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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 189G.
Prüfung von Präzisions-Taschenuhren.
An den im Jahre 1896 abgehaltcueu 6 Prüfungen von Präzisions-Taschen
uhren betheiligten sich 7 Fabrikanten durch Einsendung von 81 Instrumenten,
von denen 10 in die grofse Prüfung und 21 in die kleine Prüfung eingestellt
wurden. (Im Jahre 189B wurden ebenfalls 81 Präzisions-Taschenuhren, davon
5 in grofser und 26 in kleiner Prüfung, untersucht.) Es konnten für 26 Uhren
(gegen 23 im Vorjahre) Atteste ausgestellt worden. Unter diesen befanden sich
9 Instrumente der greisen Prüfung; auf die Ausstellung eines Testats für die
letzte zur grofsen Prüfung eiugereichte Uhr muiste, trotz des sonst guten Ver
haltens, verzichtet werden, weil der Besitzer aus geschäftlichen Rücksichten ge
zwungen war, das Instrument vor Beendigung der Prüfung zurückzuziehen.
Das Ergebnifs der Taschenuhren-Prüfungeu während des Jahres 1896 kann
im Vergleich mit den früheren Jahren aus dom Grunde als ein gutes bezeichnet
werden, weil die Betheiligung an der grofsen Prüfung sich wesentlich vermehrt
hat und weil aufserdem die Anzahl derjenigen Uhren, welche wegen Ueber-
schreitung der zulässigen Schwankuugsgrenzen ohne Testat zurückgegeben werden
mufsten, geringer geworden ist. — Für die Zwecke der Seewarte sowie auf An
suchen von Forschungsreisenden, deren Abreise nahe bevorstaud, wurden 8
Taschenuhren während kürzerer Zeit beobachtet.
Als Gcsammtresultat ergiobt sich, dafs während des Jahres 1896 (einschliefs-
lich der Normaluhren und der bei der Konkurrenz-Prüfung benutzten Temperatur-
Chronometer) zusammen 184 Beobachtungsserien an Uhren ausgeführt wurden.
Diese Zahl ist in früheren Jahren nicht annähernd erreicht worden.
Wissenschaftliche Arbeiten.
Die im vorigen Jahresberichte bereits erwähnte Zusammenstellung neuer
geographischer Ortsbestimmungen von Küstenpunkten wurde auch im Berichts
jahre durch Verwerthung namentlich französischer Beobachtungen ergänzt. Fia
das Segelhaudbuch des Stillen Ozeans wurden auszugsweise diejenigen im Bereiche
dieses Meeres liegenden Positionen zusammengestellt, bei welchen man die für
nautische Zwecke erforderliche Sicherheit der Bestimmung voraussotzen darf.
Im Anschlufs an den Bericht über die 19. Konkurrenz-Prüfung wurden ferner
die Werthe der Temperatur-Koeffizienten für die in jener Prüfung untersuchten
Chronometer in den „Anualeu der Hydrographie u. s. w.“ veröffentlicht. Diese
Rechnungen waren nach der im vorhergehenden Jahre mitgetheilteu Methode
(s. Ann. d. Ilydr. u. s. w., Jahrgang 1895, Heft 10) durchgeführt worden.
Im März 1896 wurden auf Verfügung der Direktion die bisherigen Erfahrun
gen bezüglich der Güte von Chronometerölen in einem längeren Berichte zu
sammengestellt. Es wurden hierbei erstens die Ergebnisse verwendet, welche hei
den alljährlich nach Beendigung der Konkurrenz-Prüfungen stattfiudenden luspi-
zirungen gesammelt waren, und es wurde zweitens von den werthvollen mündlichen
und schriftlichen Mittheiluugeu mehrerer Fabrikanten über diesen Punkt Gebrauch
gemacht.
Au den in der 19. Konkurrenz-Prüfung untersuchten Instrumenten wurden
nach Beendigung der eigentlichen Prüfungszeit einige chronometrische Studien
ausgeführt, welche sich erstens auf die Ganguuterschiedc zwischen dem ersten
und dem zweiten Gaugtage, sowie zweitens auf etwaige Gangveränderungen hei
Aufstellung der Chronometer in verschiedener Richtung zum magnetischen Meridian
bezogen. Es besteht die Absicht, derartige Beobachtungen auch noch während