accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Schott, G.: Die internationale Erforschung des Atlantischen Ozeans usw. 281 
die wissenschaftliche Seite des ganzen großen Planes noch einer Betrachtung von 
einem neuen Gesichtspunkte aus unterwerfen. 
Was die Frage der Benutzung von Handelsdampfern für die beabsichtigten 
regelmäßigen atlantischen Untersuchungsfahrten betrifft, so war sie s. Zt. von 
mir angeregt, um die Kosten in erträglicher Höhe (etwa 40 000 / pro Jahr und 
pro Nation) zu halten. Die Handelsdampfer sollten für jede Stunde des Stoppens 
auf hoher See, im ganzen für etwa fünf Tage Reiseverlängerung jedesmal, ent- 
schädigt werden. Es waren Bedenken geäußert, ob die Reedereien darauf ein- 
gehen würden und könnten, schon im Hinblick auf die Empfänger der Schiffs- 
ladungen. Erkundigungen bei verschiedenen Reedereien haben nun gezeigt, daß 
z. B. bei der Hamburg—Amerika-Linie und der Deutsch-Amerikanischen Petroleum- 
Gesellschaft keine unüberwindlichen Schwierigkeiten in der Frage der Reise- 
verlängerung bestimmter Schiffe bestehen würden, und daß in der Tat, wie 
ursprünglich auch angenommen, 1000 bis 1200 A pro 24 Stunden Reiseverlängerung 
gefordert werden würden, Es ergab sich aber gegenüber diesem günstigen Be- 
scheid zugleich die Unsicherheit, daß dasselbe Schiff längere Zeit auf derselben 
Route beschäftigt wird, ferner die Möglichkeit, daß das Schiff, das vielleicht ein- 
mal von Hamburg aus fährt, das nächste Mal nicht dorthin zurückkehrt, sondern 
in einen anderen Hafen geht und von da eine neue Reise beginnt: dies würde 
ungemein große Schwierigkeiten für den begleitenden Ozeanographen und für 
die gesammelten Materialien mit sich bringen. Auch konnte von den Schiffahrts- 
gesellschaften bei dem Wechsel der Frachtraten eine bindende Zusicherung, daß 
zu gewünschter Zeit stets geeignete. Dampfer verfügbar gemacht würden, nicht 
erteilt werden. Ich glaube daher, daß, so sehr es zu bedauern ist, wir diesen. 
Weg doch nicht beschreiten können. 
Wahrscheinlich würde es sich empfohlen haben, diese eventuelle Benutzung 
von Handelsdampfern nicht so schnell und ganz aufzugeben, wenn nicht noch 
eine erst nach dem Genfer Kongreß und mit der Sitzung in Monaco immer deut- 
licher auftretende rein wissenschaftliche Erwägung dazu käme, die mich 
nötigt, — und zwar in Übereinstimmung mit Andeutungen, die schon S. A, der 
Fürst von Monaco in der Sitzung zu Monaco machte — zu erklären, daß ein 
Aufenthalt von etwa 6 bis 12 Stunden an einer und derselben Station bei dem 
heutigen Stand der ozeanographischen Kenntnisse doch nicht genügen wird, um 
gerade die Probleme zu fördern, die wir im Auge haben, d.h. im besonderen 
die periodischen und unperiodischen Änderungen des Wärmeinhaltes des Atlan- 
tischen Stromes. Damals, vor fünf Jahren, waren wir noch der Meinung und 
durften der Hoffnung sein, daß eine einmalige Messung der Temperatur, des 
Salzgehaltes usw. von der Oberfläche bis in die großen Tiefen auf dem freien, 
offenen Ozean im allgemeinen ausreiche, um den wahren, zur Zeit gültigen Wert 
dieser Faktoren zu erhalten. Nun haben wir aber von Jahr zu Jahr zahlreichere 
Beweise erhalten, daß diese Annahme leider nicht ganz zutrifft, und daß man, 
ähnlich wie in der Atmosphäre, auch im Ozean, wenn man an derselben Stelle 
die Beobachtungen kurze Zeit hintereinander wiederholt, recht sehr verschiedene 
Zahlen meistens erhält, und zwar Zahlen, deren Variationen auf gezeitenähnliche‘) 
Bewegungen auch der Tiefsee hindeuten, 
Hierfür einige Beispiele. O. Pettersson hat wohl zuerst, 1909, für Sta- 
tionen des Kattegat das in Wellen von etwa zwölfstündiger Amplitude erfolgende 
An- und Abschwellen der Wasserschichten in vertikaler Richtung beschrieben; 
dann kamen Beobachtungen des dänischen Forschungsdampfers »Thor« im Mai 
1910, die M. Knudsen diskutiert hat, und danach Beobachtungen des norwegischen 
Forschungsdampfers »Michael Sars« im August 1910, die B. Helland-Hansen 
beschrieben hat. »Thor« hat während 67 aufeinander folgender Stunden in 
ij) Sowohl im Text als auch in der Resolution ist der Ausdruck »gezeitenähnlich« gebraucht; 
es soll aber damit, wie übrigens auch aus dem Wortlaut der Resolution hervorgeht, nicht schon 
behauptet werden, daß die Erscheinung tatsächlich und allein auf Tiefsee-Gezeiten zurückzuführen sei. 
Es kommen auch interne Wellen in Frage, und das neue noch unveröffentlichte Material zu dieser 
Frage, das Dr. Brennecke von seiner Südpolarreise mitgebracht hat, zeigt offenbar, daß die Er- 
scheinung außerordentlich verschiedenartig auftritt.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.