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Erst in 35,3° N-Br und 31,5° W-Lg verlor man den Passat, worauf mit ver-
änderlichen Winden der noch übrige Theil der Reise zurückgelegt wurde, bis
am 20. September nach 56tägiger Reise der Kanal erreicht wurde.
14. Reise der Bremer Bark „Bremen“, Kapt. Joh. Hellmers.
An Bord der Bark „Bremen“, welche auf einer Reise von der Weser
nach New- York begriffen war, begann man am 1. Juli 1878, an welchem Tage
Lizard passirt wurde, mit der Führung des meteorologischen Journals. Von
amlaufenden, meist jedoch aus westlicher Richtung kommenden, oft stürmischen
Winden zurückgehalten, verfolgte das Schiff die direkte Route zum Bestimmungs-
hafen. Es erreichte 30° W-Lg am 15. Juli in 50° N-Br und befand sich am 26. Juli
in 50° W-Lg und 45,8° N-Br auf den Neufundlandbänken. Im kalten Küsten-
strome nördlich vom Golfe wurde der letzte Theil der Reise zurückgelegt.
Hier waren die Windverhältnisse etwas günstiger, als sie im offenen Theil des
Oceans angetroffen worden waren, und nachdem die Bark noch 60° W-Lg am
1. August in 43,3° N-Br geschnitten hatte, gelang es am 13. August, die Bucht
von New- York nach einer Reise, deren Dauer vom Kanale ab 42 Tage betrug,
zu erreichen. Wegen Krankheit des Kapitäns wurde auf der Rückreise des
Schiffes das meteorologische Journal nicht geführt.
15. Reise des Bremer Vollschiffes „Humboldt“, Kapt. 6. Cornelius.
Vier Tage später, als die Bark „Bremen“ den Kanal verliess, befand sich
der auf derselben Reise befindliche „Humboldt“ in der Nähe der Scilly-Inseln.
Ebenfalls von hier, wie das Schiff „Bremen“, der direkten Route folgend, aber
sich auf derselben um einige Grade südlicher haltend als jenes Schiff, segelte
der „Humboldt“ mit veränderlichen Winden westwärts. Es wurde 30° W-Lg
am 16. Juli in 47° N-Br und 50° W-Lg am 23. Juli in 45,2° N-Br geschnitten,
In 30° W-Lg hatte der „Humboldt“ die „Bremen“ also beinahe eingeholt und
50° W-Lg erreichte jenes Schiff sogar um drei Tage eher. Als Grund für den
besseren Fortgang der Reise des „Humboldt“ sind die entschieden günstiger
und weniger stürmisch angetroffenen Winde anzusehen. Aber auch nördlich
vom Golfstrom fand dieses Schiff, welches nun einmal einen Vorsprung erlangt
hatte, bessere Windverhältnisse, als die „Bremen“ dort nachher antraf. Und nach-
dem der „Humboldt“ am 30. Juli 60° W-Lg in 42,6° N-Br überschritten, konnte
or am 9, August in der New- York-Bucht, ohne auf der Reise sehr stürmisches
Wetter angetroffen zu haben, den Anker fallen lassen, während sein Mitsegler
erst am 13, August dahin gelangte.
Am 1. September trat der „Humboldt“ die Heimreise nach Bremen
wieder an. Dieselbe zeichnete sich besonders durch die Häufigkeit der während
ihrer Dauer angetroffenen Gegenwinde aus. Im Uebrigen verlief dieselbe ruhig,
und ohne dass sich Nennenswerthes ereignete. Bis 60° W-Lg hin traf
das Schiff fast nur östlichen Wind, dann setzten westliche Winde ein, mit deren
Hülfe 50° W-Lg am 15. September in 43,3° N-Br erreicht wurde. Nach dieser
Zeit traf man wieder häufig östliche Winde an; dennoch gelang es, nachdem
30° W-Lg am 24, September in 45,4° N-Br gekreuzt worden war, am 30. Sep-
tember den Kanal zu erreichen, nach 29tägiger Reise von New-York aus,
16. Reise der Bremer Bark „Mozart“, Kapt. Ad. Jülicher.
; Am 27. Juni 1878, also vier Tage vor der „Bremen“ und acht Tage vor
dem „Humboldt“ befand sich der „Mozart“, welcher, von Havre ausgegangen,
ebenso, wie die anderen beiden Schiffe auf einer Reise nach New- York begriffen
war, in der Nähe der Scilly-Gruppe. Auch dieses Schiff schlug die direkte
Route ein, sich auf derselben anfänglich etwas südlich, späterhin verhältniss-
mässig nördlich haltend, Der „Mozart“ fand auf diesem Wege von den drei
Schiffen die schlechteste Gelegenheit; nicht allein scheint er die Winde am
meisten aus ungünstiger Richtung getroffen zu haben, sondern er scheint auch
von daher das stürmischeste Wetter erlebt zu haben. So traf den „Mozart“ der
Sturm vom 21. Juli, als das Schiff sich in 47,5° N-Br und 42° W-Lg befand,
Ann. d. Hydr., 1879, Heft II (Februar). +