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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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4. Bemerkungen über Pisagua. 
„Beim Ansegeln von Pisagua ist die Pichalo-Spitze leicht zu erkennen, 
dieselbe nimmt nach dem Meere zu einen höckerigen Verlauf; ca !a Fuss von 
der Spitze steht oben auf einem der Felsen eine Signalstange nebst Häuschen, 
indess sind beide von weitem nicht sehr kenntlich, der grünlich-braunen Fär- 
bung der dahinterliegenden Berge wegen. Sobald man sich der Spitze Pichalo 
mehr nähert, werden auch die daselbst liegenden Schiffe bald zu sehen sein. 
Der Ankerplatz ist in der südöstlichen Ecke von Pisagua-Bai; an der West- 
und NW-Seite ist der Hafen durch zwei rothe Bojen markirt, woran gewöhn- 
lich die hier vorsprechenden Dampfer fest machen; innerhalb der Bojen ist die 
Tiefe von 51m (28 Fad.) nach dem Lande zu schnell abnehmend, der Grund sehr 
uncben und steinig, wohl in Folge des von den hier ladenden Schiffen über 
Bord geworfenen Ballastes. Beim Einsegeln ist es gorathen, die Spitze Pichalo 
in Ys bis !/a Sm Abstand zu passiren, um einen unter Wasser liegenden Felsen 
zu vermeiden, der NW von der Spitze eine Kabellänge entfernt liegt; es ist 
besser, die kleinen Segel zoitig einzunehmen und nur mit den Marssegeln nach 
dem Ankerplatz zu laufen; gewöhnlich frischt der Wind auf, wenn man sich dem 
Lande nähert, und nach dem Passiren der Spitze Pichalo kommen starke Fall- 
oder Stosswinde von den Bergen, die auch auf dem Ankerplatze vorherrschend 
sind und mehrere Striche hin- und herspringen. Man muss suchen, innerhalb der 
Bojen zu ankern und kann später leicht mit Leinen nach der Stelle verholen, 
um zu vertäuen, da cs Morgens gewöhnlich still ist. Die hier ladenden Schiffe 
liegen vorn mit beiden Ankern und 82,3 m (45 Fad.) Kotte nach SSO und hinten 
für einen Anker, womöglich mit Kette vertäut, um dieselben am Schwaien zu 
hindern, da der Hafen, wenn eine Anzahl Schiffe vorhanden ist, sehr beengt ist. 
Bei meinem Hiersein trat Morgens gegen 9 Uhr leichter Wind aus südlicher 
Richtung ein, der sich im Laufe des Tages zur frischen Kühlte mit steifen 
Stosswinden verstärkte, die erst gegen Sonnenuntergang etwas nachliessen, in- 
dem der Wind flauer wurde und bis gegen 8 Uhr ganz abstarb. Während der 
Nacht war es still, gegen 5 bis 6 Uhr Morgens trat sehr flau nördlicher und 
östlicher Zug ein, der bis nach 8 Uhr anhielt. Nachdem man geankert hat, 
darf keine Verbindung mit dem Lande oder Schiffen stattfinden, bis der Hafen- 
meister und Zollvisite an Bord gewesen ist. Proviantliste, Manifest und Leute- 
verzeichniss wird verlangt. . Der Hafenmeister zeigt auch den Platz an, wo 
vertäut werden soll; Hafenlootse ist vorhanden, doch man kann ganz gut ohne 
denselben fertig werden. 
Den Ballast kann man gegen eine Gratifikation von 30 Soles Papier an 
den Hafenmeister über Bord werfen. Konsul ist nicht vorhanden, die betreffen- 
den Papiere muss man beim Hafenmeister deponiren, der dafür 10 Soles Silber 
beansprucht, ob derselbe aber das Recht dazu hat, ist sehr fraglich. Das Er- 
pressungssystem scheint ebenso ausgebildet, wie in Callao zu sein, falls man 
sich dagegen sträubt, hat man schliesslich nur Schaden davon. . Laden und 
Löschen geschieht von den Schiffen aus vermittelst Lanschen, die wieder vom 
Lande aus von den sogenannten „Balssas“ bedient werden. Beim Salpeterladen 
zahlt man für Lanschenmiethe für 1000 Quintals 16 Doll. Silber und Stauerlohn 
3 Doll. Besorgung der Schiffsgeschäfte 50 Doll. Silber. Ankergeld 4 Doll. 
Despatchiren bei der Duana 5 Doll. Stempel u. s. w. 4 Soles Papier. _ Tonnen- 
geld 20 Cts. Papier pro Regts., alle vier Monat, gültig für alle peruanischen 
Häfen. Hafenlootse 30 Doll. Papier. In normalen Verhältnissen sind frischer 
Proviant sowie einige Schiffsartikel zu haben. . 
Frisches Fleisch 40 Cts. pro Pfund. Wasser 3% Cts. pro Gallone von 
Arica kommend. Steinkohlen sind fast immer vorräthig. Ausgeführt wird fast 
nur Salpeter, und eingeführt von Segelschiffen etwas Holz und Steinkohlen. 
Der hier verladene Salpeter kommt 16 engl. Meilen von dem Hochplateau, von 
den sogenannten „Officinas“, welche alle in Privathänden sind. Die Ausfuhr des 
Salpeters ist Monopol der Regierung. Pisagua ist durch Telegraph mit /quique, 
Callao und Valparaiso verbunden, auch ist dreimal wöchentlich durch Dampf- 
schiffe mit letzteren Häfen regelmässig Verbindung. 
Die hier ladenden Schiffe sind von Callao, Valparaiso oder von Iquique 
aus befrachtet, auf Hierverfrachtung darf man nicht rechnen.“
	        
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