Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1899.
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nachgebildet werden könnten. Dabei wurde besonders darauf Bedacht genommen,
die Typen der Segelschiffe von früherer Zeit bis in die neueste Gegenwart zur
Anschauung zu bringen, wozu begreiflicherweise ein besonderes Studium uuer-
läfslicb sich erwies; denn man würde irren, wollte man aunebmen, dafs man ohne
auf gründliches Studium laufende Kritik auf diesem Gebiete etwas den aufge
wendeten Mitteln an Zeit und Geld entsprechendes zu leisten vermöge. Die
Nachbildung älterer Schiffstypen wird im Laufe weniger Jahre sehr schwierig,
wenn nicht unausführbar werden und zwar namentlich in Folge der Abnahme
eines tieferen Verständnisses, selbst in seemännischen Kreisen, für die Takelage,
die doch bei den Segelschiffen eine so hervorragende Rolle spielte und noch
spielt. Es ist nur eine Pflicht der Billigkeit, hier zu konstatiren, dafs in dieser
Hinsicht sich Kapitän F. Schnehagen, von welchem die meisten neueren Schiffs
modelle unter Leitung des Direktors für die Seewarten-Sammlung ausgeführt
worden sind, ein grofses Verdienst erworben hat.
Wie schon erwähnt, hat die Sammlung der Seewarte zu Zeiten sehr erheb
liche Zuwendungen an werthvollen Geschenken an Schiffsmodellen, Schiffstheilen
u. s. w. erhalten, wie dies in den verschiedenen Jahresberichten, so unter
Anderem in dem von 1898, Seite 21, dargelegt worden ist. Von den Geschenk
gebern wurde als Motiv für diese Zuwendungen in den meisten Fällen ausdrück
lich hervorgohoben, dafs dieselben als eine Würdigung der Verdienste der See
warte um die Schiffahrt anzusehen seien. Unter den vielen Gönnern der Samm
lung der Seewarte, mögen hier nur folgende hervorgehoben werden:
Die Direktion der Ilamburg-Amerika-Linie, die llhedereien von Hertz
Söhne, W. O’Swald, Wencke Söhne und F. Laeisz. Zur Erhärtung dessen,
was oben über den Geist, in welchem diese Geschenke gemacht worden sind,
gesagt wurde, mag hier der Wortlaut eines Schreibens, mit welchem der jüngst
verstorbene, hervorragende Schift’srheder C. F. Laeisz das Modell des berühmten
Seglers dieser Firma „Potosi“ dem Direktor übersandte, eine Stelle finden. Das
Schreiben lautet:
An den Wirklichen Geheimen Admiralitätsrath Professor Dr. Neumayer,
Direktor der Seewarte, Hamburg.
Hamburg, 1. September 1898.
Hochgeehrter Herr Geheimrath!
Ihre hervorragenden Verdienste um die Wissenschaft und vornehmlich
um die Förderung der Deutschen Seefahrt werden besonders dankbar anerkannt
in denjenigen Kreisen, welche so häufig in die Lage kommen, Ihren fach
kundigen Rath einzuholeu und praktisch zu verwerthen. Mit unermüdlichem
Interesse und mit grofser persönlicher Freundlichkeit haben Sie so manchem
deutschen Seemann die Wege gewiesen und selbst den erfahrensten wichtige
Winke gegeben, sodafs Ihr Name nicht vergessen wird, wo immer mau von
Erfolgen auf dem Gebiete der Seefahrt redet. Der lebhafte Autheil, welchen
Sie an den Erfolgen meiner Schiffe und besonders auch der Flinfmastbark
„Potosi“ und ihres vortrefflichen Führers, Kapitän E. Hilgendorf, nehmen,
bat mich auf den Gedanken gebracht, dafs es Ihnen Freude machen würde,
ein Modell dieses Schiffes der Sammlung der unter Ihrer ausgezeichneten
Leitung zu so hohem Ansehen gelangten Deutschen Seewarte einzuverleiben.
Da ich Gelegenheit hatte, eine, wie mir scheint, recht naturgetreu, sorgfältig
gearbeitete und von einem ehemaligen Seemann (jetzigen Polizei-Offizianten
W. Daniels) angefertigte Reproduktion der „Potosi“ zu erwerben, so gebe
ich mir die Ehre sie Ihnen zu übersenden.
In bekannter Hochachtung und Freundschaft
Ihr ergebener F. Laeisz.