4
Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1898.
Allen, welche begierig waren, die Bibliothek zu benutzen, entgegenkam, ihm die
Wertbscbätznng gewann; sein einfaches und bestimmtes, jederZeit, wenn auch nicht
ühermäfsig den änfseren Formen Eechnung tragendes Wesen sicherte ihm die An
erkennung und Achtung der Beamten des Institutes, und mit aufrichtigem Schmerze
sah man den biederen Kollegen aus dem übernommenen Amte und aus dem Lehen
scheiden, als ihn eine tückische Krankheit dahinraffte. Noch wenige Tage vor seinem
Hinscheiden hatte Dr. Duderstadt sich hei der Regatta des Norddeutschen Segler-
verhandes (Hamburger Yachtklub), dessen geschätztes Mitglied er war, hetheiligt.
Erst am Morgen seines Todestages, den 23. Juni d. J., wurde der Direktion die Kunde
von dem unabwendbaren, herben Verluste, der ihr drohte, zu theil. Duderstadt
starh an einer Blutvergiftung, die sehr rapide verlief, gegen 11 Uhr des genannten
Abends eines sanften Todes.
Seine irdische Hülle wurde in seinem Heinmthorte Grofs-Otterslehen bestattet,
nachdem ihm von den Beamten der Seewarte und seinen Hamburger Freunden das
Geleite bis zum Bahnhof gegeben war. Der mit Blumenspenden reich bedeckte Sarg
barg die Hülle eines durchaus biederen, eines durchaus pflichttreuen und hochbegabten
deutschen Gelehrten. Alle die ihn kannten und schätzen zu lernen die Gelegenheit
hatten, werden ihm ein treues Angedenken bewahren.
# *
❖
Die Direktion bedauert, an dieser Stelle den Tod des Mechanikers der See
warte E. A. Zschau, welcher seit dem 1. Dezember 1887 in der Seewarte wirkte,
verzeichnen zu müssen. Derselbe starb am Morgen des 1. Januars 1899 nach
langem Leiden. Zschau hatte sich in der Expedition nach Süd-Georgien 1882-
1883 durch Pflichttreue und Tüchtigkeit hervorgethan. Während der 11 Jahre,
welche er dem Verbände der Beamten der Seewarte angehörte, hat sich Herr
E. A. Zschau bis zu der Zeit, wo er an einem unheilbaren Leiden erkrankte, in
dom Arbeitskreise der Seewarte erhebliche Verdienste erworben, und wird sein
Andenken im Kreise der mit ihm in Berührung getretenen Beamten stets in
Ehren genannt werden. Es wird im nächsten Jahresbericht darauf zurückge
kommen werden.
2. Wissenschaftliche Konferenzen, welche für die Thiitigkeit der Seewarte
von Bedeutung waren.
Es wurde schon erwähnt, dafs in den Räumen der Deutschen Seewarte die
3. Konferenz über Prüfung und sonstige auf die Fabrikation der Chronometer
Bezug habende Fragen tagte. An einer anderen Stelle dieses Berichtes wird über
das Ergebnifs dieser Konferenz berichtet werden. Ueberdies wurde seitens der
Direktion die schon früher angeregte Frage über die Reorganisation des Witterungs
dienstes der Deutschen Seewarte in verschiedenen Konferenzen besprochen. Der
Vertreter der Direktion in diesen Dingen, Prof. Dr. v. Beb her, hat zu verschiedenen
Malen die zur Erhöhung der Wirksamkeit des Witterungs- und Sturmwarnungs
dienstes an der deutschen Küste erforderlichen Maafsnahmen im Namen der
Direktion eingehend dargelegt und namentlich das Rundlauf-System, wenn auch in
etwas modifizirter Ordnung, eindringlichst empfohlen. Da bis jetzt ein abschliefsendes
Resultat nach dieser Richtung nicht erzielt wurde, wird gegenwärtig noch von der
Erörterung dieser Lebensfrage für die Witterungstelegraphie in Deutschland
Ahstand genommen.
8. Besuche auf der Zentralstelle zu Zwecken des Studiums und
der Besichtigung der Einrichtungen.
G. Aklam Salomon; Offizier Lemans; C. Rulf, Mineningenieur von Mexiko;
V. Wenparth, Ingenieur-Geograph, Lissabon; Dr. Siedentopf, Greifswald;
Direktor Chaves, Observatorium auf den Azoren, St. Migel; Dr. Schulze, Direktor