Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1894.
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Während auf diese Weise die graphische Darstellung der magnetischen Ver
hält nil's o der Erde durch den Direktor gefördert wurde, und zwar in einer Weise,
wie sie wohl nirgends für die gegenwärtige Zeit in irgend einem anderen Institute
gefördert wird, wurde auch die theoretische Untersuchung fortgesetzt mit Herrn
Dr. Ad. Schmidt in Gotha nach Möglichkeit weitergeführt. In ähnlicher Weise,
wie der Direktor die Ergebnisse dieser Untersuchungen im Vorjahre (1893, den
14. Januar) vor der Mathematischen Gesellschaft in Hamburg und vor der Ge
sellschaft Deutscher Naturforscher und Aerzte in Nürnberg (September 1893) Ge
legenheit genommen hatte darzulegen, wurde auch im Berichts-Jahre in verschie
denen Sektionen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Aerzte in Wien
über den Fortgang derselben Bericht erstattet- Ueber alle diese Vorträge liegen
gedruckte Referate, welche theils von dem Direktor, theils von Herrn Dr. Ad.
Schmidt angefertigt sind, vor. Von dem zuletzt genannten Herrn ist dem Di
rektor eine umfassende Arbeit überreicht worden, welche demnächst in den Ver
handlungen einer Akademie erscheinen soll. Dieselbe trägt den Titel „Mitthei
lungen über eine neue Berechnung des erdmagnetischen Potentials“
und beruht auf der graphischen Darstellung der erdraagnetischen Verhältnisse
für das Jahr 1885. Eine Abhandlung des Herrn Di-. Schmidt erschien als No. 3
des XII. Jahrganges (1889) „Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“ und trägt
den Titel „Mathematische Entwickelungen zur allgemeinen Theorie
des Erdmagnetismus.“ Die nun vorliegende Arbeit stützt sich im Wesent
lichen auf jene frühere, weshalb dieselbe auch mit einer Rekapitulation des In
haltes jener von 1889 beginnt.
Die in der Fertigstellung begriffenen Karten der magnetischen Verhältnisse der
ganzen Erde für 1895.0 werden, wie das schon im Jahres-Berichte 1898 erwähnt
wurde, dem Herrn Prof. Dr. Arthur Schuster, F. R. S., zur Grundlage einer
selbständigen Berechnung des erdmagnetischen Potentials dienen. Die Bedeutung
eines Zusammenwirkens der hervorragendsten Forscher auf dem in Rede stehen
den Gebiete auf möglichst einheitlicher Grundlage, kann nicht hoch genug ange
schlagen werden und ist nur zu hoffen, dais diesen Bestrebungen seitens der
mafsgebenden Kreise die gebührende Beachtung und Förderung gewidmet werde.
Die Thätigkeit des Assistenten des Direktors, Dr. Dudcrstadt, bewegte
sich im Berichts-Jahre in demselben Rahmen, wie dies auf Seite 30 des Berichtes
für 1893 auseinandergesetzt ist. Vor allem sind die laufenden Arbeiten; Anstel
lung regelmäfsiger magnetischer Beobachtungen im Kompafs-Observatorium der
Seewarte, Kontrole und Einstellung des Glycerin-Barometers, Aufsicht und Stand-
Vergleichungen für die Pendeluhr Knoblich 2090, Prüfung von Anemometern,
Reduktionen magnetischer Beobachtungen für Karten und Tahellenwerke u. s. w.
genau dieselben gewesen, wie in den früheren Jahren. Hervorgehoben mag hier
etwa werden, dafs einige Versuche mit einem von Herrn Dr. K. Möller in Brak-
wede konstruirten Luftfilter angestellt wurden, sowie dafs ein vom genannten
Herrn konstruirter Ventilations-Apparat für Eisenbahnwagen mit Vorrichtung zum
Reinigen der einströmenden Luft einer sehr eingehenden Prüfung auf dem Ro
tations-Apparate der Seewarte unterworfen wurde.
Ein Bericht über diese mannigfach variirten Versuche ist ausgearbeitet und
dem Erfinder, Herrn Dr. K. Möller, mitgetheilt worden, doch würde es untbuulich
sein, Einzelheiten daraus hier wiederzugeben, bevor nicht der Apparat seine de
finitive Form erhalten hat und dem öffentlichen Gebrauch übergehen werden kann.