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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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So ist z. B. die äusserste Grenze der californischen Küste Nordamerika’s 
schon in einem Abstande von 30—50 Sm von der Küste zu suchen. Dieses 
zeigt sich u. A. besonders deutlich bei den Lothungslinien von San Francisco 
bis 200 Sm westlich, wo von Kapt. Belknap auf der „Tuscarora“ im November 
1873 in Entfernungen von ca 30, 60, 150 und 190 Sm Tiefen von resp. 283, 
3157, 4128 und 4668m gelothet wurden. Diese Lothungen der „Zuscarora“ 
längs der Küsten Californiens im Jahre 1873 erstreckten sich von Kap Xlattery 
bis San Diego; sie wurden im März 1878 von demselben Schiffe unter dem 
Kommando von J. W. Philip, bei Gelegenheit der hydrographischen und karto- 
graphischen Aufnahme der Westküste von Unter-Californien und Central-Amerika 
von San Diego bis Kap San Lucas, fortgesetzt und bestätigten die rasche Zu- 
nahme der Tiefen von den Küsten Californiens nach dem eigentlichen oceanischen 
Bette zu. So fällt z. B. in einer Entfernung von 23 bis 55 Sm von der Insel 
Cerros, der Fortsetzung der Küste Californiens, der Meeresboden von 247-—4581 m 
ab (zwischen 28° 17‘ und 29° N-Br und zwischen 115° 42‘ und 116° 16‘ W-Lg); 
nur wenig südlich davon (28° 5‘.N-Br) nimmt. die Tiefe innerhalb einer Ent- 
fernung von 6/2 bis 30 Sm von derselben Insel von 137-—3996m zu; 18 Sm südlich 
von dieser Lothungslinie wurde in 27° 47’ N-Br und 115° 45‘ W-Lg die grösste 
Tiefe dieser Strecke zu 4866m gelothet (s. „Ann. d. Hydr. etc.“, 1878, pag. 320). 
Ein ähnliches Ergebniss haben auch die Lothungen an den Küsten von 
Chile und Peru geliefert, welche 1876 von dem englischen Dampfer „Dacia“ 
zum Zweck einer Kabellegung zwischen Callao und Valparaiso ausgeführt worden 
sind (s. „Ann. d. Hydr. etc.“, 1877, pag. 69). Nach diesen Lothungen sind 
schon in Entfernungen von 5 bis 20 Sm Tiefen von 1100—2925m und darüber 
gefunden worden; hiernach fällt die Westküste von Süd- Amerika noch bedeutend 
steiler ab, als die Küste von Californien. So ist z. B. dicht bei Valparaiso, 
ungefähr 8 Sm von der Küste, eine Tiefe von fast 3100m gelothet worden.‘) 
Die im offenen Ocean innerhalb mehr oder weniger gleichmässiger Zwischen- 
räume genommenen Lothungen — sei es mit dem Hydra- oder dem verbesserten 
Brooke’schen Apparate („Challenger“ und „Gazelle“) — sei es mit dem Piano- 
Saiten-Apparate von William Thomson und Belknap („ Tuscarora“) — haben 
allerdings erwiesen, dass die Niveau-Verschiedenheiten des Meeresbodens zwischen 
zwei ca 100 Sm von einander entfernten Stellen im Allgemeinen sehr gering 
sind, so dass von irgend einer Stelle am Meeresboden im offenen Ocean aus 
betrachtet, dieser selbst als eine fast vollkommene Ebene erscheinen dürfte. Im 
Grossen und Ganzen aber betrachtet, erheben sich mehr oder weniger hohe, 
unterseeische Berge und Bergrücken oder Plateaux in längeren Zügen, oder 
auch in sich kurvenartig geschlossen, über dem eigentlichen Tiefboden der 
coane. 
Die oben erwähnten Tiefloth-Apparate, welche bei dem Aufstossen auf 
den meist weichen Meeresboden durch ihr eigenes Gewicht 30—60cm tief in 
in denselben einsinken, haben an dem unteren Ende des hohlen Loth-Cylinders 
ein sogenanntes Schmetterlings-Ventil, durch welches die Bodenproben in den 
Cylinder eindringen. Bei dem Emporwinden des Lothes schliesst sich das Ventil 
wieder von selbst, und die Grundproben kommen mit dem Cylinder zur weiteren 
Untersuchung an die Oberfläche. 
Die genaue Kenntniss der Beschaffenheit des Meeresbodens hat nicht nur 
für die Aufgaben der Geologie eine wissenschaftliche Bedeutung, indem die neu 
bildenden und verändernden geologischen Prozesse der Gegenwart sich auf dem 
Meeresgrunde beständig fortsetzen, und weil wichtige geologische und biologische 
Vorgänge der älteren Vergangenheit durch sie ihre Erklärung finden, sondern 
sie hat auch eine rein praktische Bedeutung für die Interessen der Schifffahrt, 
weil der Boden des Meeres als Ankergrund von sehr verschiedenem Werth ist, 
und weil dem Schiffer bei der Annäherung an Küsten, bei dem Einlaufen in 
1) In der, dem Hefte 310/311 der „Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge“, 
herausgegeben von R. Virchow und Fr. von Holtzendorff („Die Tiefsee und ihre Boden- und 
Temperaturverhältnisse“, von Dr. 6. v. Boguslawski) beigegebenen Tiefenkarte der Oceane der Erde 
ist zum ersten Male der Versuch gemacht worden, auf kleinem Raume die von den drei Haupt- 
Tiefsee-Expeditionen des „Challenger“, der „Gazelle“ und der „Tuscarora“ gelotheten Tiefen, mit An- 
gabe der Routen dieser drei Schiffe, sowie einige andere neuere Tiefseelothungen in den verschiedenen 
Meeren übersichtlich darzustellen.
	        
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