Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1898.
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Wettertelegraphie.
I. Einrichtung des wettertelegraphischen Verkehrs der Seewarte mit den meteorologischen Instituten
und Stationen Europas.
Im allgemeinen ist zu dem aus den früheren Darlegungen über die Ein
richtung der meteorologischen Observatorien Bekannten nichts hinzuzufügen. Es
kann nur erwähnt werden, dass unablässig darauf Bedacht genommen wurde, die
Wirksamkeit des Witteruugsdienstes und des Sturmwarnungswesens zu erhöhen.
Wenn dies nicht überall und zu allen Zeiten von dem wünschenswerthon Erfolge
begleitut gewesen ist, so lag dies in den zur Zeit unüberwindlichen Schwierigkeiten,
welche noch immer sich dem wettertelegraphischen Verkehr eutgegenstellen. Näher
darauf einzugehen, ist hier nicht der Ort und genügt es, darauf hingewiesen zu
haben, dass die Direktion die Verbesserung der in Frage stehenden Einrichtungen
stets im Auge behält.
Die Wetterdepesche von der Brockenstation des königl. preussischen meteo
rologischen Institutes, welche sich für den Witterungsdienst als von grosser Be
deutung erwiesen hat, liefen vom 10. Mai bis 10. Oktober an der Seewarte ein.
Vom 1. Dezember au wurde in der zweiten Depesche nach Wien und Budapest,
Stornoway und Yarmouth durch Sumburghhead und Aberdeen ersetzt.
II. Tägliche Berichterstattung an das Publikum.
Keine Aenderung.
Ila. Die Normalbeobachtungsstationen und Signalstellen der Seewarte an der Deutschen Küste.
An den Normalbeobachtuugsstatiouen der Seewarte kamen Aenderungen
nicht vor. Zu ihrem Bedauern war es der Direktion der örtlichen Verhältnisse
wogen nicht möglich, in Neufahrwasser ein Anemometer an einem geeigneten Orte
aufzustellen. Die bestehenden Schwierigkeiten werden übrigens baldigst über
wunden werden.
Im November wurde die Sturmwarnungsstelle Nest, Kreis Köstlin, in eine
solche I. Klasse umgewandelt.
Inspizirt wurden im Berichtsjahre folgende Normal-Beobachtungsstationen
bezw. Sturmwarnungsstellen;
1) Vom Abtheilungsvorsteher Prof. Dr. van Bebber:
Kiel, Süderhöft, Helgoland, Borkum und Wilhelmshaven.
2) Vom Assistenten der Abtheilung III, Dr. Gross manu:
Neufahrwasser, Swinemünde, Ahlbeck und Wustrow.
III. Tägliche Berichterstattung in Hamburg und Altona zur Herstellung von Zeitungswetterkarten
überhaupt.
Keine Aenderung.
IV. Tägliche Wetterprognosen und Verbreitung derselben in Deutschland.
Wetterprognosen für das nordwestliche Deutschland erhielten: vom 20. Mai
bis auf weiteres die Kaiserl. Kommandantur Eriedrichsort, ausserdem (gebühren
pflichtig) vom 19. Juni bis 30. September die Badedirektiou zu Westerland (auch
Hafentelegramm für die Nordsee), vom 14. Juni bis 9. Oktober die Badedirektiou
auf Norderney und vom 11. Juli bis 30. September die Badekommission auf
Wangerooge.
V. Aussergewöhnliche Mittheilungen, Sturmwarnungen.
Sturmwarnungstelegramme für das ganze Jahr erhält die Badedirektiou zu
Westerland. Sonst keine Aenderungen.
Bezüglich der Lage und Einrichtung der Signalstellen an der Deutschen
Küste wird auf die 3. Auflage der Instruktion für die Sigualstellen, Seite 30 ff.,
verwiesen,