42
Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1898.
Dr. Stechert beobachtete im Laufe des Jahres eine Anzahl Sternbedeckungen
(meistens am Kometensuchor der Sternwarte), sowie die Mondfinsternisse 1898
Januar 7 (am Dollond der Sternwarte), Juli 3 (am Kometensucher der Stern
warte) und Dezember 27 (am grossen Fernrohr der Seewarte). Während dieser
Finsternisse wurden zusammen etwa 60 Antritte und Austritte von Kratern notirt;
leider gelang es bei der zuletzt erwähnten Finsteruiss in Folge der ungünstigen
Witterung nicht, die während der Totalität stattfindenden Sternbedeckungen zu
beobachten. Kapt. Reinicke beobachtete die Mondfinsternisse 1898 Juli 3 und
Dezember 27 mit dem grossen Fernrohr der Seewarte, bezw. mit dem Fernrohr des
Universal-Instruments. — Die von beiden Beobachtern erhaltenen Resultate werden,
wie in früheren Fällen, in den „Astronomischen Nachrichten“ zum Abdruck gelangen.
In Folge der Verfügung des Reichs-Marine-Amts fand während der Tage vom
21. bis 23. März des Berichts-Jahres die dritte Chronometer-Konferenz im Sitzung
saale der Seewarte statt. Zu derselben waren als Mitglieder folgende Herren
berufen worden;
Wirklicher Geheimer Admiralitätsrath und Direktor der Seewarte Prof. Dr.
Neumayer, als Vorsitzender der Konferenz,
Kapt. z. S. und Vorstand der Nautischen Abtheilung im Reichs-Marine-Amt
Graf von В and i s s i n,
Wirklicher Admiralitätsrath im Reichs-Marine-Amt Kapt. z. S. a. D. Rottok,
Navigations-Direktor der Werft zu Kiel Korv.-Kapt. z. D. Ferber,
Admiralitätsrath und Direktor des Marine-Observatoriums zu Wilhelmshaven
Prof. Dr. Borgen,
Vorstand des Marine-Chrouometer-Observatoriums zu Kiel Korv.-Kapt. a. D.
Nees von Esenbeck,
Assistent der Abtheilung IV der Seewarte Dr. Stechert (in Vertretung des
durch Krankheit behinderten Abtheilungs-Vorstands),
Chronometerfabrikant F. Dencker aus Hamburg,
Chronometerfabrikant E. Brödring aus Hamburg.
Aufserdem nahm das Direktionsmitglied der Seewarte Kapt. z. S. a. D. Meuss
an den Sitzungen theil. — Die Berathungen der Konferenz hatten in erster Linie
den Zweck die Frage zu erörtern, ob es möglich sein werde, durch geeignete
Veränderungen der Bedingungen für die Zulassung zu den Chronometer-Koukurrenz-
Prüfungen, sowie durch Veränderung des Systems der Prämirung die rein deutsche
Chronometer-Industrie mehr als bisher zu unterstützen und zu heben. Auch
gelangten die von den betheiligten Chronometer-Fabrikanten eingereichteu Vor
schläge für die Errichtung einer staatlich zu subventionirenden Fabrik für Chrono
meter-Rohwerke zur Diskussion. Zweitens wurden mehrere Aenderungeu bezüglich
der Ableitung und der Grenzwerthe der für die Güte der Instrumente mafsgebenden
Zahlen В und C besprochen. Drittens handelte es sich darum, ob die Bedingungen
für die Zulassung zu den Taschenuhren-Prüfungen, ebenfalls zum Zwecke des
vermehrten Schutzes und zur Förderung der deutschen Industrie auf diesem Gebiete,
umzugestalten seien. — Nachdem die von der Konferenz gemachten Vorschläge
dem Reichs-Marine-Amt vorgelegt worden waren, sind von demselben folgende
wesentliche Aenderungeu gegenüber den bisher bestehenden Zulassungs- und
Beurtheilungsnormen festgesetzt werden.
Es steht jedem im Gebiete des Deutschen Reiches ansässigen Uhrmacher,
welcher sich als solcher durch Lehrbriefe oder Zeugnisse von Uhrmacherschulen
ausweist, frei, bis zu lü Chronometern zur Konkurrenz-Prüfung eiuzulieferu ohne