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Full text: Jahresbericht 1898

Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1898. 
B6 
IX, Bericht über die Thätigkeit der Abtheilung III. 
Pflege der Witterungskunde, der Küsten-Meteorologie und des Sturmwarnungswesens 
in Deutschland. 
Im Berichtsjahre wurde die Drucklegung des Jahrganges 1897 der Meteoro 
logischen Beobachtungen im Systeme der Deutschen Seewarte ausgeführt und 
ebenso die Ergebnisse dieser meteorologischen Beobachtungen für das Dezennium 
1880—1895 im Drucke vollendet. Die erstere Veröffentlichung unterscheidet sich 
dem Inhalte nach von derjenigen im vorhergehenden Jahrgange, dass die Anemo- 
mcter-Begistrirungen zu Memel in Wegfall kamen. 
Bedeutungsvoll für die Verbesserung der Wettertelegraphie, insbesondere in 
Bezug auf Beschleunigung der Wetterdepeschen, sind Besprechungen im lleichs- 
marineamt und im Reichspostamte seitens Vertreter dieser Behörden und der See 
warte, welche Anfangs Februar stattfanden, gewesen. Hiernach ist gegründete 
Hoffnung vorhanden, dass zunächst für Deutschland und Nordwest-Europa, dann 
aber auch für ganz Europa, ein wettertelegraphisches System geschaffen wird, 
das es ermöglicht, dass das wetter-telegraphische Material in kürzester Zeit nach 
der Beobachtung erhalten und au die Interessenten abgegeben werden kann. Die 
Direktion behält sich vor, über die Ergebnisse dieser Verhandlungen, sobald sie 
zu einem bestimmten Abschlüsse gekommen sein werden, Bericht zu erstatten. 
Der Direktor der Seewarte begab sich auf Einladung des Vorstandes des 
Deutschen Landwirthschaftsrathes und autorisirt durch das Reichsmarineamt zu 
einer Sitzung des Vorstandes des Deutschen Landwirthschaftsrathes, welche im 
Juni des Berichtsjahres stattfand, um die Erweiterungen bezw. Verbesserungen 
in dem Witterungsdienste für das Deutsche Reich darzulegen und eventuelle Be 
richte als Vorlagen für die Generalversammlungen des Deutschen Landwirthschafts 
rathes, welche im Januar 1899 stattfinden solle, vorzubereiten. Die Direktion 
wird nicht unterlassen, die Ergebnisse dieser Verhandlungen, wobei der Direktor 
der Seewarte als Referent zu berichten hatte, im nächsten Jahresberichte mit- 
zuthcilen. 
Ferner sind wichtige Erhebungen und Verhandlungen in die Wege geleitet 
worden in Bezug auf Verbesserung des Sturmwarnungswesens an der Deutschen 
Küste. Besonders angeregt durch Vorgänge an der ost- und westpreussischen 
Küste wurde die Frage des Näheren erörtert, ob es nicht zweckdienlich sei, eine 
meteorologische Filiale mit ausgedehnten Befugnissen zur Ausübung des Sturm 
warnungswesens an einem Punkte jener Küste, etwa in Neufahrwasser zu erx-ichten. 
Eingehende Erwägungen führten zum Ergebnisse, dass eine solche Einrichtung 
nicht zweckdienlich sei. Es handelt sich in der That darum, die Zahl der Signal 
stellen (Sturmwarnungsstellen) zu erhöhen, sofern sich dieses aus den Bedürfnissen 
ergiebt und das Sturmwarnungswesen hinsichtlich der Möglichkeit, Depeschen zu 
jeder Zeit des Tages dorthin gelangen zu lassen, zu verbessern. Noch immer ist hin 
sichtlich dieses Desiderates vieles anzuordnen und steht zu hoffen, dass auch mit 
Rücksicht hierauf bald eine grössere Vollkommenheit des Sturmwarnungswesens 
herbeigeführt werde, lieber das Ergebniss der im Gauge befindlichen Erhebungen 
wird die Direktion nicht verfehlen, in ihrem nächsten Jahresberichte Auskunft 
zu geben.
	        
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