Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1894.
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Auf Kosten der Rumänischen Regierung studirte zu Zwecken seiner Aus
bildung Herr Dr. Bungetzianu, Licentiat, während des Sommers des Berichts
jahres an der Seewarte, zum Theile in Abtheilung III.
Der geschäftliche Verkehr der Abtheilung III umfalste im Berichts-Jahre
785 Nummern amtlicher Schreiben.
X, Bericht über die Thätigkeit der Abtheilung IV.
Chronometer-Prüflings- Institut.
Inanspruchnahme des Instituts von Seiten der Chronometer-Fabrikanten und
Schiflskapitäne.
Im Jahre 1894 wurden dem Institute von Schiffskapitänen bezw. von Uhr
machern im Aufträge der Kapitäne 21 Chronometer — gegen 14 im Vorjahre —
zur Untersuchung übergeben. Wenngleich diese Zahl gegen die früheren Jahre
eine Zunahme nachweist, so können wir doch nicht umhin, auch diesmal unserem
Bedauern darüber Ausdruck zu geben, dais die Inanspruchnahme des Instituts
seitens der hiesigen Rhedereien und Schiffsführer noch immer eine verhältniis-
mäfsig so geringe ist. Allerdings wird hierin wohl nur dann eine Besserung zu
erwarten sein, wenn der Hauptagentur im Freihafeugebiet — wie bereits in un-
serm vorjährigen Berichte hervorgehoben wird — eine Barkasse zur Beförderung
der Chronometer von und nach den Schiffen zur Verfügung gestellt wird, da bei
der grofsen Entfernung des Instituts von den neuen Hafenanlagen der Transport
der Uhren für die Kapitäne selbst mit erheblichen Umständen und Schwierig
keiten verknüpft ist.
Von Uhrmachern wurden der Abtheilung neben den zur Konkurrenz be
stimmten Chronometern 5, sowie von Forschungsreisenden 9 und ferner von
wissenschaftlichen Instituten und im Aufträge fremder Regierungen 4 Chronometer
zur Prüfung übergeben. Das Verhalten der untersuchten Uhren war in allen
Fällen ein befriedigendes, und es konnten der Mehrzahl der Chronometer, nament
lich da, wo die Zeit der Untersuchung eine ausreichende war, Gangformeln öder
Temperatur-Tabellen mitgegeben werden.
Die Chronometer-Konkurrenz-Prüfung.
In den Tagen vom 10. November 1893 bis 19. April 1894 wurde die 17. all
gemeine Konkurrenz-Prüfung von Marine-Chronometern abgehalten. Es bethei
ligten sich an ihr 6 deutsche Fabrikanten durch Eiulieferung von im Ganzen
30 Chronometern; es ist dieses dieselbe Anzahl, wie im Vorjahre. Auch diesmal
war, im Vergleich gegen frühere Prüfungen — namentlich gegen die 12. und 14.
Prüfung — ein gewifser Rückschritt in den Gesammtloistuugen der Fabrikanten
erkennbar, sodafs diesmal nur 2 Chronometern — gegen 3 im Vorjahre — das
Prädikat „vorzüglich“ ertheilt werden konnte. Dagegen erhielten 13 Chronometer
— gegen 11 im Vorjahre — das Prädikat „sehr gut“, während 6 — gegen 8 im
Vorjahre — das Prädikat „gut“ zuerkanut wurde. Ein eingehender Bericht über
diese 17. Konkurrenz findet sich in den „Annalen der Hydrographie und maritimen
Meteorologie,“ Jahrgang 1894, Heft VII. Von den Instrumenten wurden 2 sei
tens des Reichs-Marine-Amtes prämirt und aufserdem 7 von diesem, 3 von der
Königl. Portugiesischen Marine und 1 für die Zwecke der Handelsmarine angekauft.