accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : Jahresbericht 1898

2

Jahresbericht  der  Deutschen  Seewarte  für  1S9S.

kreis  mul  sodann  auch  für  die  Wissenschaft  im  Allgemeinen  zu  bezeichnen.
Dr.  Ehrenfried  Duderstadt,  welcher  der  Deutschen  Seewarte  seit  November  des
Jahres  1885  angehörte,  hat  sich  in  diesem  Institut  eine  Stellung  erworben,  die  sein
Scheiden  als  eine  schwer  fühlbare  Lücke  erscheinen  läfst.  Diese  wenigen  Zeilen
sollen  nur  dazu  dienen,  diese  Auffassung  über  das  frühzeitige  Scheiden  des  begabten
und  ernststrehenden  Mannes  zu  erhärten  und  sein  Andenken  zu  bewahren.
Ehrenfried  Duderstadt  war  als  Sohn  einfacher  Bürgersleute  in  Grofs-Otterslehen
  bei  Magdeburg  am  5.  Juni  des  Jahres  185G  geboren  und  besuchte  die
Elementarschule  seines  Geburtsortes,  bis  er  reif  war  zum  Besuche  des  Dom-Gymnasiums
in  Magdeburg,  das  er  von  1870  an  mit  besonderem  Eifer  und  gutem  Erfolge  besuchte. ­
  Er  erkannte  es  stets  besonders  dankbar  an,  wie  dort  unter  dem  Einflüsse
tüchtiger  Lehrer  sein  Sinn  für  das  Studium  der  klassischen  Sprachen  geweckt
worden  ist.  Nach  Mittheilungen  seiner  Angehörigen  erfreute  er  sich  zu  jener  Zeit
keiner  besonders  festen  Gesundheit  und  war  häufig  genöthigt,  deshalb  eine  Pause
in  seinen  Studien  eintreten  zu  lassen.  Erst  mit  dem  Loben  auf  der  Universität
Halle-Wittenberg  erblühte  für  ihn  in  dieser  Hinsicht  eine  erfreulichere  Zeit,  da  seine
Gesundheit  gekräftigt  war  und  er  infolgedessen  seinen  Studien  mit  Eifer  obliegen
konnte.  Seinem  eigenen  Bekenntnisse  nach  lebte  er  damals  mit  besonderem  Eifer  der
klassischen  Philologie,  und  erkannte  stets  dankbarst  die  grofse  Anregung,  die  er  in
dieser  Hinsicht  von  seinem  Lehrer  Professor  Dr.  Keil  empfangen  hatte,  an.
In  erster  Linie  waren  es  die  Werke  der  griechischen  Tragödiendichter  und  die
ältere  Litteratur  der  Römer,  Plautus,  Terenz  u.  s.  w.,  die  er  mit  Vorliebe  studirte.
In  die  Philosophie  wurde  Duderstadt  von  den  Professoren  Dr.  Haym  und
Dr.  Erdmann  eingeführt,  und  zwar  widmete  er  sich  um  jene  Zeit  dem  Studium
des  Aristoteles  und  Kant.  Während  bis  zu  dieser  Epoche  seines  Lebens  sein
Interesse  wesentlich  durch  die  humanistischen  Studien  gefesselt  gewesen  war,  wurde
der  junge  Student  durch  die  Vorträge  von  Professor  A.  Kirchhoff  und  Dr.  Credner
besonders  zu  geographisch-naturwissenschaftlichen  Forschungen  angeregt.  Duderstadt, ­
  welcher  sich  auch  in  dem  akademischen  Leben  mit  Freiheit  bewegte  und
kein  Kopfhänger  gewesen  ist,  promovirte  nach  sieben  Semestern.  Die  von  ihm  verfafste
  Dissertation  hatte  zum  Gegenstände:  ,.De  Particularura  usu  apud  Catullum
et  Lucretium“  1881,  was  gewissermafsen  den  Abschlufs  seiner  Studien  aus  dem
klassischen  Gebiete  bildete.  Sodann,  nach  zurUckgelegtom  Examen,  absolvirte  eisern ­
  Probejahr  und  wirkte  einige  Zeit  als  Privatlehrer,  immer  noch  in  der  Absicht,
sich  dem  Lehrfache  zu  widmen.  Allein  die  Liebe  zum  Studium  der  Naturwissenschaften ­
  und  namentlich  der  Geographie  erhielt  endlich  die  Oberhand,  und  so  trat
er  im  Frühjahr  1885  in  Beziehung  zur  Direktion  der  Seewarte.  Um  jene  Zeit  tagte
in  Hamburg  der  V.  Deutsche  Geographentag,  mit  dem,  wie  bekannt,  eine  handelsund
  allgemeine  geographische  Ausstellung  verknüpft  war.  Dr.  Duderstadt  leistete
bei  den  Vorbereitungen  zu  dieser  Ausstellung  wesentliche  Dienste  und  nahm  an  den
Verhandlungen  jener  für  die  geographische  Forschung  bedeutsamen  Tagung  intensiven
Antheil.  Wie  in  allen  Phasen  seiner  Thätigkeit,  war  auch  hier  die  hingebende
Widmung  an  die  Sache,  welche  es  zu  fördern  galt,  bezeichnend.  Im  Laufe  des
Sommers  1885  leistete  Dr.  D  ud  erstadt  hei  der  Ordnung  und  Katalogisirung  der
Bibliothek  der  Seewarte  Werthvolles,  indem  er  den  Direktor  mit  Hingebung  in  getreuester ­
  Weise  unterstützte.  Die  Thätigkeit,  welche  unentgeltlich  von  dem  Verstorbenen ­
  damals  geleistet  wurde,  darf  ihm  niemals  vergessen  werden.
Im  November  des  Jahres  1885  wurde  er  als  Hülfsarheiter  bei  der  Deutschen
Soewarte  angestellt,  und  zwar  wurde  er  auf  besonderen  Wunsch  des  Direktors  demselben ­
  zugetheilt.  In  dieser  nicht  allzu  leichten  Stellung  wirkte  Dr.  Duderstadt
bis  zum  September  1891  und  zwar  in  einer  Weise,  die  das  Talent  und  die  Ausdauer
des  leider  allzu  früh  Verstorbenen  genugsam  bekundet.  Es  mufs  ihm  zum  Verdienste
angerechnet  werden,  dafs  er  die  Beobachtungen  im  Interesse  der  erdmagnetischen
Forschung,  in  welche  er  sich  zuerst  einzuarbeiten  hatte,  mit  Geschick  und  grofsem
Eifer  bis  zum  Zeitpunkte  des  Austritts  aus  der  genannten  Stellung  ausgeführt  hat.
Besonders  aber  sind  zu  erwähnen  seine  erdmagnetischen  Beobachtungen  im  Felde
während  der  Jahre  1889  bis  1891,  welche  sich  vom  äufsersten  Osten  des  Küstengebietes ­
  Deutschlands  bis  nach  der  Elbe  erstreckten  und  gewissermafsen  eine
Ergänzung  zu  der  erdmagnetischen  Aufnahme  Dr.  W.  Schapers  zwischen  Elbe  und
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.