88
Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1897-
erschöpft; es wurde deshalb eine ungewöhnlich greise Anzahl neuer Chrono
meter eingeliefert, welche erfahrungsgemäfs bei richtiger Härtung der Spirale
meistens noch mit einer beträchtlichen Acceleration behaftet zu sein pfiegeu.
Die vom Reichs-Marine-Amt ausgesetzten Prämien wurden den 6 Chrono
metern der ersten Klasse zuerkannt; diese, sowie 9 Instrumente der beiden fol
genden Klassen, wurden vom Reichs-Marine-Amt angekauft. Aufserdem ging ein
Chronometer in den Besitz der Maschinen- und Schiffsbau-Werkstatt „Howaldts-
werke“ in Kiel über.
Im Anfänge des Monats November begann die 21. Chronometer-Koukurrenz-
Prüfung, an welcher sich 9 Fabrikanten durcli Einsendung von zusammen 37
Chronometern betheiligteu. Aufserdem wurden noch 7 Instrumente, welche aufser
Konkurrenz von deutschen und schweizer Fabrikanten eingeliefert worden waren,
in die Prüfung eingestellt. Die aufsergewöhulieh zahlreiche Betheiligung au
dieser Prüfung ist darauf zurückzuführen, dafs seitens des Reichs-Marine-Amtes
gröfsere Ankäufe für die folgenden Jahre in Aussicht gestellt wurden und die
Fabrikanten zu gesteigerter Thätigkeit auf dem Gebiete der Chronometer-
Industrie durch ein Zirkular aufgefordert worden waren. — Das Ende der
21. Konkurrenz-Prüfung findet im April 1898 statt.
Prüfung von Präzisions-Taschenuhren.
An den im Jahre 1897 abgehaltenen 6 Prüfungen von Präzisions-Taschen
uhren betheiligteu sich 10 Fabrikanten durch Einsendung von (50 Instrumenten,
von denen 1(1 in die „grofsc Prüfung“ und 44 in die „kleine Prüfung“ eingestellt
wurden. (Im Jahre 189(5 wurden 31 Präzisionsuhren, davon 10 in „grofser“ und
21 in „kleiner Prüfung“ untersucht.) Es konnten für 47 Ehren (gegen 2(5 im
Vorjahre) Atteste ausgestellt werden; unter diesen befanden sich 14 Instrumente
der „grofsen Prüfung“. Der Umstand, dafs eine verhältnifsmäfsig grofse Zahl
der zur „kleinen Prüfung“ eingereichten Uhren ohne Attest zurückgegeben werden
mufsteu (11 unter 44), ist darauf zurückzuführen, dafs eine Anzahl dieser In
strumente im Aufträge von Forschunsgreisenden eingereicht war und wegen der
Abreise der betreffenden Herren kurz vor Beendigung der Untersuchung zurück
gezogen werden mufste. Aufserdem befanden sich unter den geprüften und
nicht attestirten Uhren einzelne, welche auf Veranlassung von Gerichten unter
sucht wurden, wobei von vornherein ausgesprochen wurde, dafs diese Uhren
nicht eigentlich als Präzisions-Instrumente zu betrachten seien. Endlich wurden
auch 4 Taschenuhren, welche theilweiso in den Tropen ein mangelhaftes Ver
halten gezeigt hatten, sofort nach Rückkehr des betreffenden Reisenden der
„kleinen Prüfung“ unterworfen; nur eine dieser Uhren hielt sich innerhalb der
im Regulativ für das Bestehen der Prüfung festgesetzten Schwankungsgreuzeu.
Im allgemeinen kann das Prüfüngsergebnifs der von den Fabrikanten selbst
eingelieferten Präzisions-Taschenuhren als ein sehr gutes bezeichnet werden. Die
von Jahr zu Jahr steigende Betheiligung seitens der Uhrmacher, sowie anderer
seits die häufig ausgesprochenen Bitten um Nachweis geprüfter Präzisionsuhren
gelien den Beweis, dafs durch die Einrichtung dieser Prüfungen einem in den
Kreisen der Nautiker, Geographen, Forschungsreiscndeu, Fachastronoraen und
astronomischen Dilettanten bestehenden Bedürfnisse entsprochen wird.
Als Gesamtresultat ergiobt sich, dafs während des Jahres 1897 zusammen
226 Beobachtuugsserien an Uhren (gegen 184 im Vorjahre) ausgeführt worden sind.