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Vergleicht man die ungefähre Mitiellinie des angedeuteten Gebiets mit
den mittleren Wegen der Schiffe, so ist nicht zu verkennen, dass, für ein von
Europa nach Nord-Amerika bestimmtes Schiff, die Windverhältnisse auf der Route
von Neumann im Allgemeinen sich günstiger gestalten müssen, als auf den
anderen Routen. Eine grosse Schwierigkeit für das Weiterkommen von Neufund-
land an sind die vorherrschenden nordwestlichen Winde, obwohl nicht in Abrede
gestellt werden soll, dass ein Schiff dicht unter Kap Race (wie Neumann
empfiehlt) eine günstigere Position einnimmt, als ein solches, welches mehrero
Grade südlicher steht,
Offenbar durch den Vorschlag Neumann’s dazu veranlasst, haben in
der letzten Zeit einige Kapitäne, welche Wetterbücher für die Seewarte führen,
die nördliche Route gewählt.
Auf die Ergebnisse dieser Reisen soll später zurückgekommen werden.
Aus den Reiseberichten S. M.S. „Ariadne‘“, Korv.-Kapt. v. Werner.”
Am 16. September 1878 verliess die „Ariadne“ Sydney (s. pag. 5) und
segelte zunächst nach Apia auf Upolu zurück, wo sie am 8. Oktober eintraf
and bis zum 20. Oktober verweilte. Alsdann besuchte sie Nukualofa auf
Tongatabu (vom 25.—29. Oktober) und begab sich von da nach Levuka auf
Ovalau (Fiji - Inseln). Den über diese Reisen eingesendeten Berichten des
Kapt. von Werner entnehmen wir nachstehende Notizen.
ij. Reise von Sydney nach Apia im September und Oktober 1878,
„Zunächst wurde östlicher Kurs genommen, um später östlich von der
Tonga-Gruppe mit dem SE-Passat nach Norden zu laufen. Diese Route wird
von allen Segelschiffen angewendet und ist unbedingt zu empfehlen, da der
Passat südwestlich von dem Tonga- und Fiji-Archipel sehr unbeständig und
durch Stillen unterbrochen ist, häufig auch östlich und nördlich steht, so dass
es geboten ist, mit den in höheren Breiten herrschenden West- und Südwinden
genügend Luv zu gewinnen. Vom 16. bis 18. September wehte südlicher Wind,
welcher aber bald abflaute; vom 19. bis 21. September wehte anfangs Wind
aus NW und SW, dann aus SE; vom 2l. bis 23. September trat gänzliche
Stille ein, welcher vom 23. bis 27. September leichte östliche und nördliche
Winde folgten. Die „Ariadne“ nahm ihren Kurs durch die Kermadec-Gruppe
nach den Samoa-Inseln zu und fand vom 28. September bis 2. Oktober östliche
Winde und an letzterem Tage Stille. Diese ermöglichte es, dass man die
La Rance-Bank bei Tage rekognosciren konnte, da das Schiff zu dieser Zeit
nur 38 Sm westlich von der Nordspitze dieser Bank stand (s. sub 2). .
Nach dieser Rekognosecirung setzte die „Ariadne“ ihre Reise theils unter
Dampf, theils unter Segel fort; erst am 6. Oktober Abends wurde in 17° S-Br
der Passat angetroffen; am 8. Oktober ankerte das Schiff zu Apta,
Die Windverhältnisse zwischen den Samoa-Iuseln und Australien erwiesen
sich sowohl auf der Hin- als auf der Rückreise der „Ariadne“ sehr ungünstig,
Während die „Ariadne“ auf der Fahrt von Apia nach Sydney durch den
SE-Passat, welcher allerdings immer zwischen S und SSE stand, bis südlich
von den Fii-Inseln gebracht wurde, dann aber während der ganzen Fahrt nur
Stille anstatt westlicher Winde antraf (s. S. 8), gestalteten sich auf der Rück-
reise die Verhältnisse gerade entgegengesetzt. Vom 17. bis 20. September
ermöglichten allerdings Starke westliche Winde eine schnelle Fahrt; dann jedoch
traten Stillen und später östliche und nördliche Winde und wiederum Stillen ein.
) S. „Ann. d. Hydr. ete.“, 1878, pag. 194; 1879, pag, 5.