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4, Reise des Bremer Schiffes „Kaiser Wilhelm“, Kapt. 6. Hauck.
An Bord des Vollschiffes „Kaiser Wilhelm“, das auf einer Reise von
Bremen nach Rangoon begriffen war, wurde mit der Führung des meteorologischen
Journals am 8. December 1877 begonnen, als das Schiff sich in 45,7° N-Br und
13° W-Lg befand. Mit umlaufenden Winden von mässiger Stärke, deren
Richtung aber im ganzen nicht ungünstig war, wurde ein südlicher Kurs ver-
folgt, und nachdem 40° N-Br in 18,6° W-Lg am 10. December geschnitten
worden war, erreichte man am 14. December in 31,4° N-Br und 21,5° W-Lg
das Gebiet des NE-Passats. In rascher Fahrt wurde auch dieses durcheilt,
20° N-Br in 25° W-Lg am 17. December und 10° N-Br in 24,8° W-Lg gekreuzt
und schon am 22, December in 5,6° N-Br und 24,8° W-Lg das Gebiet des
Stillengürtels betreten. Hier wurde die Reise durch Mallung um einige Tage
verzögert; erst am 27. December, als man nach 1,3° N-Br in 27,2° W-Lg ge-
kommen war, fand das Schiff dort den SE-Passat, mit welchem schon am
folgenden Tage in 29,2° W-Lg. der Aequator überschritten werden konnte.
Die Reise von 30° N-Br ab hatte bis hierher eine Dauer von nur 13. Tagen:
Der Passat der südlichen Halbkugel erwies sich schwächer, als jener der
nördlichen; dagegen erstreckte sich sein Gebiet weiter südwärts, als es ge-
wöhnlich der Fall. ist. Nachdem 10° S-Br in 31,8° W-Lg am 1. Januar 1878
und; 20° S-Br in 29,5° W-Lg am 6. Januar überschritten worden war, verlor
das: Schiff am 9. Januar in 308° S-Br und 23,8° W-Lg den regelmässigen Ost-
wind; derselbe lief erst nördlich und bald darauf westlich. Am 17. Januar
erreichte: der „Kaiser Wilhelm“ in 40° S-Br den Meridian von Greenw.; es
waren. jetzt. 19!/z Tage verflossen, seit man den Aequator überschritten hatte.
Zum Ablaufen der Länge wählte Kapt. Hauck den 43. Grad: südlicher
Breite; doch fand er dort eine nicht sehr günstige Gelegenheit, Die Winde
wehten. meistens. aus den beiden nördlichen Quadranten, auch waren dieselben
häufig schwach und unbeständig. Nur einen heftigen Sturm, von einem: geringsten
Luftdruck von 752,0 mm begleitet, hatte man zu überstehen; derselbe wehte aus
SE und nöthigte den Kapitän, beizudrehen. Am 6. Februar gelangte das Schiff
in 34° S-Br zum Meridian von 80° Ost; es waren 20 Tage erforderlich gewesen,
um von 0° Länge her so weit zu kommen.
Der stürmische Südwind, mit dem 80° O-Lg passirt wurde, ging frisch
wehend in. den SE-Passat über, und schon am 13. Februar befand sich das.Schift
in. 13,3° S-Br und, 88,3° O-Lg an dessen äquatorialer Grenze. Man hatte
vorher 30° S-Br in 84,3° O-Lg am 7. Februar und 20° S-Br in 88,0° O-Lg am
11. Februar überschritten. Dann wurde längere Zeit mit Mallung und Stille
gekämpft, bevor. es gelang,. in etwa 7° S-Br leichten nordwestlichen Monsun
anzutreffen, der zunächst zwar ein etwas rascheres Fortkommen ermöglichte,
aber doch noch zu oft von Stille und Mallung unterbrochen war. Erst am
1. März konnte man in 90,5° O-Lg über den Aequator gehen, es waren nun
schon 16 Tage verflossen nach dem Verlassen des Passatgebiets: Nach dem
Ueberschreiten der Linie stellte sich frischer NW-Wind ein, wie dies. auch schon
von: Maury-in der. 8, Ausgabe seiner „Sailing Directions“ als für diese Jahres-
zeit. nahe der NW-Spitze Sumatra’s häufig vorkommend erwähnt wird, und mit
ihm, lief das Schiff bis 4° N-Br in 95,5° O-Lg. Hier. wurde es: wieder
windstill, bis.2 Tage: später flauer NE-Monsun durchkam. Darauf. nordwest-
wärts segelnd, wurde. als westlichste Länge 90° O in 14,1° N-Br angelaufen;
hier nahm der Wind eine so hoch nördliche Richtung an, dass gewendet. werden
konnte. Mit ganz leichtem NNE-Winde arbeitete man hierauf nach Osten hin;
am, 14. März wurde der South: Channel passirt, und: nachdem : das‘ Schiff am
16. März in 95° O-Lg leichten Westwind gefunden. hatte, gelangte es am
18, März. zur Mündung des Rangoon - Flusses,. — nach einer: Reise, deren
Dauer. von der Zeit ab, dass man. die Linie im Atlantischen Ocean schnitt,
79, Tage betrug.
Mit dem 1. Mai beginnt. das während der Heimreise nach einem englischen
Hafen ‚geführte Journal; das Schiff befand sich an diesem Tage in 5,9° -N-Br und
93,5° O-Lg. Man war hier innerhalb des Stillengürtels, und die. leichten ver-
änderlichen Winde, welche jetzt angetroffen wurden, waren kaum hinreichend,
den hier herrschenden starken NE-Strom zu überwinden. Es wurden 10 Tage