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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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den Rändern, und die Gesammtwirküng wird erheblich beeinträchtigt. Geringe 
Länge, leichte Auffindung von entfernten Gegenständen und grosse Helligkeit 
sind die Eigenschaften, welche dieses Fernrohr zum Nachtgebrauch auf Schiffen 
besonders geeignet machen. Die Helligkeit wird durch grosse Objektivöffnung, 
sowie durch die der Konstruktion eigene geringere Vergrösserung erlangt und 
durch den Umstand begünstigt, dass nur zwei Linsen Verwendung finden, Jede 
Brechung des Lichtes, und deshalb jede eingeschaltete Linse, muss nämlich 
einen Verlust an Helligkeit nach sich ziehen. 
Die in der Kaiserlichen Marine verwendeten Nachtfernrohre. haben 
Objektivlinsen, welche denen für Tagfernrohre ganz ähnlich und deshalb eben- 
falls, wie in Figur I dargestellt, zusammengesetzt sind. Die Okulare dieser 
Fernrohre bestehen nur aus einer doppelt konkaven Kronglaslinse, Diese ein- 
fache Linse ist hier anwendbar, weil bei der konkaven Linse die sphärische 
Abweichung nur gering ist und weil die chromatische Abweichung, wegen der 
geringen Vergrösserung der Nachtfernrohre, nicht ins Gewicht fällt, 
In der Nähe des Brennpunktes des Okulars ist eine Blende angebracht, 
welche den Zweck hat, die Randstrahlen abzuschliessen. Dieselbe ist nicht 
unbedingt erforderlich, fehlt auch bei Nachtfernrohren einiger Optiker ganz, 
weil die verhältnissmässig grosse Verengung der Rohrdurchmesser gewisser- 
maassen als Blende wirkt. Will man bei Nachtfernrohren die höchste Voll- 
kommenheit in Bezug auf Schärfe und Korrektheit des Bildes, sowie Ebenheit 
des Gesichtsfeldes erreichen, so ist es nothwendig, sowohl das Objektiv, als 
auch das Okular aus verschiedenen Gläsern von Kron- und Flintglas zusammen- 
zusetzen. Derartige Gläser werden jedoch wegen der Schwierigkeit der 
Fabrikation sehr theuer. Die Voigtländer’sche Fabrik in Braunschweig fertigt 
solche Nachtfernrohre in sehr guter Qualität au und setzt sowohl das Objektiv, 
wie auch das Okular in ähnlicher Anordnung, wie sie Figur II darstellt, zu- 
sammen. Wenn dieselben auch für den Gebrauch am Tage oder bei Licht 
den in der Kaiserlichen Marine eingeführten Doppelgläsern überlegen sind, so 
ist der Unterschied für den Nachtgebrauch doch nicht als derartig ins Gewicht 
fallend angesehen worden, um die Aufwendung der bedeutend grösseren Kosten 
zu rechtfertigen. 
Ein gutes Fernrohr muss nun eine, seinem Zweck entsprechende Ver- 
grösserung, ein genügend grosses Gesichtsfeld und hinreichende Helligkeit 
haben. Betrachten wir jede dieser Eigenschaften näher. 
Die Vergrösserung ist diejenige Zahl, welche angiebt, wie oft der 
Winkel, unter welchem das Objekt in einer gewissen Entfernung gesehen wird, 
in dem Winkel enthalten ist, unter welchem es durch das Fernrohr erscheint. 
Das praktischeste und bei den Untersuchungen des Hydrographischen Amtes 
angewendete Verfahren zur Bestimmung der Vergrösserung ist folgendes: 
Wenn das Fernrohr zum deutlich Sehen oder auf den Brennpunkt eingestellt 
ist und sein Objektiv gegen das Tageslicht gerichtet wird, so erblickt man in 
der Mitte des Okulars einen kleinen, leuchtenden Kreis, welchen man auf einer 
Fläche von durchsichtigem weissem Papier oder ähnlichem Stoff leicht auf- 
fangen und mit einem Zirkel messen kann.!) Dieser Kreis ist durch den 
Durchschnitt des durch das Okular in das Auge einfallenden Strahlencylinders 
gebildet und eigentlich das Bild des Objektivglases selbst. Der Halbmesser 
dieses Kreises verhält sich zur Brennweite des Okulars, wie der Halbmesser 
des Objektivs zu seiner Brennweite. Da man nun nach cinem bekannten, 
hier nicht weiter zu erläuternden Satze der Optik die Vergrösserung eines Fern- 
rohrs crhält, wenn man die Brennweite des Objektivs durch die des Okulars 
dividirt, so giebt der Durchmesser des Objektivs, durch den Durchmesser des 
leuchtenden Kreises dividirt, ebenfalls die Vergrösserungszahl. Nennt man den 
mit dem Zirkel gemessenen Objektivdurchmesser D, den auf gleiche Weise ge- 
messenen Durchmesser des leuchtenden Kreises k und die Vergrösserungszahl G, 
80 ist: 
D 
G = rn 
1) Die Messung auf dem Okular selbst ist genauer, empfiehlt sich aber für gewöhnlich nicht, 
weil man dasselbe mit dem Zirkel leicht beschädigt.
	        
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