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drängte die Bark dadurch zwar unerwünscht weit nach Süden, ermöglichte aber
doch einen raschen Fortgang nach Westen. Am 27. September wurde 70° W-Lg
in 59,4° S-Br gekreuzt und am 30. September stand „Aeolus“ in 61,4° S-Br
und 77,5° W-Lg. Hier endete der nordwestliche Wind, ein Ostwind trat an
seine Stelle, der längere Zeit hindurch anhielt und die Bark an 7. Oktober in
90° W-Lg zum Parallel von 50° Süd zurückführte. So war in 19tägiger
Fahrt die Umsegelung des Kap Horn vollendet, ohne dass auch nur ein ein-
ziger Sturm angetroffen worden war.
Nach Norden segelnd, erreichte „Aeolus“ 40° S-Br iu 86,4° W-Lg am
13. Oktober und 30° S-Br in 83,6° W-Lg am 17. Oktober. Etwa in 29,5° S-Br
und 83,8° W-Lg drehte der Wind sich von SW durch Süd nach SE, und damit
war das Gebiet des Passats erreicht, Man schnitt ferner 20° S-Br in 85,6°
W-Lg am 21. Oktober, 10° S-Br in 86,6° W-Lg am 24. Oktober und den
Aequator in 86,3° W-Lg am 29. Oktober,
Schon am letzteren Orte wehte der Wind beinahe aus Süden, er lief
dann nach und nach westlicher und wehte aus südwestlicher Richtung bis
7° N-Br sehr frisch. In 8,5° N-Br wurde der Wind ganz schwach und in seiner
Richtung sehr unbeständig. Dementsprechend war der Fortgang der Reise von
der Zeit an nur ein langsamer. Man gelangte nach 10° N-Br in 87,7° W-Lg
am 5. November, und am 11. November wurde der Bestimmungshafen erreicht.
Trotz des schlechten Fortgangs an Ende der Reise war der Weg bis zum Be-
stimmungsplatz in der kurzen Zeit von 113 Tagen zurückgelegt worden.
Am 1. März trat „Aeolus“ von Corinto aus die Heimreise nach Falmouth
an. Zu Anfang derselben wurde bis 6,3° N-Br in 91,6° W-Lg frischer
NE-Passat angetroffen; dann herrschte für kurze Zeit Mallung und Stille, bis
in etwa 4,8° N-Br unbeständiger, leichter südsüdwestlicher Wind durchkam.
Kapt. Reiners segelte damit meistens über St. B.-Bug, benutzte indessen jede
Windveränderung, um möglichst Süd gut zu machen. Am 21. März überschritt
„Aeolus“ in 95,8° W-Lg den Aequator, traf dann aber noch, wie es auch im
Atlantischen Ozeane zu dieser Jahreszeit nicht selten vorkommt, bis nach
1,7° S-Br hin Mallung und Windstille. In letzterer Breite setzte endlich der
Passat ein, und gelangte die Bark dann nach 10° S-Br in 100,5° W-Lg am
29. März, nach 20° S-Br in 104,3° W-Lg am 2. April und nach 30° S-Br in
107,2° W-Lg am 9. April. In 25,2° S-Br und 105,7° W-Lg wurde die polare
Passatgrenze überschritten und nun bei umlaufenden, erst südlich von 46° S-Br
stetig aus westlicher Richtung wehenden Winden der noch übrige Theil der
Reise zum Kap Horn zurückgelegt. Am 14. April wurde 40° S-Br in 107,5°
W-Lg, am 20. April 50° S-Br in 97° W-Lg gekreuzt, und am 27. April, dem
57sten Tage der Reise, die Länge des Kaps Korn passirt,
Im Südatlantischen Ozeane begünstigten „Aeolus“ für verhältnissmässig
lange Zeit südwestliche Winde. Man schnitt dort 50° S-Br in 47,5° W-Lg am
2, Mai, 40° S-Br in 28,5° W-Lg am 9. Mai, 30° S-Br in 28° W-Lg am 14. Mai
and 20° S-Br in 29,8° W-Lg am 21. Mai. Anscheinend fand die Bark erst in
12° S-Br und 29,5° W-Lg den Passat. Nachdem dann noch 10° S-Br über-
schritten worden war, gelangte „Aeolus“ am 31. Mai in 31° W-Lg zum Aequator.
Es waren bis dahin 34 Tage verflossen, seit man das Kap Zorn passirte,
In etwa 2° N-Br endete für „Aeolus“ der Passat; fast eine Woche hin-
durch wurde man dann im Stillengürtel aufgehalten, und erst in 7,5° N-Br und
32,5° W-Lg gelangte die Bark wieder in das Gebiet des NE-Passats. Am
9. Juni wurde weiter 10° N-Br in 34,6° W-Lg, am 13. Juni 20° N-Br in 39,5°
W-Lg und am 18. Juni 30° N-Br in 43,3° W-Lg überschritten.
In 29,2° N-Br verliess die Bark auch dieses Passatgebiet, traf dann
noch leichte östliche Winde bis nach 37,5° Nord und erst in dieser Breite
westlichen Wind, mit dem der letzte Theil der Reise zurückgelegt werden
konnte. Am 26. Juni schnitt man 40° N-Br in 44,5° W-Lg und am 7. Juli
befand sich „Aeolus“ in Sicht von Scilly nach 128tägiger Reise von Corinto ab.
3. Reise der Bremer Bark „Goethe“, Kapt. Fr. Diercks.
Am 12. Februar 1879 passirte die von Bremen nach Pascagouwla be-
stimmte Bark „Goethe“ den Meridian von Lizard. Bei westlichen, jedoch durch-
gehends günstigen Winden erreichte man auf südlichem Kurse 40° N-Br in