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Häfen und in der Nähe gefahrvoller Stellen die Kenntniss der Bodenbeschaffen-
heit zu seiner Orientirung öfters unentbehrlich ist. Deshalb sind in den See-
und Küstenkarten und den Hafenplänen neben den Tiefenangaben gewisse
Merkmale über die Beschaffenheit des Meeresgrundes eingetragen.!)
Man hat sogar versucht, nach Art der geologischen Karten des Festlandes,
auch solche für den Meeresboden zu entwerfen, welche durch verschiedene
Farben die verschiedenartige mineralische Beschaffenheit der submarinen Fels-
gebilde und der Ablagerungen der geologischen Jetztzeit auf dem Meeresgrunde
bezeichnen. Dies ist aber bisher nur für die Binnenmeere und die Küsten der
Kontinente ausgeführt worden, so u. A. von Delesse und von der „United
States Coast Survey“. In den offenen Oceanen aber haben erst die neueren
Tiefseelothungen und die Gewinnungen und Untersuchungen von Bodenproben
üder unterseeischen Geologie oder der Lithologie des Bodens der Meere die
Bahn gebrochen und zum Theil auch schon geebnet.
Im Jahre 1854 brachte Brooke mit seinem Apparat aus mehr als 2000m Tiefe
eine Probe von Kalkschlamm herauf, die bei mikroskopischer Untersuchung
zeigte, dass dieser Schlamm fast ganz und gar aus den Kalkschalen von den zu
den Foraminiferen gehörenden „Globigerina bulloides“ und „Orbulina universa“
bestand. Dieser selbe Schlamm, den man Globigerinen-Schlamm nannte, wurde
später an vielen anderen Stellen des Atlantischen Oceans gefunden, so von
Kapt. Dayman auf dem englischen Kriegsdampfer „Cyclop“ im Sommer 1857
in Tiefen bis zu 4900m auf der Lothungslinie zwischen Irland und Neufundland,
die Behufs der Kabellegung zwischen England und Nord-Amerika genommen war,
so von Dr. Wallich 1860 auf der Lothungsfahrt des „Bulldog“ zwischen Island,
Grönland und Neufundland in Tiefen von 3600m; ferner von Nordenskiöld
1868 in der Umgebung von Spitzbergen bis in Tiefen von 2050m, und so noch
an anderen Stellen des Atlantischen Oceans, Als die Tieflothungen sich auch
über andere Oceane erstreckten, fand man auch an ihrem Meeresgrunde zum
Theil denselben Globigerinen-Schlamm, zum Theil wie in allen Oceanen aber
auch noch andere Bestandtheile des Meeresbodens in seinen verschiedenen
Tiefen. Namentlich war es die Challenger-Expedition, welche uns reichen Auf-
schluss über die Beschaffenheit des Meeresbodens gab.
Die auf dem Meeresboden befindlichen Ablagerungen lassen sich nach John
Murray, dem Geologen der Challenger-Expedition, in 5 Abtheilungen gruppiren,
nämlich: 1. Küstenablagerungen, 2. Globigerinen-Schlamm, 3. Radiolarien-
Schlamm, 4. Diatomeen-Schlamm und 5, rothe und graue Thone (s. Proceed. of
the R. Soc. Vol. XXIV, 1875/76, pag. 471—544).
| Die Küstenablagerungen finden sich nahe bei den Kontinenten und
grösseren Inseln und orhalten ihre hauptsächlichen Merkmale durch die Gegen-
wart der Trümmer der anliegenden Länder und des durch die Flüsse hinzu
geführten Materiales, In einigen Fällen dehnen sich diese Ablagerungen, durch
Strömungen begünstigt, bis 150 Sm von der Küste entfernt aus. So werden
z. B. die Schlicktheile des Amazonas und des Orinoco in Süd-Amerika durch
den Aequatorialstrom weit nach Nordwest hin fortgeführt; so wird der gelbe
Schlamm des Hoang-ho so weit in das Meer hinein geführt, dass davon das
„Gelbe Meer“ seinen Namen erhalten hat. Es sind bei diesen Küstenablagerungen,
je nach der geologischen Beschaffenheit der das Meer begrenzenden Länder und
Inseln, verschieden gefärbie und zusammengesetzte Schlammarten zu unter-
scheiden. Am weitesten verbreitet sind die grünen und blauen Schlammmassen,
welche sich grösstentheils nahe den meisten Kontinenten und grösseren Inseln
vorfinden, deren Küsten aus älteren und krystallinischen Gesteinen bestehen.
Dieser grüne und blaue Thon findet sich in allen durch unterseeische
Erhebungen abgeschlossenen Meeresbetten, wie in der Banda-, Celebes- und
China-See. Ausserdem bedeckt dieser Schlamm den Meeresboden bei den Küsten
von Portugal, von Guinea bis zur Kapstadt in Afrika, von Halifax bis New- York
in Nord-Amerika, an der Ostküste des südlichen Süd-Amerika, ferner bei der
antarktischen Eis-Barriere, bei Australien, Neu-Seeland, Neu-Guinea, den
Philippinen und bei Japan, Der blaue Schlamm erstreckt sich bis zu Tiefen
: 1} Vgl. die Aufsätze von Prof. Orth .in den „Ann, d. Hydr, ete.“, 1875, pag. 126—133
and 302—310.