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müsste, Die gleichförmige Temperatur von 10° C. in der 4000m mächtigen
unteren Schicht kann vielmehr nur davon herrühren, dass unterhalb der Tiefe
von 200 Faden die Mindoro-See durch unterseeische Riffe von der ihr benach-
barten Celebes- und China-See, in welchen schon bei bei 200 Faden Tiefe sich
eine Temperatur von 10°C, vorfindet, abgeschlossen ist, und dass deshalb kein
kälteres Wasser, als solches von 10° in dieses Meeresbecken hineindringen kann.
Auch die in demselben vorkommenden Organismen zeigen die Abgeschlossenheit
desselben von dem offenen Ocean an.
In der Melanesia-See zwischen den Neu-Hebriden und der Torres-Strasse,
in der Banda-, Celebes- und China-See treten ähnliche Erscheinungen auf, aber
erst von grösseren Tiefen (900—1800m) an, wie in dem Abschnitt Stiller Ocean
näher erläutert werden wird.
(Fortsetzung folgt.)
Weitere Beleuchtung der nördlichen Route von Europa nach den
nördlichen Häfen Nordamerika’s unter Zuhülfenahme einiger von
Kapt. E. Neumann ausgeführten Reisen.
Von P, Fr. Aug. Hegemann.
(Mit einer Skizze.)
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
In einem Aufsatze in den „Ann. d. Hydr. etec.“, 1877, pag. 214—226,
„Winterreisen zwischen Europa und Nordamerika“ ist eine Zusammenstellung
einer Anzahl Winterreisen deutscher Schiffe von Europa nach Häfen Nord-
amerika’s gegeben, als deren Hauptresultat, mit Berücksichtigung aller Umstände,
die Empfehlung der Passatroute betrachtet werden kann.
Darauf hat Kapt. Neumann im XI. Hefte desselben Jahrganges der
Annalen (pag. 533—535) die Wichtigkeit der nördlichen Route für die Reisen
von Europa nach Nordamerika in den Wintermonaten dargelegt. Dieses geschah
auf Grund der Annahme, dass auf dieser Route cin von Europa nach Nord-
amerika segelndes Schiff sich in der Regel nördlich der Bahn der gewöhnlich
in ostnordöstlicher Richtung über den Nordatlantischen Ocean fortschreitenden
barometrischen Depressionen befinden und in Folge dessen in der Lage sein
wird, diese Depressionen in ihrem nördlichen Quadranten anzulaufen. Hieraus
folgt dann aber wieder, dass sich der Wind von SE gegen die Sonne allmählich
nördlich dreht und somit dem nach Westen segelnden Schiffe günstig bleibt.
Kapt. Neumann hat nun der Seewarte sein Schiffsjournal übersandt,
welches über fünf Reisen nach New- York Auskunft giebt. Vier dieser Reisen
wurden auf der nördlichen Route, die andere von Lizard direkt ausgeführt.
Als Ergänzung des erwähnten Aufsatzes von Kapt. E. Neumann dienen die
hier kurz angeführten Auszüge aus dem Journale, sowie die beigefügte Tabelle
der Schnittpunkte, welche wohl bestätigen, dass mit Rücksicht auf die Wind-
verhältnisse die nördliche Route zu empfehlen sein dürfte.
il. Am 10. Oktober 1875 trat der „Farewell“, Kapt. Neumann, seine
Reise von Pillau nach New- York an und passirte die Shetland - Inseln am 16.
desselben Monats. Oestliche Winde wehten mit ausserordenilicher Beständigkeit
bis zum 60. Längengrade, worauf der letzte Theil der Reise mit nordwestlichen
Winden ebenfalls rasch durchsegelt werden konnte. Der bei den Shetland-Inseln
angetroffene Ost-Wind drehte, indem das Schiff rasch westwärts davon segelte,
allmählich nördlich und weiter bis NW, als man 40° W-Lg in ungefähr 55° N-Br
erreicht hatte, Der Wind wurde darauf unbeständig und lief zurück auf SE.
Mit diesem Winde segelte man, nachdem Kap Race in geringer Entfernung
passirt war, bis 60° W-Ly in 45° N-Br, also nördlich von Sable Island, woselbst