Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1897.
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dais dio Anzahl derjenigen Kapitäne, welche durch ihre llhedereien nicht aus
drücklich zur Einlieferung ihrer Instrumente an das Chronometer - Prüfungs-
Institut veranlafst wurden, nicht etwa zu- sondern abgenommen hat. Diese
Thatsache ist ohne Zweifel darauf zurückzuführen, dafs die von den Chronometer-
Fabrikanten angestellten Water-Clerks sich unmittelbar nach Ankunft der Schiffe
an Bord begeben und den gerade in diesem Augenblicke vielbeschäftigten Kapitän
zur Abgabe seines Chronometers veranlassen. Es wird von Sachkundigen ver
sichert, dafs im Hamburger Hafen die Konkurrenz im Clerkwesen gerade während
der letzten Jahre einen recht unsympathischen Charakter angenommen hat; die
Chronometer-Fabrikanten selbst beklagen diese Thatsache sehr, der Einzelne ist
aber infolge der Konkurrenz aufser Stande, eine Aenderung herbeizuführen. —
Es würde zu erwarten sein, dafs die Inanspruchnahme des Chronometer-Prüfungs
instituts seitens der durch ihre Rhedereien nicht beeinflufsten Schiffsführer eine
gröfsere werden würde, sobald der Seewarte eine Motor-Barkasse zum Abholen
der Instrumente zur Verfügung gestellt würde. Andererseits mufs aber auch an
dieser Stelle anerkannt werden, dafs eine Anzahl gröfserer Rhedereien (cfr. Bericht
über das Jahr 1896) ganz ausdrücklich ihren Kapitänen und Lieferanten die In
anspruchnahme des Chronometer-Instituts zur Pflicht macht und dafs die Be-
thätigung des Instituts, weil von den Rhedereien die guten Erfolge anerkannt
werden, durch diese Maafsnahmeu immer mehr an Boden gewinnt.
Von Uhrmachern wurden der Abtheilung IV, aufser den für die Konkurrenz-
Prüfung und für die regelmäfsigen Taschenuhren - Prüfungen bestimmten Instru
menten, 12 Chronometer und Taschenuhren, sowie 2 Pendeluhren zur Prüfung
übergeben. Endlich wurden auf Ansuchen von staatlichen und privaten wissenschaft
lichen Instituten, -wie von Seeämtern, Gerichten, Forschungsreisenden u. s.w. 21 Chro
nometer und Taschenuhren, darunter eine Anzahl in mehreren getrennten Beob-
achtungsserieu, untersucht. Sofern die Untersuchung hierfür geeignet erschien,
wurden bei Rückgabe der Instrumente die Temperatur-Koeffizienten bezw. Tem
peratur-Tabellen den Auftraggebern mitgetheilt.
Chronometer ■ Konkurrenz - Prüfung.
An der in der Zeit von 1896 November 9 bis 1897 April 18 abgehaltenen
zwanzigsten Konkurrenz - Prüfung von Marine - Chronometern betheiligten sich 5
Fabrikanten durch Einsendung von 27 Chronometern. Die Gesamtleistung der
Prüfung hielt sich ungefähr in gleicher Höhe wie während der beiden Vorjahre,
deren Ergebnifse damals als ausnahmsweise günstig bezeichnet werden konnten.
Die Vertheilung der koukurrirenden Instrumente auf die einzelnen Klassen war
folgende;
Klasse
I
II
III
IV
V
Anzahl der Chronometer.
6
5
6
7
3
Prozentische Vertheilung.
22%
19%
22%
26%
11%
Es ist bei der vorstehenden Prüfung bemerkenswert!!, dafs in nicht weniger
als 15 Fällen ein Herabsetzen eines Instrumentes in eine Klasse von höherer
Ordnungszahl wegen eines bedeutenden Wcrthes der Acceleration hat stattfinden
müssen. Diese Thatsache ist auf folgende Umstände zurückzuführen. Weil nach
Beendigung der neunzehnten Konkurrenz - Prüfung die aufsergewöhnlich grofse
Anzahl von 16 Chronometern seitens der Kaiserlichen Marine und 2 Chronometer
von astronomischen Observatorien angekauft wurden, so waren die Bestände der
Fabrikanten an älteren Instrumenten bei Beginn der zwanzigsten Prüfung ziemlich