350 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1000,
namentlich in Jamaica und in der Nachbarschaft der Jungfern-Inseln, während
im östlichen Höhonzug weniger Erdbeben, dafür aber tätige Vulkane auftreten;
in. beiden Höhenzügen haben die Verschiebungen der jüngern Zeit in Hebungen,
niemals in Senkungen bestanden, Zwischen den Inseln des nördlichen Rückens
sind die Durchlässe ziemlich tief, während zwischen den östlichen Inseln nur
eine tiefe Durchfahrt, der St. Lucia-Kanal (etwa. 1600 m tief), vorkommt, so daß
der Rücken eine seichte Schwelle darstellt, über die die mächtige Äquatorial-
strömung hinüberflutet,
Die Strömungen. In das Karaibische Meer treten sowohl die Nord- wie
die Südäquatorialströmung ein. Die Nordäquatorialströmung, deren Haupfzweig
als Antillen-Strom außerhalb der Bahama-Inseln nach Nordwesten setzt, tritt in
das Karaibische Meer hauptsächlich durch den St, Lucia-Kanal ein und fließt südlich
von Jamaica und Cayman-Riff nach der Westseite des Yukatan-Kanals; die
durchschnittliche Geschwindigkeit ist 0.5 Sm und die Mitteltemperstur etwa 275°,
Die Südäquatorialströmung teilt sich bei Kap Roque in den nach Süden setzenden
Brasil-Strom und den Guyana-Strom, der parallel der amerikanischen Küste‘ nach
Nordwesten fließt und mit seiner Hauptmasse durch den Grenada-Kanal in das
Karaibische Meer eintritt, hier der 1000 Faden-Linie bis Pt. Gallinas folgt und
südlich der Rosalinde-Bank und östlich der Swan-Insel gleichfalls der Westseite
des Yukatan-Kanals zustrebt, wo die beiden Stromzweige sich zum Golfstrom
vereinen. Die durehschnittliche Geschwindigkeit ist 1.2 Sm und die mittlere
Temperatur etwa 28°, ,
Da der Verlauf der beiden Äquatorilalströmungen durch den Inselzug der
Kleinen Antillen gehemmt wird, so tritt an der Ostseite der Kleinen Antillen eine
Stauung des Wassers ein, die verbunden ist mit der Bildung von Gegenströmungen,
die sehr warm und salzarın sind, Diese Gegenströmungen werden oft als Kabbe-
lungen von Schiffen gemeldet, die sich von Süden dem Karaibischen Meer nähern,
und sie sollen Unregelmäßigkeiten. in den Strömungen außerhalb des Karatibischen
Meeres verursachen,
Die Schwelle, welche die in das Karaibische Meer eintretenden Strömungen
passieren, ist nahezw 1000 Sm lang mit einer Tiefe von etwa 500 m zwischen den
Inseln, ausgenommen den Kanal von St. Lucia, dessen Tiefe etwa 1800 m beträgt,
und den Kanal von Grenada mit etwa 900 m Tiefe, Der Kanal von Yukatan,
Aurch den die Strömungen später fließen, ist 90 Sm breit mit über 2000 m Tiefe,
während der Auslaß des Golfstroms, die Florida-Straße, nur 50 Sm breit und
650 m tief ist. Dieser natürliche Damm, der sich dem Auslaß des Wassers ent-
gegenstellt, dürfte wenigstens zum Teil die Tatsache erklären, daß die Oberfläche
des Golfs von Mexiko vor der Mündung des Mississippi fast einen Meter höher ist
als der Meeresspiegel bei New York,
Die Gegenströmungen, Die Kubanische Strömung Jäuft nach Westen
an der Nordseite der Insel Kuba entlang, biegt dann am Kap San Antonio nach
Süden und Südosten um und läuft in südöstlicher Richtung zwischen Kuba und
Jamaica hindurch, südlich von Haiti entlang und dann hinaus im den offenen
Ozean an der Ostseite der Mona-Durchfahrt, 1} Auf der Strecke zwischen Kuba
und Jamaica ist die Strömung sehr unbestimmt, und ihre Richtung hängt von
der Richtung und Stärke der Winde ab, Während die allgemeine Neigung nach
Südosten geht, wird die Öberflächenbewegung meistens aufgehalten während oder
nach starken Stürmen aus östlicher Richtung. Eine örtlich beschränkte Strömung
fließt leewärts durch die Windward-Passage, wendet sich aber im allgemeinen um
Haiti herum nach Südosten Im Süden von Haiti, bei Alta Vela, sind der Gegen-
strom und die nordäquatoriale Strömung nur 30 Sm voneinander entfernt und
fließen. in entgegengeseizten Richtungen.
Zwischen Corrientes und. Kap Cruz wendet sich die Strömung in die Bucht
zwischen der Isla de Pinos und Kuba und voll{ührt bisweilen, indem sie dicht
an den Eingang des Hafens von Cienfuegos herangeht, einen Umlauf in. der Bucht.
ü Zwischen St, Dommeo und Porto Rico.