hauptsächlich aber haben die beim Zusammenwirken so vieler unabhängiger An
stalten unvermeidlichen Abweichungen einzelner Kontribuenten von dem ange
nommenen Schema viel Mühe und Zeitverlust gekostet. Die Zusammenstellung
der nunmehr alle 10 Tage, auf Postkarten, die die Seewarte liefert, regelmäfsig
einlaufenden Berichte erfordert dagegen für jede Dekade nur wenige Stunden,
einschliefslich des vom Felsengehirge bis Westsibirien reichenden Kärtchens.
Dem Assistenten bei der Seewarte Dr. Herrmann fiel, wie seit dem 15. Sep
tember 1898, ein Theil der bisherigen Arbeiten des persönlichen Hülfsarbeiters
des Direktors zu, insbesondere die Registrirung der Eingänge und die Drucklegung
der „Deutschen überseeischen meteorologischen Beobachtungen“ mit Ausnahme der
in Deutsch-Ostafrika vorgenommenen Aufzeichnungen. Zur Ausgabe gelangte
Band IX der „Deutschen überseeischen meteorologischen Beobachtungen“. Von
den Beobachtungsstationen, welche mit der Seewarte unmittelbar in Beziehung
stehen, gingen ein die Beobachtungen für 84 Monate; von der Kais. Meteorolo
gischen Station zu Tsingtau 12 Monate der Beobachtungen daselbst.
Aufser den meteorologischen Beobachtungen in Deutsch-Ostafrika gingen
der Seewarte insbesondere folgende überseeische meteorologische Beobachtungs-
Tabellen zu:
Mogador (Marokko), Dezember 1899 bis November 1900.
Saffi (Marokko), 8. Dezember 1899; Januar, Oktober, November 1900.
Kap Palmas, Januar bis Oktober 1900.
Apia, Juli 1899 bis Juni 1900.
Tsingtau, Oktober 1899 bis September 1900.
Nauru (Schutzgebiet der Marschall-Inseln, Juli bis Oktober 1898,
Dezember 1898 bis Dezember 1899.
Yap (Karoliuen-Inseln) Oktober 1899, Januar-Februar 1900.
Barotonga (Cooks-Inseln), September bis Dezember 1899.
Nain (Labrador), September 1899 bis August 1900.
Usina do Arica bei Cuyaba (Matto Grosso), September 1899 bis
April 1900, Juni-Juli 1900.
Ferner wurde Dr. Herrmann beschäftigt in der Redaktion der „Annalen
der Hydrographie und maritimen Meteorologie“, welche von dem Direktor geführt