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5. Bemerkungen über Valparaiso.
„Am 25. April hatte ich Pisagua verlassen und traf am 12, Mai in Val-
paraiso ein. Als Valparaiso Point frei von Coronilla Point kam, wurde zuerst
auf ersterem ein grösseres langes gelbliches Gebäude mit rothem Dach bemerkt
und erst beim Näherkommen, als Coronill@a Point in obiger Richtung war, kam
der Leuchtthurm zum Vorschein. Von Valparaiso Point aus liegen mehrere
Felsen über und unter Wasser, eben ausserhalb derselben liegt eine schwarze
Tonne mit Stange und Kugel, der man sich auf einige Schiffslängen nähern
kann. Hier, wenn nicht schon früher, kommen den einkommenden Schiffen
Boote mit Leuten, die sich für Lootsen ausgeben, entgegen, uud welche sich
anbieten, Schiffe einzubringen; ihre Forderungen sind indess übertrieben hoch,
mit 5 bis 8 Doll. sind dieselben genügend bezahlt. Meistentheils kann man
ihre Hülfe, wenn man ankern will, entbehren, da, wenn Brise vorhanden
ist, die Einsegelung leicht ist; bei Stille ist es vorzuzichen, anstatt Boote, einen
Schleppdampfer zu nehmen, dessen Dienst nach Uebereiukunft bezahlt wird;
für ein mittelgrosses Schiff eingehend 15 bis 20, ausgehend 35 bis 40 Doll.;
durch Zeigen der Flagge N (Rendezvous) unter der Nationalflagge kommen die
Dampfer längsseit. Die Preise sind etwas hoch, da leider keine Konkurrenz
vorhanden ist.
An der Westseite der Bai liegen mehrere Mooringsbojen, an denen ein-
und ausgehende Schiffe befestigen können (wenn man nicht vorzieht auf tiefem
Wasser zu ankern). Man ankert gewöhnlich, je nach der Jahreszeit, im Winter
in der Nähe der Moorings in 46—55m (25 bis 30 Fad.), im Sommer näher
nach dem Lande und der Südostseite der Bai in 33m (18 Fad.). Es darf keiner
an und von Bord bis nicht die Hafen- und Zollvisite das Schiff besucht hat.
Alle Schiffe, welche laden oder löschen, müssen im Hafen vertäuen; dieselben
liegen an der Südseite der Bai in 55—36,5m (30 bis 20 Fad.) Wasser, mit
heiden Bugankern und je 164,6m (90 Fad.) Kette nach Norden und einem
schweren Anker und 164,6 m (90 Fad.) Kette nach hinten. Anker und Ketten
werden vom Hafenmeister untersucht; falls solche nicht schwer genug, müssen
welche gemiethet werden. Zur Hülfe beim Vertäuen sind eigens dazu ein-
gerichtete Dampfer vorhanden. Die Westseite der Bai ist nur für Dampfer
reservirt.
Zum Verholen im Hafen muss man einen Hafenlootsen nehmen. Gelöscht
und geladen wird vermittelst Leichter, die 10 bis 15 tons fassen. Ballast
crhält man für 50 bis 75 Cts. pro ton längsseit.
Alle Schiffe, welche einen chilenischen Hafen besuchen, haben für alle
12 Monat 10 Cts. pro Regts. zu bezahlen (Hospitalgeld), ausserdem 10 Cts. pro
Regts. für jede Reise nach oder von einem ausländischen Hafen kommend, wenn
geladen oder gelöscht wird. Miethe für Sternmooring (Anker und Kette)
21 Doll. pro Tag. Ein- und ausklariren 75 Doll. Besorgung von Fracht 21
bis 5 pCt. Arbeitslohn mit Beköstigung 1'/2 Doll. pro Tag. Benutzung von
Mooringsbojen 5 Doll. pro Tag. Hafenlootse und Dampfer zum Vertäuen laut
Tarif. Trinkwasser 2 Doll. pro Tonne, doch nicht besonders gut. Proviant
ist billig und gut zu haben, sonstige Schiffsartikel immer vorräthig, doch 25 pCt.
theurer als bei uns. Alle Arten Reparaturen können beschafft werden, es sind
zwei grössere Schwimmdocks vorhanden, doch ziemlich theuer. Fehlende Mann-
schaft fast immer zu ersetzen. Desertionen kommen selten vor. Leuteverzeich-
niss, Manifest, Proviantliste (letztere beiden doppelt), sowie Gesundheitspass
wird verlangt.
Ausser mit südlichem Winde kann man nur selten ohne Hülfe eines
Schleppdampfers den Hafen verlassen,
Die Schiffe adressiren sich gewöhnlich wegen Ein- und Ausklariren an
eine Firma, doch sind auch Makler vorhanden, die solches, sowie Frachten,
besorgen.“
6. Bemerkungen über die Concepcion-Bai, Talcahuano und Tome.
„Von Valparaiso versegelte ich am 16. Mai nach Concepcion-Bai, um in
Talcahuano Weizen für Europa zu laden; letzterer Ort wurde am 18. Mai er-
reicht. Die Bucht von Concepcion bietet fast die sichersten und leichtest zu