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erreichenden Häfen an dem südlichen Theil der Westküste; dieselbe erstreckt
sich von Norden nach Süden und ist ca 7 Sm lang und 5 Sm breit. Am KEin-
yange der Bai liegt auf der Westseite die 3 Sm lange hügelige Insel Quiriquina,
der höchste Theil derselben ca 122 m Fuss) hoch. Der Eingang der Bai
zwischen Loberia head und der Insel Quiriqguina ist 2%10 Sm breit. Vor dem
nördlichen Theil der Insel liegen mehrere Felsen, theils über, theils unter Wasser,
bis 2 Kblg entfernt (Pajaros ninos), ebenso vor Loberia head. Die Tiefe am
Eingange der Bai beträgt 42m (23 Fad.), dunkler Sand, und nimmt nach der
Mitte derselben bis zu 27 und nach den Seiten bis zu 15 und 9m ab. In der
Bai liegen drei Häfen: Tome an der Nordostseite, Penco an der südöstlichen
und Talcahuano an der südwestlichen Seite; letzterer Hafen wird jetzt am
meisten von Schiffen besucht (cs befindet sich hier ein Hauptzollamt) und bietet
den besten und sichersten Ankerplatz in jeder Jahreszeit. Die Navigirung der
Bai bietet keine Schwierigkeiten und wird am besten von der Specialkarte
veranschaulicht. In der Nähe von Talcahuano sind mehrere Untiefen vorhanden,
die leicht vermieden werden können. Marina Rock kommt bei halber Ebbe sicht-
har und ist durch eine weisse Stange mit Kugel bezeichnet. Belen-bank, auf welcher
3,6 m (2 Fadon) Wasser stehen, war sonst durch eine rothe Boje bezeichnet;
diese war jedoch bei meinem Hiersein aufgenommen, vielleicht in Folge des Krieges.
Von der Bank aus peilt man den Berg Concepcion, eben frei von Talcahuano
head in SzW und den höchsten Hügel rechts von Talcahuano in nw WSW.
Es ist immer gerathen dieselbe an der Ostseite zu passiren. Die Einfahrt östlich
von Quiriquina-Insel wird gewöhnlich ein-, sowie ausgehend von Segelschiffen
benutzt. Es ist Hochwasser bei Neu- und Vollmond 10* 14”, der Gezeiten-Unter-
schied ist 1,5 bis 1,8 m (5 bis 6 Fuss). Im KEingange der Bai geht, insbesondere
in den Wintermonaten, bei Springzeit eine Strömung von 2 bis 3 Sm; sie ist
jedoch sehr vom Winde abhängig. Beim Ankommen in Zalcahuano ankern die
Schiffe gewöhnlich eben ausserhalb .des Hafens, und verholen später nach dem
vom Hafenmeister angewiesenen Platz; bevor nicht derselbe, sowie auch die Zoll-
visite, an Bord gewesen ist, darf keine Verbindung mit dem Lande oder Schiffen
stattfinden. Hafenlootsen sind vorhanden, doch kann man leicht selbst vertäuen.
Die Schiffe liegen mit beiden Ankern 190 m (60 Fad.) Kette nach Norden und einem
dritten Anker 87m (45 Fad.) Kette nach hinten in 9 bis 5,5m (5 bis 3 Faden)
Wasser vertäut; der Grund ist Mud und sehr haltbar. Die besie Jahreszeit ist
natürlich Sommer und Herbst, da im Winter wegen Seegang die Verbindung mit
dem Lande oft mehrere Tage lang etwas erschwert ist, wodurch die Entlöschung
und Beladung gestört wird; man hat nur offene Leichter, auch sind keine
Brücken vorhanden (ausser der Zollhausbrücke), von wo aus dieselben laden oder
löschen können. Ballast wird in Leichter gelöscht, die ca 10 bis 15 tons nehmen,
wofür man 342 bis 4 Doll, pro Leichter, je nachdem es Sand oder Steine, be-
zahlt. Die Ausfuhr besteht meist aus Getreide und Mehl, sowie auch aus Wolle
und Hörnern, hauptsächlich in den Monaten Mai, Juni und Juli. Eingeführt werden
Holz, Kohlen, Salz u. s. w. Seitdem Talcahuano durch Eisenbahn mit Concep-
cion verbunden ist, findet die meiste Ein- und Ausfuhr hier statt. Talcahuano
selbst ist ein kleiner Ort, hat jetzt mit nächster Umgebung ca 4000 Einwohner,
Die Hauptgeschäfte sind in (’oncepcion, wo die Kaufleute wohnen; hier sind
nur deren Agenten. In Concepcion ist ein Deutsches Konsulat, sowie auch eine
Filiale der. Bank von Valparaiso. Talcahuano steht mit Concepcion mehrere
Mal täglich durch Eisenbahn in Verbindung. Die Frachten von den hier laden-
den Schiffen werden fast immer in Valparaiso abgeschlossen. Der Hafen wird
noch jetzt von Walfischfängern viel besucht. Reparaturen können nicht ge-
macht werden, Dock, sowie Strand zum.Banken, ist nicht vorhanden; cs sind
wohl einige Zimmerleute hier, doch Schmiedearbeit konnte nicht gemacht und
musste nach Concepeion geschickt werden. Frischer, sowie Reise-Proviant, ist
billig und gut zu haben (bis auf Kolonialwaaren), andere Schiffsartikel, als
Tauwerk, Sogeltuch u, s. w. sind jedoch wenig oder gar nicht vorhanden, ob-
gleich einige Schiffshändler hier sind; doch sind diese Artikel leicht von Valparatso
zu beschaffen.
Die Kosten betragen: Hospital-Abgabe 10 Cts. pro Regts., Tonuengeld
LO Cts. pro Regts., Besorgung der Schiffsgeschäfte 25 Doll., Arbeitslohn mit
Kost 1’ Doll. pro Tag, Trinkwasser 2 Doll. pro Tonne, Ankerlausche 6 Doll,