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dauer von Scilly bis nach der Nordwestspitze Sumatra’'s war 114 Tage, bis nach
Singapore 128 Tage.
Von Singapore versegelte „Eduard“ nach Bassein. Die Reise wurde am
10. Februar angetreten und in 20 Tagen vollendet. Am 25. März ging das mit
Reis beladene Schiff wieder in See, um nach Englaud zurückzukehren. Bei
frischem nordwestlichem Winde, der zu Anfang der Reise wehte, wurde ein
möglichst westlicher Kurs eingeschlagen und dann vor leichten nördlichen Winden
an der Westseite der Inselgruppen nach Süden gesegelt. Die nordwestlichen
Winde erstreckten sich bis nach 11° N-Br; südlich dieses Parallels herrschte
vorwiegend aus nordöstlicher Richtung kommende Mallung, bei welcher am
31. März 10° N-Br in 90° O-Lg gekreuzt wurde. In 8,5° N-Br setzte am
3. April südwestlicher Wind ein, der bald auffrischte und mit welchem am 8. März
in 91,2° O-Lg der Aequator überschritten wurde.
Auf südlicher Breite ging der Wind bald in Stille und Mallung über und
erst nachdem 11 volle Tage unter diesen Verhältnissen verbracht worden waren,
gelang es am 20. April in 6,2° S-Br und 93,5° W-Lg das Gebiet des Südost-
passates zu erreichen. Auf südwestlichem Kurse wurde nun 10° S-Br in 89° O-Lg
am 22. April, 20° S-Br in 53,2° O-Lg am 5. Mai und 30° S-Br in 38,5° O-Lg
am 19. Mai erreicht.
60° O-Lg wurde in 18° S-Br gekreuzt und schon in 19° S-Br und
55° O-Lg die südliche Grenze des Passats überschritten. Südlich der letzeren
traf „Eduard“ an vielen Tagen westliche Winde, war also weniger begünstigt
als andere heimwärts segelnde Reisfahrer in diesem Jahre. Heftige Stürme
wurden indessen nicht beobachtet. Am 28. Mai wurde bei leichtem südöstlichem
Winde der Meridian der Kapstadt und am 3. Juni der Parallel von 30° Süd in
14,5° O-Lg. gekreuzt. Trotz der vielfach ungünstigen Winde hatte die Bark die
Umsegelung des Kaps in 15 Tagen vollendet.
Die polare Grenze des SE - Passates traf „Eduard“ am 6. Juni in un-
gefähr 23° S-Br und 8° O-Lg. Der vorher frisch aus SW wehende Wind drehte
sich in der Nähe dieser Breite durch Süd nach SE. Am 9. Juni wurde weiter
in 1,3° O-Lg 20° S-Br geschnitten, am 12. Juni St. Helena angelaufen, um
Trinkwasser einzunehmen, dann am 18. Juni 10° S-Br in 13,7° W-Lg über-
schritten und am 24. Juni in 22,2° W-Lg zur nördlichen Halbkugel übergetreten.
Die Strocke zwischen 30° S-Br und der Linie war in 21 Tagen zurückgelegt
worden.
Sehr ungünstig traf „Eduard“ es auf nördlicher Breite beim Uebergange
von einem Passatgebiete zum anderen. Man verlor den SE in 5,2° N-Br und
23,2° W-Lg, musste sich dann aber nicht weniger als 11 Tage im Stillengürtel
abmühen, bevor es gelang, in 12,4° N-Br und 25,8° W-Lg das Gebiet des NE-
Passats wieder zu erreichen. Von dem kräftigen SW-Winde, welcher „Deike
Rickmers“ in 10° N-Br begünstigte, fand „Zduard“ keine Spur. In Folge davon
gewann das erstere Schiff und am 9. Juli waren die beiden Schiffe nur 21 Sm
von einander entfernt. Sie setzten dann zusammen ihre Reise fort, doch schien
im frischen Passate der grosse „Deike Rickmers“. dem „Eduard“ an Schnellig-
keit überlegen. „Eduard“ schnitt 20° N-Br in 33,8° W-Lg am 12. Juli und
30° N-Br in 39,5° W-Lg am 17. Juli. In 31° N-Br' verlor man den NE-Passat,
kreuzte am 24. Juli in 37° W-Lg den Parallel von 40° Nord und befand sich
am 7. August, demselben Tage, an welchem „Deike Rickmers“ in den Kanal ein-
segelte, in 49,8° N-Br und 10,8° W-Lg. Hier wurde mit der Führung des
meteorologischen Journals eingehalten; die Reisedauer bis dahin war 135 Tage.
14. Reise des Hamburger eisernen Vollschiffes „Undine“, Kapt. J. F. List.
Das von Kapt. List geführte eiserne Vollschiff „Undine“ trat im Herbst
1878 von Hamburg aus eine Reise nach Singapore an. Am 14. Oktober verliess
es bei frischem SE-Winde den Kanal. Mit umlaufenden, jedoch fast stets aus
günstiger Richtung wehenden Winden wurde südwärts gesegelt und so 40° N-Br
in 16,7° W-Lg am 19. Oktober, 30° N-Br in 20° W-Lg am 23, Oktober ge-
schnitten. In der Nähe des letzteren Ortes drehte sich der früher aus NW
wehende Wind durch Nord nach NE. Damit war das Gebiet des Passats
erreicht. Dieser wehte, wenn auch nur mit mässiger Stärke, doch ungestört, bis